Donnerstag, 27.02.2020

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Bunter Drache spuckt Feuer auf der Knabentoilette

Grundschüler und Erwachsene haben auf der Insel Schütt ein Mosaik gemacht — Kunstaktion macht auf die maroden Klos aufmerksam — Neugierige Mädchen - 22.03.2014 07:59 Uhr

Neue Attraktion: Kinder aus der 3A der Schule Insel Schütt haben mit der Künstlerin Manuela Dilly (li. hinten) ein Drachenmosaik in der Knabentoilette gemacht. © Linke


Vom Schwanz bis zum Kopf ist er fast 20 Meter lang, schillert in vielerlei Farben und besteht aus Fliesenstücken und Glitzersteinen. Eineinhalb Wochen lang haben 20 Grundschüler sowie zwölf Eltern mitgeholfen, das Mosaik an die Wand zu modellieren. Mit Unterstützung der Schulleitung der Grundschule Insel Schütt und der Künstlerin Manuela Dilly wurde die Knabentoilette durch das „Toilettenprojekt“ zu einem echten Blickfang.

Die Toiletten im Grundschultrakt waren während der Sanierungs- und Umbauarbeiten im Gebäude auf der Insel Schütt in den vergangenen Jahren außen vor geblieben. Das Amt für allgemeinbildende Schulen der Stadt Nürnberg fand, dass die Klos „zwar nicht mehr im besten Zustand, aber auch noch nicht sanierungsbedürftig sind“.

Als Konsequenz machten sich Rektorin Sandra Schäfer und Konrektorin Andrea Zweifel Gedanken darüber, wie die „Örtchen“ schöner gestaltet werden können und wie bei den Schülern mehr Achtsamkeit gegenüber dem schulischen Eigentum entsteht. „Auch die Sauberkeit wollten wir erhöhen, denn manchmal strömt ein penetranter Geruch aus der Toilette“, beschreibt die für die Projektarbeit zuständige Konrektorin.

Die Lehrerinnen entwickelten das „Toilettenprojekt“, für das die ramponierte Knabentoilette im Erdgeschoss auserkoren wurde. Die Schule beteiligte sich an einem Wettbewerb der PSD-Bank und gewann einen Preis, womit die Finanzierung gesichert ist. Danach wurde ein Motiv-Wettbewerb für alle Grundschüler veranstaltet. Die Klasse 3A siegte mit der Drachen-Idee und packte bei den künstlerischen Arbeiten auch kräftig mit an — inklusive der Eltern.

Die Schulleitung konnte die Firma Fliesen Scharrer als Sponsor gewinnen. Zudem kam Manuela Dilly mit ins Boot, die über reichlich Erfahrung mit Schüler-Kunstprojekten verfügt. Mit großer Begeisterung zerschlugen die Kinder die Fliesen und sortierten sie nach Farben. Danach wurde der Mosaik-Haftgrund aufgetragen, auf die man Mosaiksteine setzte, die am Ende mit vereinten Kräften sauber gewischt und poliert wurden.

„Das Klo war scheußlich und ich wollte mithelfen, das es schöner und sauberer wird, weil es peinlich ist, wenn’s stinkt“, bringt es Finn (10) auf den Punkt. Der neunjährige Jakob fand „die weißen Fliesen voll doof“, ebenso wie Derick (9), den das Mosaik beeindruckt, „weil Jungs auf Drachen stehen und das Klo jetzt nicht mehr so langweilig ist“. Die achtjährigen Ming-Xu und Emmanuel hatten Spaß am handwerklichen Arbeiten und finden das Fabelwesen „so cool“ wie der gleichaltrige Denis, der nicht mitmachen konnte, weil seine Klasse im Schullandheim war, „doch meine Mama hat mitgeholfen“.

Der neunjährige Alessandro hat mit seiner Mutter geklebt. Und er freut sich, dass die Toilette seit den Faschingsferien wieder geöffnet ist. Auch Mädchen haben mitgeholfen, wie die neunjährige Apollina, die sagt: „Ich wollte, dass die Jungs ein schöneres Klo haben und hoffe, dass sie mehr darauf achten.“ Auch die zehnjährige Chikondi war mit ihrer Mutter dabei. „Ich wollte ein schönes Klo für die Jungs — und wissen, wie’s in der Toilette aussieht.“

Name wird gesucht

Die siebenjährige Sophia hatte Spaß am Steinesortieren. „Die Jungs sollen sich zum Pinkeln setzen, dann stinkt’s auch nicht“, findet sie — und erntet Zuspruch. Fleißig waren auch die achtjährigen Laila und Nicole, die wie Alessandro in der AG Schülerzeitung mitarbeiten. In der nächsten Ausgabe wird der neue Feuerspuckerdrachen im Jungenklo sicher ein Thema sein – schließlich braucht er noch einen Namen. „Vielleicht wird das der nächste Wettbewerb?“, meint die Konrektorin.

Die Mädels wünschen sich übrigens ebenfalls ein Mosaik für ihre Toilette – mit Pferden oder Blumen. Die Rektorin ist nicht abgeneigt, allerdings nur unter der Bedingung, „dass sich Sponsoren finden und wir das finanzieren können“.

SABINE BECK E-Mail

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