18°

Freitag, 18.10.2019

|

Christina Stürmer: "Ich bin Sängerin, keine Tänzerin"

nordbayern.de im Interview mit der Österreicherin - 23.04.2013 09:54 Uhr

Christina Stürmer im Nürnberger Hotel Schindlerhof. © Nadine Zwingel


Fröhlich, locker und so gar nicht unentspannt wirkt Christina Stürmer, als sie den Schindlerhof endlich erreicht hat. Obwohl sie mitten in den Nürnberger Berufsverkehr geraten ist - und wir wissen alle, wie anstrengend das ist - bestellt sie kurzerhand einen doppelten Espresso und legt los. Ein Interview, das fast wie ein Kaffeeplausch unter Freundinnen abläuft.

Christina, du hast  Dein neues Album "Ich hör auf mein Herz" veröffentlicht. Wie viel steckt eigentlich von Dir in deinen neuen Songtexten?

Christina Stürmer: Jede Menge! Ich habe mein eigenes, kleines Songwriter-Team, die habe ich Ende 2012 in Berlin getroffen. Wir chillen dann immer gemeinsam und reden über verschiedene Themen, die mir wichtig sind. Speziell Tobias Röger kennt mich ja mittlerweile sehr gut und weiß worauf ich Wert lege. Wir diskutieren über die Texte. Dabei muss ich viel von mir persönlich Preis geben, sonst könnte ich mich nie mit den Songs identifizieren. Dieses Mal habe ich auch bei einigen mitgeschrieben. Tobias führt mich quasi momentan ein wenig in die Welt des Schreibens ein (lacht).

 

Was ist das Besondere an Deinen neuen Songs?

Christina Stürmer: (Überlegt) Sie sind nicht so melancholisch diesmal! Ich habe mir viel Zeit gelassen, fast eineinhalb Jahre. Es war also viel entspannter, denn normalerweise gehen ja die Sommerkonzerte und die Studiotage Hand in Hand. Zwar war bei meinem letzten Konzert 2011 viel Wehmut dabei, weil ich es liebe auf der Bühne zu stehen, aber diese Auszeit habe ich gebraucht - und das hört man an den neuen Songs. Sie sind irgendwie flockiger und entspannter. Aber jetzt bin ich froh, dass es wieder los geht. Ich hab schon richtig Hummeln im Hintern (lacht).

Dein Song "Amelie" klingt sehr persönlich. Gibt es eine Amelie in Deinem Leben?

Christina Stürmer: Es gibt tausende Amelies. Sie steht nur symbolisch für die vielen Menschen, die mir ihr Herz ausschütten. Speziell über Facebook bekomme ich so viele Mails von Fans, die sich mir mitteilen. Mit dem Lied versuche ich indirekt zu antworten, beziehungsweise Mut zu machen.

Beantwortest Du denn die Mails alle?

Christina Stürmer: Sogut wie alle. Momentan - und dafür entschuldige ich mich jetzt schon einmal - schaffe ich es einfach nicht. Es kann also schon zwei bis drei Monate dauern bis ihr eine Antwort von mir bekommt. Aber generell bemühe ich mich!

Was hast Du während deiner Auszeit besonders genossen?

Christina Stürmer: Die Beine hochzulegen, im Garten zu sitzen, Abends ein Glas Wein trinken und mit Freunden ein bisschen kreativ sein. Das war super. Außerdem war ich in Kalifornien. Dort habe ich versucht einfach mal nichts zu tun für zwei Monate. Bücher lesen...

Apropos Bücher lesen, Du bist ja gelernte Buchhändlerin - bist Du eine Leseratte?

Christina Stürmer: Oh ja! Bücher helfen mir beim Abschalten. Ich kann beim Lesen in eine andere Welt verschwinden. Vor allem die einzelnen Buch-Charaktere inspirieren mich meistens. Ich denke dann immer: darüber könnte man ja mal einen Song schreiben. Bücher sind bei mir einfach immer präsent. Ich habe immer eines dabei.

Momentan auch?

Christina Stürmer: Ja, "Drop City" von T. C. Boyle. Ich schleppe es seit zwei Wochen mit mir herum, aber ich konnte noch nicht eine Seite lesen (lacht). Ich finde einfach keine Zeit.

Jetzt bist du wieder mittendrin, im Tourstress! Singst Du eigentlich auch manchmal in Englisch auf der Bühne? Just for fun?

Christina Stürmer: Auf der Bühne nicht, nein. Früher, als ich noch meine Coverband hatte, habe ich nur in Englisch gesungen. Aber ich muss gestehen, irgendwie ist es mir immer peinlich wenn man eine Sprache nicht richtig aussprechen kann. Und ich als Österreicherin habe nunmal Dialekt. Ich habe mal mitbekommen wie ein befreundeter Gitarrist - er ist Engländer - während eines Konzertes eine Sängerin nicht verstanden hat. Sie war Deutsche, sang aber auf Englisch. Er hat also seine eigene Muttersprache nicht verstanden (lacht). Da dachte ich mir nur, die Blöße möchte ich mir nie geben.

Passiert es Dir denn manchmal, das Du Dich auf der Bühne völlig verlierst in Deinen eigenen Liedern?

Christina Stürmer: Ja, auf jeden Fall. Ich höre zwar manchmal, ich könne nicht tanzen, aber ja mei. Sind es nicht Größen wie Joe Cocker, die sich komisch bewegen? Ich bin Sängerin, keine Tänzerin. Bei den Texten muss ich aber aufpassen. Da darf ich mich nicht gehen lassen, denn es ist mir wichtig alles richtig zu machen.

Jetzt, wo Du wieder alle Hände voll zu tun hast, nimmst du Dir da wenigstens Zeit für ein ausgiebiges Frühstück?

Christina Stürmer: Wenn ich nicht gerade zu früh aufstehen muss - da krieg ich gar nichts runter, außer Kaffee - dann schon. Ich bin ein Genussmensch. Mittlerweile wissen alle, dass ich mindestens eine Stunde am Tag brauche, in der ich in aller Ruhe essen kann. Sonst funktioniere ich den ganzen Tag nicht. 

Und jetzt bist Du in Nürnberg und hast hoffentlich Zeit, ein paar Stunden zu genießen, dass Du hier bist...

Christina Stürmer: Nein, nicht wirklich. Jedesmal wenn ich hier bin, ärgere ich mich total, dass ich keine Stadttour machen kann. Beim Durchfahren sehe ich immer die wunderschöne Altstadt und würde am liebsten alles erkunden. Leider ist der Zeitplan immer so straff. Nürnberg werde ich mir aber auf jeden Fall mal in aller Ruhe ansehen und die Atmosphäre genießen.

Deine Lebensphilosophie, die Du auf Deiner offiziellen Homepage erwähnst, lautet "Ich muss nichts" . Hört sich so an, als ob Du ganz genau weißt, was Du willst und wann Du Luft holen musst. Bist Du in der Beziehung ein kleiner Dickkopf?

Christina Stürmer: Manchmal schon ein bisschen (lacht). Das musste ich mit der Zeit aber auch erst lernen. Nach der Castingshow damals wollte jeder was von mir und ich habe mich nie getraut "nein" zu sagen, aus Angst man hält mich für eine Zicke. Mittlerweile höre ich mehr auf mich und meine Bedürfnisse. Schließlich soll das Leben ja noch Spaß machen.

Was würde das kleine Kind Christina denn heute zur erwachsenen Christina sagen?

Christina Stürmer: Ich glaube sie würde sagen: Ey, du bist echt ne ziemlich coole Schwester! (lacht)

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Nadine Zwingel

7

7 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg