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Blackout: Nürnberg will sich für den Ernstfall wappnen

Feuerwehrgerätehäuser und Bürgerämter als erste Anlaufstelle - doch was dann? - 14.03.2018 05:47 Uhr

Es muss nicht der Dritte Weltkrieg sein - oft reicht ein heftiges Unwetter, wie hier 2015 in Thüringen, um die Stromversorgung zu kappen. © Michael Reichel/dpa


Eine Stunde. So lange hat der Stromausfall am späten Freitagabend gedauert. Betroffen waren die Stadtteile Wöhrd und Schoppershof. Laut N-Ergie war ein Kurzschluss in der Netzstation in der Ludwig-Feuerbach-Straße die Ursache. "Es war ein Isolationsfehler. So etwas kann passieren, wenn es draußen rasch wärmer wird, es aber in der Station noch zu kalt ist. Feuchtigkeit kann dann eindringen", erklärt N–Ergie-Sprecherin Heidi Willer. Bereits im vergangenen Januar und im Oktober 2017 kam es bei der N-Ergie zu ähnlichen Zwischenfällen.

Das sind zwar kleine Pannen, die schnell behoben werden können. Doch die Gefahr eines großflächigen, mehrere Tage oder gar Wochen andauernden Stromausfalls (Blackout) wächst und wächst. Mit jedem technischen Fortschritt nimmt auch die Abhängigkeit von Elektrizität zu. Das heißt aber auch: Die Systeme werden anfälliger und verwundbarer. Da sind die stetigen Stürme und Hochwasser, bedingt durch den Klimawandel. Experten spielen auch Szenarien durch, in denen Terroristen oder Angreifer aus dem Internet (Cyber-Krieg) unsere Stromversorgung ins Visier nehmen, Lücken im Sicherheitsbereich suchen und finden. Wie realistisch das ist, hat der Hackerangriff auf die IT-Systeme und Datenklau im Bundestag gezeigt, der Anfang März öffentlich wurde.

Immer dem Licht nach

Um aber Krisen nach einem großflächigen Stromausfall klein zu halten, sind einige Städte dabei, sich zu rüsten. Berlin und Hannover gehören dazu, aber auch Nürnberg. Derzeit stellt die Stadt das Katastrophenschutzkonzept auf neue Füße. Darin wird festgelegt, wohin sich Bürger bei einem Blackout wenden können. Nach dem Motto: Wo Licht ist, erhält man Informationen.

Es wird erste Anlaufstellen geben, die mit Notstromaggregaten ausgestattet sind: so beispielsweise in allen 18 Feuerwehrgerätehäusern in den Ortsteilen und in den fünf Wachen der Berufsfeuerwehr. Ab Frühjahr 2019 wird die Stadt die zwölf bestehenden Gerätehäuser sanieren und sechs weitere neu bauen. Im Zuge dessen werden die Gebäude für derartige Krisenzeiten ertüchtigt. Doch diese Anlaufpunkte werden für die Halbmillionenstadt nicht ausreichen.

Notstrom nur in Krankenhäusern

Deshalb übernehmen im Ernstfall dann auch das Rathaus und die städtischen Bürgerämter diese Funktion, so Volker Skrok, Leiter der Feuerwehr Nürnberg, dessen Dienststelle das Konzept erarbeitet. "Wir treten auch an die Rettungsdienste wie BRK und ASB heran, ob sie ihre Wachen für solche Sammelpunkte zur Verfügung stellen würden."

Informationen über die Lage in der Stadt, in Bayern und der gesamten Republik werden die Menschen in diesen speziellen Anlaufstellen erhalten. Infos etwa darüber, wo man Sprit, Nahrung und Wasser bekommt. Auch der Finanzverkehr knickt ein, Automaten spucken keine Banknoten mehr aus. Skrok: "Man muss sich auch da rüber im Klaren sein, dass mit einem Blackout alle technischen Pumpen ausfallen." Treibstoff kann nicht mehr in Fahrzeuge getankt werden. "Es gibt in Nürnberg ja kaum eine Tankstelle, die ein Notstromaggregat hat, um die Zapfsäulen in Gang zu halten." Selbst die Systeme in Arztpraxen fallen aus. "Die Mediziner können nur mit Händen, Augen und Ohren die Patienten untersuchen und behandeln." Da im Krisenfall aber in den Krankenhäusern Notstrom fließt, werden viel mehr Menschen die Notaufnahmen bevölkern.

Nur sieben Minuten ohne Strom

Bei der Wasserversorgung wird es Nürnberg nicht so heftig treffen wie andere Städte. "Das Wasser liegt in höher gelegenen Bereichen. Dadurch haben wir ein Gefälle, das für ausreichenden Druck sorgt." In Hochhäusern kann es jedoch zu Schwierigkeiten kommen, der Druck reicht nicht bis ins zehnte Obergeschoss.

Bisher spielen sich solche Szenen nur in den Köpfen ab, um daraus die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Unter den normalen Umständen allerdings sei "die Versorgungssicherheit sehr hoch", betont Heidi Willer. Im Jahr 2016, so die N-Ergie-Sprecherin, seien die Menschen im Bereich der Main-Donau-Netzgesellschaft, zu der die N-Ergie zählt, im Durchschnitt sieben Minuten ohne Strom gewesen. Willer: "Im gesamten Bundesgebiet waren es im Schnitt 12,48 Minuten."

Alexander Brock

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