Mittwoch, 29.01.2020

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Böller-Stopp in Nürnberg? Partei fordert Komplettverbot

Stadt winkt ab: "Das lässt sich nicht gesamtstädtisch verbieten" - 11.12.2019 05:14 Uhr

Geböllert wird nur ein paar Stunden lang. Die Mitarbeiter des Servicebetriebs Öffentlicher Raum haben danach ein paar Stunden länger alle Hände voll zu tun. © Fot: Roland Fengler


Vor ein paar Jahren noch fielen jedes Jahr an Silvester in Nürnberg rund neun Tonnen Müll durch Raketen und Böller an. Mittlerweile müssen sich die Mitarbeiter des Servicebetriebs Öffentlicher Raum (SÖR) fast um doppelt so viel Abfall kümmern. 15 bis 20 Tonnen Müll gilt es seit dem Jahreswechsel 2016/2017 in den ersten Stunden eines neuen Jahres einzusammeln, so SÖR-Sprecherin Ulrike Goeken-Haidl. Der Grund: Große Feuerwerks-Gebinde liegen im Trend. Sie enthalten gleich mehrere Feuerwerkskörper, müssen aber nur einmal gezündet werden. Um die leeren Batterien kümmern sich dann die 35 bis 40 Mitarbeiter, die SÖR ab 1 Uhr nachts an Neujahr auf die Straßen schickt, ab 3 Uhr fahren sie mit großem Gerät die Hinterlassenschaften der Feiernden davon.

 

Geht es nach Thomas Schrollinger von der ÖDP im Stadtrat, dann dürfte das Müllaufkommen künftig sinken. In einem entsprechenden Antrag fordert er, dass die Stadt das Abbrennen von Krachern in der Innenstadt verbieten soll. "Schließlich verursachen die Böller den meisten Lärm und einen großen Anteil am Abfallaufkommen", so Schrollinger.

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Eigentlich sollte an Silvester ja jeder seinen eigenen Müll wegräumen - geklappt hat das aber nicht wirklich. Deswegen hat der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) schon am frühen Montagmorgen mit den Aufräumarbeiten begonnen. Neben Glasflaschen und Plastikbechern mussten aber auch die Überreste vom Feuerwerk entfernt werden - sogar in der eigentlich böllerfreien Zone.


"Ein sehr schöner Antrag", findet Umweltreferent Peter Pluschke, "aber eben auch einer, der rechtlich nicht umsetzbar ist." Wolle man Kracher verbieten, dann brauche man dafür immer eine ortsbezogene Begründung. Mit dem Hinweis auf eine mögliche Gefährdung oder Störung sei deshalb ein Böllerverbot neben Kirchen oder Krankenhäusern durchsetzbar. Aber: "Das lässt sich nicht gesamtstädtisch verbieten."

Nicht nur Krach, sondern auch Feinstaub

Zwei Verbotszonen in der Innenstadt gibt es aber bereits seit mehreren Jahren. So dürfen etwa rund um die Kaiserburg keine Feuerwerkskörper gezündet werden. Eine weitere Verbotszone gibt es rund um die Lorenzkirche. "Grundsätzlich dürfen Raketen oder Böller nie in der
Nähe von Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen, Fachwerkhäusern oder Kirchen abgebrannt werden", heißt es auf der Internetseite der Stadt. Und weil beim Silvestival auch der Hauptmarkt bespielt wird, bleibt auch der heuer böllerfrei.


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Kracher und Raketen sorgen aber nicht nur für Krach, Müll und einen schönen Himmel – sie verursachen auch Feinstaub. Der höchste gemessene Wert in der Stadt beim vergangenen Silvester lag mit 445 Mikrogramm pro Kubikmeter am Jakobsplatz. "Das betrifft aber nur vier Stunden und klingt je nach Windbewegung schnell wieder ab", so Pluschke. "Ich halte das für vertretbar, auch wenn ich Böllerei auf Menschenhöhe nicht schön finde", so der Umweltreferent.

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Jedes Jahr lassen es die Deutschen an Silvester krachen. Allerdings gibt es einige Regeln im Umgang mit Böllern, Raketen und Co., die es zu beachten gilt.


Im Nürnberger Tiergarten blickt man indes entspannt auf den Jahreswechsel – obwohl im Löwensaal gleich nebenan Silvester gefeiert wird. Die meisten Tiere, so Helmut Mägdefrau, der stellvertretende Direktor des Tiergartens, reagieren entspannt beim Feuerwerk. Einmal habe es bei den Pavianen Probleme gegeben, auch Gorilla-Opa Fritz musste im Alter früher besonders gepflegt werden. Sein Nachfolger im Gorilla-Haus aber ist ein Feuerwerks-Profi – und hat das vergangenes Jahr schon bewiesen. "Thomas kommt aus Valencia", sagt Mägdefrau, "und da knallen die eine ganze Woche lang."

Julia Vogl

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