Wieder keine Raketen?

Böllerfreies Silvester? Das plant die Stadt Nürnberg zum Jahreswechsel

Rurik Schnackig
Rurik Schnackig

Lokales

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16.11.2021, 05:55 Uhr
Silvesternacht in der Nürnberger Innenstadt 2020: Wegen Ausgangssperre und Feuerwerkverbot war es ungewohnt still und unbelebt.

Silvesternacht in der Nürnberger Innenstadt 2020: Wegen Ausgangssperre und Feuerwerkverbot war es ungewohnt still und unbelebt. © Michael Matejka

So ein Feuerwerk ist nicht billig. Bis zu 5000 Euro kann es kosten, wenn man mit einem Böller das neue Jahr begrüßt. Zumindest, wenn man dies in einem Bereich macht, in dem ein Feuerwerks-Verbot herrscht. Und diese verbotenen Bereiche nehmen gerade in vielen Städten zu, wie Medien vor Ort berichten. Beispiel Bremen: Dort sind empfindliche Areale wie Krankenhäuser und Flughafen tabu. Nun plant man aber, auch auf weitere Plätze auszuweiten. Weil sie historisch sind und daher einem besonderen Schutz unterliegen – oder weil sie prädestiniert dafür sind, dass dort wegen der Menschenmassen kein kontrolliertes Abbrennen mehr möglich ist.

Positives Fazit

In Nürnberg haben die Mitglieder des Stadtrates nach der stillen Silvesternacht 2020 ein überwiegend positives Fazit gezogen: Feuerwehr und Rettungsdienste erlebten einen Jahreswechsel mit normalem Einsatzaufkommen und Messungen ergaben, dass die Grenzwerte der Feinstaubbelastung – anders als in den Vorjahren – längst nicht überschritten wurden. Schließlich erhielt man viel positive Rückmeldungen von Tierhaltern, da Hund und Katze bei dieser Silvesternacht nicht in Panik gerieten.

An der Burg und in der Nähe von Kirchen darf auch in Nürnberg kein privates Feuerwerk gezündet werden. 

An der Burg und in der Nähe von Kirchen darf auch in Nürnberg kein privates Feuerwerk gezündet werden.  © Roland Fengler


Auf Nachfrage teilt die Stadt Nürnberg nun mit, dass man auf jeden Fall in bestimmten Bereichen der Innenstadt, wie auch in den Jahren vor 2020, am Verbot festhalten wird. Das heißt, dass etwa auf der Burg mit Sicherheit wieder ein Feuerwerks- und Böllerverbot erlassen wird. Dies diene dem Schutz der Menschen selbst, aber auch die historische Bausubstanz dürfe hier keiner Brandgefahr ausgesetzt werden.

Radius wird festgelegt

Wie weit dieser Radius des Verbotes jedoch gezogen wird, steht noch nicht fest. "Der genaue Umgriff wird gerade erarbeitet und den Stadträtinnen und Stadträten Anfang Dezember vorgestellt", teilt Andreas Franke, Leiter des Stadtpresseamtes, mit.
Ein weitergehendes Verbot wie im Jahr 2020, aus Klimaschutz-, Lärmschutz-, Infektionsschutz oder anderen Gründen, sei jedoch nicht zu erwarten. "Hier fehlt aktuell die Rechtsgrundlage."

Weiterhin gilt aber auch in Nürnberg: Raketen oder Böller dürfen grundsätzlich nicht in der Nähe von Krankenhäusern, Seniorenheimen, Fachwerkhäusern oder Kirchen abgebrannt werden.

Die Ausgangssperre ist nichts Erstrebenswertes. Aber an dem Böllerverbot wollen viele festhalten. 

Die Ausgangssperre ist nichts Erstrebenswertes. Aber an dem Böllerverbot wollen viele festhalten.  © Michael Matejka, NNZ


Gut 20 Tonnen Abfall, das entspricht etwa dem Gewicht von 16 VW Golf, muss der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) am ersten Tag eines Jahres im Schnitt wegräumen.

Das Thema hat eine große Sprengkraft und teilt die Bürger in zwei Lager. Nach dem Verbot 2020 in Nürnberg sahen sich viele darin bestätigt, dass die Vorteile viel größer seien als der sprichwörtlich schnell verpuffende Effekt.

Dem gegenüber stehen Feuerwerk-Fans, denen das Herz aufgeht, wenn sich der Himmel bunt färbt. Profi- und Hobbyfeuerwerker gleichermaßen sehen darin ein "Kulturgut", das nun in Gefahr sei.