Montag, 21.10.2019

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Blaue Nacht: Künstler aus Korea entwerfen Burgprojektion

Wenn die Burg zur Spielwiese wird - Spektakel noch nie live gesehen - 25.04.2019 15:50 Uhr

Im vergangenen Jahr brachte der Künstler Dan Reeder die Burg zum Leuchten, in diesem Jahr ist das koreanische Künstlerpaar Eun Hui und Chang Min Lee an der Reihe. Das Spektakel lockt jedes Jahr die Massen an, für die technische Umsetzung sorgt die Firma Rezac High Power Projection aus Österreich.


Wie das fertige Werk wohl am Ende wirken wird? Das können Eun Hui und Chang Min Lee selbst noch nicht so genau sagen. "Wir sind auch sehr gespannt", betonen die beiden koreanischen Künstler, für die der Auftrag des städtischen Projektbüros in doppelter Hinsicht eine Premiere ist. Obwohl sie schon seit etlichen Jahren in Nürnberg leben, waren sie noch nie an der Blauen Nacht beteiligt.

Außerdem ist es das erste Mal, dass das Ehepaar, das sich "auf AEG" ein Atelier teilt, gemeinsam ein großes Projekt umsetzt. Und dessen Ergebnis und seine, wie sie hoffen, auch für die Besucher beeindruckende Wirkung werden die beiden selbst erst kurz vor der Blauen Nacht am 4. Mai sehen: bei der Generalprobe am Vortag, 3. Mai, nämlich. "Bis dahin müssen wir uns das im Kopf vorstellen."

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Spektakel noch nie live gesehen

Im üppigen Angebot der Blauen Nacht, deren Programm wir auf vier Sonderseiten vorstellen, ist sie für viele Besucher alle Jahre wieder die Hauptattraktion: Die künstlerische Projektion auf der Silhouette der Burg hat auch 15 Jahre nach ihrer Premiere nichts von ihrer Faszination verloren. Die beiden 43-Jährigen aber, die in diesem Jahr Hand an Nürnbergs Wahrzeichen legen, haben das Spektakel noch nie live gesehen. Ihrer zwei kleinen Kinder wegen haben sie die Burgkunst der Vorjahre nur im Internet bestaunt – und deshalb noch keine genaue Vorstellung, was sie erwartet.

Motto und Burgprojektion: So wird die Blaue Nacht

Dafür wissen sie jetzt umso mehr, wie viel Arbeit in dem kurzen Spektakel steckt. "Viele, viele Bilder" habe er abfotografiert und auf seinen Rechner überspielt, sagt Chang Min Lee, der ebenso wie seine Frau unter anderem mit dem Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten ausgezeichnet worden ist. Darunter die realistischen teilweise fast fotografischen Studien seiner Frau einerseits und seine großformatigen, von bunten Tierwesen bevölkerten Bilder andererseits. Aus diesen wiederum suchte das Paar auch noch einzelne Ausschnitte heraus, verdoppelte die Details, vergrößerte sie im Rechner, glich sie ab mit der Silhouette der Burg.

"Das wird nie langweilig"

Sie malt Menschen, er lieber Tiere: Eun Hui und Chang Min Lee gestalten mit ihrer Kunst in diesem Jahr die Projektion auf der Burg.


Deren Abbild war bei der Arbeit an der "Himmlischen Reise", so der Titel der Projektion, stets präsent. Chang Lee zeigt auf dem Laptop die Linien, die auf dem Bildschirm markieren, bis wohin welcher der insgesamt vier Projektoren strahlen wird. Für die Technik, die Nürnbergs berühmtestes Denkmal zur überdimensionalen Leinwand macht, sorgt seit 15 Jahren die österreichische Firma Rezac High Power Projection. Die Spezialisten sind mit ihren Lichtinstallationen weltweit im Einsatz, machen alles zur Projektionsfläche, was Licht leuchten lässt – egal ob Berge, Gebäude, Wasser oder Schnee. Da wird das Wiener Rathaus genauso zur Spielwiese wie die Hofburg in Innsbruck oder die Pyramiden von Gizeh.

Die Burg aber ist auch für das Team aus Wien immer wieder etwas Neues und Besonderes. "Das wird nie langweilig", sagt Gerhard Rezac, der in Nürnberg immer noch dabei ist, obwohl er die Firma längst an seinen Sohn Peter übergeben hat. Schließlich habe jeder Künstler andere Ideen, "und die müssen wir dann in dieses System umsetzen". Dabei arbeitet das Team mit analoger Projektion, macht aus den gezeichneten oder gemalten Bildern Diafilme, die dann nach einem speziellen Programm bewegt werden.

"Die Deutschen mögen unsere Bilder"

Was alles bei der Umsetzung zu beachten ist, das mussten auch die Lees erst lernen. Dass die Burg mit ihren Sandsteinmauern ja keine ebene Fläche ist und obendrein mittendrin einen Knick macht, spiele für die Arbeit ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass die Farben auf dem dunklen Untergrund ganz anders zu Geltung kommen. "Weiß geht zum Beispiel gar nicht", sagt Eun Hui Lee. "Man kann da nur mit Kontrasten arbeiten." Es sei auf jeden Fall "eine große, unerwartete Ehre", an derart prominenter Stelle die eigene Kunst in ihrer Wahlheimat präsentieren zu können, betonen die Koreaner, die es eher zufällig vor 16 Jahren nach Deutschland verschlagen hat.

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Nach ihrem Studium in Seoul wollten sie gemeinsam Auslandserfahrung sammeln, fanden die vorgesehenen zwei Jahre an einer Hochschule in den USA aber zu kurz und die Altersgrenze fürs Studium in Frankreich zu niedrig. Deutschland habe sie wegen der zeitgenössischen Malerei gelockt, so Eun Hui. "Wir sind begeistert von Neo Rauch."

Aus den geplanten fünf, sechs Jahren für Sprachkurs und Studium an der Nürnberger Kunstakademie sind ein paar mehr geworden – mit derzeit offenem Ende. Dass sie blieben, liegt unter anderem an ihrem beruflichen Erfolg. "Die Deutschen mögen unsere Bilder." Und sie mögen Deutschland, genauer gesagt Nürnberg. Die Stadt mit ihrem eher gemächlichen Tempo gefalle ihnen längst besser als das hektische Seoul. Der Premiere ihres Großprojekts fiebern beide entgegen, diesmal sind sie natürlich dabei, ihre Kinder bringen sie mit. Auch Gerhard Rezac wird unter den Zuschauern sein, der 78-Jährige will das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit sehen. Und er weiß ja: Langweilig wird es auch diesmal nicht.

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