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Cinecitta: Nürnberger Kinomogul Weber gibt Leitung ab

Unternehmen bleibt in der Familie: Tochter Laura soll übernehmen - 28.07.2017 05:55 Uhr

Bei Meinungsverschiedenheiten wird so lange diskutiert, bis es einen gemeinsamen Nenner gibt: Kinounternehmer und Vater Wolfram Weber hat Tochter Laura Weber erfolgreich in die Geschäftsführung geholt. © Foto: Thomas Tjiang


Wenn man Wolfram und Laura Weber nebeneinander sitzen sieht, ist von den vielbeklagten Problemen bei der betrieblichen Nachfolgeregelung nichts zu spüren. Auf der einen Seite der 68-jährige Selfmade-Kinounternehmer, der mit dem Nürnberger Kinopalast Cinecittà seine Laufbahn gekrönt hat. Auf der anderen Seite seine 31-jährige Tochter, die von Kindesbeinen an über das Kultkino Meisengeige in die Kinowelt hineingewachsen ist.

Anteile für die Töchter

"Irgendwann muss man sich trennen", weiß der einstige Chemiestudent Weber, dass müsse man "rein theoretisch einkalkulieren". Doch bei dem Thema Übergabe an die nachfolgende Generation zeigt sich Weber entspannt. An den harten Schnitt denkt er nicht, vielmehr hat er sich für eine Art Tandem-Lösung bei der Nachfolge entschieden. Das 72-Millionen-Euro-Projekt, das er als Einzelunternehmer gestemmt hat, wurde Ende 2013 in die Cinecittà Multiplexkino GmbH & Co. KG gewandelt, an der Weber, Tochter Laura und ihre jüngere Schwester Mara als Komplementäre die Anteile halten. Die operative Geschäftsführung liegt bei Weber und Tochter Laura.

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Kinounternehmer Weber hat allerdings keinen Ausstiegstermin vereinbart. Seine Rolle beschreibt er mit Selbstironie als "beratender Hausmeister", immerhin dürfte er als einstiger Cinecittà-Bauleiter in Eigenregie quasi jede Schraube und jeden Schalter kennen. Andererseits klebt er auch nicht am Tagesgeschäft, anders als viele andere Senioren in ihren Betrieben, kann er sich auch ganz entspannt aus den Alltagsaufgaben herausnehmen. In Summe ist er schon mal "ein halbes Jahr" unterwegs, um fremde Länder zu entdecken oder Tochter Mara mit "Lieblingsenkel" in Mexiko zu besuchen. Für diesen Spätsommer ist mit Tochter Laura eine K2-Besteigung, nach dem Mount Everest der zweithöchste Berg der Welt, geplant.

Laura Weber hat zunächst einen Bachelor als Tourismus- und Eventmanager absolviert, eigentlich wollte sie immer etwas mit Sprachen machen. Ende 2009 hat sie dann "übergangsweise auf 450-Euro-Basis" im Marketing des väterlichen Betriebes angefangen. Sie kommt auf den Geschmack und wird ein Jahr später fest angestellt und durchläuft drei Jahre lang alle Abteilungen. Sie verkauft Kinokarten, arbeitet in der Gastronomie und schöpft kiloweise Popcorn, lernt das Eventmanagement kennen und kümmert sich um Anzeigenkunden bei den Filmtipps. "Ich habe alles gemacht, bis auf Klos putzen", resümiert sie. Nebenbei absolviert sie noch ein Master of Business Administration-Studium, obwohl sie eigentlich "nie BWL studieren" wollte. Das Studium fällt ihr aber leicht, viele theoretische Themen kennt sie bereits aus der Praxis.

Rollenwechsel zur Chefin

Beim Thema Mitarbeiterführung gab es allerdings "am Anfang Schwierigkeiten", langjährige Beschäftigte kennen Laura noch als spielendes Mädchen. Das macht den Rollenwechsel zur Vorgesetzten nicht ganz einfach, mittlerweile funktioniert es allerdings ganz "reibungslos". Dem stimmt auch Vater Wolfram zu und unterstreicht, dass es "nicht einfach ist, 450 bis 500 Mitarbeiter aus 25 Nationen" zu führen. Die eigentliche Herausforderung liege allerdings "im Mitarbeiterfinden", um den komplexen "Servicebetrieb für Kunden" entsprechen sicherzustellen. Immerhin kommen pro Jahr schon mal 1,6 Millionen Besucher.

Falls die beiden einmal unterschiedliche Ansichten haben, "diskutieren wir", berichtet Laura Weber, "bis wir auf einen Nenner kommen". Einerseits, so findet sie, "ticken wir beide ähnlich", andererseits gesteht ihr Vater ihr zu, "eigene Fehler machen zu können". Auch das ist auffällig, weil von anderen Tandem-Generationswechseln häufig Gegenteiliges zu hören ist. Da möchte die ältere Generation gern die Nachfolger vor Fehlern bewahren. Allerdings entscheidet Laura Weber auch "nicht aus dem Bauch heraus".

Anders als ihr Vater hat sich Laura Weber umgeschaut, um sich mit Nachfolgern und Unternehmern zu vernetzen. Daher engagiert sie sich etwa im Vorstand der Wirtschaftsjunioren Nürnberg. Ihren Schritt ins Cinecittà hat Laura Weber nicht bereut, es war eine "gute, richtige Entscheidung". 

Thomas Tjiang

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