Chaos, Gauner und viele Ex-Freundinnen

4.6.2013, 00:00 Uhr
Es ist nicht so, wie es aussieht: Szene aus dem Ganoven-Kurzfilm „Die Enzlingbrüder — lassen sich blicken“.

Es ist nicht so, wie es aussieht: Szene aus dem Ganoven-Kurzfilm „Die Enzlingbrüder — lassen sich blicken“. © Tabula Rasa Film

„Womit wir das bislang finanziert haben? Naja, mit Geld. Und der Mafia natürlich!“ Klar, womit auch sonst? Schließlich haben Tibor Baumann und Kompagnon Levent Özdil gerade den ersten Nürnberger Ganovenfilm an den Start gebracht. Gut, das stimmt so nicht ganz. Aber von vorne.

Vor gut drei Jahren saß man auf einem Grillfest. In dem Hinterhof trieben sich allerlei zwielichtige Gestalten herum. Und wie das halt so geht auf einem Fest, begann man darüber zu sinnieren, was es mit den Anwesenden wohl auf sich habe. Bei den meisten Menschen führt so etwas zu einem Running Gag und sonst zu nichts weiter. Nicht aber bei jemandem wie dem 27-jährigen Tibor Baumann, der in Erlangen Theater- und Medienwissenschaften studiert und mit „Tabula Rasa Film“ bereits eine eigene Produktionsfirma hat. Was passiert also logischerweise? „Wir haben uns hingesetzt und begonnen, ein Drehbuch zu schreiben.“

Ausuferndes Drehbuch

Das erzählt von den beiden Brüdern Frank und Enzo Enzling, „zwei Schmalspurganoven, die auf der Kloschüssel des Lebens schwimmen, während sie über echte Klassiker und wahren Schrott des Ganovenfilms diskutieren.“ Die Geschichte gelang gut. Etwas zu gut, denn „das Drehbuch war dann letztlich so groß, dass wir die Umsetzung keinesfalls stemmen konnten.“ Was macht man da? Umdisponieren, genau. So entstand ein zweites, sehr viel kürzeres Drehbuch und daraus in rund eineinhalb Jahren ein 30-minütiger, autarker Kurzfilm namens „Die Enzlingbrüder — lassen sich blicken“.

Der Film, so Baumann, diene primär dem Zweck, die Protagonisten vorzustellen sowie Stil und Humor der Idee. Die dafür kalkulierte Summe bekam man über den Crowdfunding-Service „Startnext“: Auf der Internet-Platform stellt jemand ein Konzept vor sowie die dafür veranschlagten Kosten. Die „Crowd“, also die damit online erreichten Personen, entscheidet individuell, ob das Konzept unterstützenswert ist und mit welchem Betrag man es subventionieren möchte. Inzwischen haben die Enzlingbrüder aber deutlich mehr verschlungen.

Nach der langen organisatorischen und vorbereitenden Phase der „Pre-Produktion“ wurde der Film, der „eigentlich zu lang für einen Kurzfilm und zu kurz für einen Langfilm und deswegen etwas problematisch“ ist, im September vergangenen Jahres in zehn Tagen am Stück abgedreht.

Die Handlung: An einem Sommertag treffen sich die Brüder in der Videothek des Ganoven Ede, die prompt überfallen wird, woraufhin großes Chaos ausbricht. „Eigentlich geht’s um Nürnberg, Ganoven und jede Menge Ex-Freundinnen“, sagt Tibor Baumann augenzwinkernd. Die Protagonisten sind alles andere als Laien: Der 20-Jährige Leon-Russell Baumann, Tibors Bruder, tourt derzeit als Fausts „Mephisto“ durch Deutschland, Michael Starkel könnte manchem ebenfalls bekannt sein aus diversen TV-Produktionen.

Kurzfilm als Visitenkarte

Auch Mit-Produzent Levent Özdil, Jahrgang 1976, ist kein unbeschriebenes Blatt im Metier. Der Schauspieler (u.a. „Dahoam is dahoam“) lernte Tibor Baumann im Rahmen eines Castings 2009 kennen und arbeitete bereits 2011 für den Film „Antihelden“ mit Baumann zusammen.

Jetzt also die Enzlings. Wenn der Film am Samstag, 8. Juni, im Rio-Palast in der Fürther Straße 61 debütiert, wird es sich tatsächlich um eine „reine Premiere mit begrenztem Platzkontingent“ handeln. „Wir wollen uns nicht zu viel vornehmen, um nicht an unseren eigenen Vorgaben zu scheitern“, sagt Baumann und gibt sich bescheiden. Der Fokus liege darauf, einen „Vorstellungseffekt zu erzielen und zu zeigen, dass wir gute Arbeit leisten“.

Natürlich erhoffe man sich davon auch, mögliche weitere Sponsoren mit ins Boot zu holen: „Ich denke, dass das gut ankommen wird und die Leute Spaß daran haben werden, vor allem auch an der Idee von Ganoven in Nürnberg, und dass sie dann Bock bekommen, uns zu unterstützen und den Hauptfilm zu ermöglichen.“

Wer sich die bis auf weiteres einzige Möglichkeit, den Film zu sehen, nicht entgehen lassen will, sollte sich sputen: Gegen eine „Spende von mindestens fünf Euro“ gibt es Karten in der Bar Mono, dem Anderland, der EssKursion und im Rio Palast.

Infos und Teaser auf www.facebook.com/Enzlings
 

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