Bild-schöne Bühnengeschichten

17.7.2015, 21:13 Uhr

© Foto: Berny Meyer

Klar, die großen Namen fallen immer, wenn es ums Bardentreffen geht. Klaus Lage war da, Heinz Rudolf Kunze, Konstantin Wecker und Hannes Wader. Thomas Gottschalk diente in den ersten beiden Jahren einmal als Juror, einmal als Moderator. Aber genauso gab es diese Schar von Musikern, die nur halb so bekannt und vielleicht doppelt so gut waren. Und natürlich die ungezählten Namenlosen, die sich und ihr Instrument am ersten Sommerferienwochenende in

© Foto: Stadt Nürnberg

die Fußgängerzone stellen.

Seit 1976 müssen inzwischen 5000 Musiker in 2000 Konzerten bei dem Gratis-Open-Air-Festival aufgetreten sein, hat das städtische Kulturreferat überschlagen. Macht Tausende von Liedern, Posen und Stimmungslagen. Was Fotografen davon festhalten konnten, hat sich Mitarbeiterin Barbara Schwesig angesehen. 40 Motive aus vier Jahrzehnten wählte sie aus Archiven aus. Sie erscheinen ab Dienstag für zwei Wochen an 120 Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Außerdem zeigt die Galerie Atzenhofer in der Altstadt die Bilder ab heute als Ausstellung.

„Du hörst was und vergisst zu fotografieren

© Foto: Stadt Nürnberg

Einheimische werden bei Durchsicht nicken, Ortsfremde werden verstehen: Zum Bardentreffen gehören Schnauzbärte (vor allem um 1980), Freaks (Willy Michl), Schweißperlen auf Sängergesichtern, exotische Gewänder und die Altstadt im schmeichelhaften Sommerlicht.

Vom ehemaligen „Abendzeitung“-Fotografen Berny Meyer stammt etwa ein Superschuss von Sandy Dillon. Die US-Musikerin auf Plateaustiefeln verrenkte sich 2008 wild in ihrem Neon-Netzkleid. Seit 30 Jahren begleitet Meyer das Bardentreffen. Es treibe ihn in den Wahnsinn: die Panik, ein Motiv zu verpassen, das Menschengedränge. Und gleichzeitig: „Du hörst was, es ist geil, und du vergisst das Fotografieren.“ Auch hinter der Bühne seien ihm sämtliche Künstler auffallend entspannt begegnet.

Kuratorin Barbara Schwesig stellt nach ihrer massenhaften Bildersichtung fest: „Das Bardentreffen hat unglaublich zur Verwandlung der Stadt beigetragen.“ Ob Straßencafés oder die Lust auf die Kulturen der Welt, „das ganze Sommerleben, das wir jetzt haben, gab es vorher nicht“.

Wer ähnlich stark für das Festival schwärmt, kann sich die ästhetisch gelungenen Fotos gerahmt für 190 Euro an die eigene Wand hängen. Ebenfalls ausgestellt sind Bardentreffen-Cartoons des NZ-Karikaturisten Gerd Bauer.

Ausstellung bis 15. August, Galerie Atzenhofer, Maxplatz 46 a, Do.–So. 13–18 Uhr, Eintritt frei. Alle 40 Fotos auch im Bardentreffen-Programmheft (5 Euro). Das Bardentreffen dauert diesmal vom 30. Juli bis zum 2. August. www.bardentreffen.de

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