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Chinesische Impressionen

Trotz des Regens war der Shenzhen-Abend am Volksfest gut besucht - 01.09.2012

Ungewöhmliche Begegnung der Kulturen: Der Drachentanz wurde kurzerhand ins überdachte „Frankendorf“ auf dem Volksfestplatz verlegt. Sonst hätte der Dauerregen das aus Stoff und Polstern bestehende Kostüm ruiniert. © Stefan Hippel


Gut gelaunt und schirmbewehrt umlagern sie dicht an dicht die kleine Freilichtbühne mit dem angrenzenden Zelt gleich am Volksfest-Haupteingang an der Bayernstraße. Mit knapp halbstündiger Verspätung nimmt Wang Huanhuan im Zelt Platz. Das Publikum reckt die Hälse und lauscht. Die Harfinistin der Nürnberger Symphoniker beginnt zu spielen – die sogenannte Guzheng, eine 21-seitige Wölbbrettzither mit fast 3000-jähriger Geschichte. Ungewöhnliche Klänge für europäische Ohren und überaus reizvoll. Applaus der Künstlerin.

Beim Themenabend auf dem Herbstvolksfest wird nach den Worten von Chen Zhong, Direktor des Konfuzius-Instituts Nürnberg-Erlangen, chinesische Kunst und Tradition unverfälscht jenseits touristischer Attitüden dargeboten. Dass im „Reich der Mitte“ Disziplin großgeschrieben wird, beweisen eine Weile später die Wushu-Athleten. Obwohl der rote Teppich auf der Bühne völlig durchnässt ist und es unablässig regnet, zeigen sie dort unter freiem Himmel ihre ausgefeilte und an artistischen Finessen reiche Kampf-Kunst.

Auch wenn der Drache – in Asien ein Glücksbringer – der Sage nach in Gewässern lebt, wird der Drachentanz kurzerhand ins überdachte „Frankendorf“ verlegt. Ansonsten würde das aus Stoff und Polstern bestehende Kostüm durch den Regen ruiniert.

Die sechsjährige Carda schwankt zwischen Begeisterung und ein wenig Furcht vor dem eigenartigen Riesentier. Als das aber lustig mit dem Po wackelt, ist das Eis gebrochen. Kind und Drache bewegen sich im Takt von Trommel und Becken.

Die personifizierte Anmut ist Cui Yang. Die Dozentin für Chinesisch am Konfuzius-Institut tanzt einen fröhlichen uighurischen Tanz. In der orientalisch angehauchten Tracht der größten ethnischen Minderheit in China, der turkstämmigen Uighuren, verkörpert sie das Mädchen „Alamuha“, eine Schönheit, deren Name bis heute in der Musik überdauert hat.

Mit Drachen- und Löwentanz werden die unverdrossenen Herbstvolksfestbesucher in die chinesische Sagenwelt eingeführt. Das Geheimnis der chinesischen Tierkreiszeichen lüftet die freischaffende Künstlerin Heike Hahn. Und sie zeigt, worauf es bei der Kaligraphie ankommt.

Während im „Frankendorf“ ordentlich was los ist, stehen sich an diesem Abend die Schausteller andernorts die Beine in den Bauch. Lustlos trabt eine Mutter samt ihren vier Kindern durch die Pfützen. Ein junger Mann blickt ratsuchend umher: „Kommt der Drache auch hierher?“ Nein, leider nicht, ganz vorne am Eingang spielt die Musik.

Auch bei den beiden Rikscha-Fahrern ist nichts los. Pi mal Daumen haben Max und Patrick gerade mal je 15 Personen chauffiert. „Macht nix“, sagen sie. „War trotzdem lustig“.
 

Uschi Assfalg

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