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Corona: Warum der Tiergarten noch geschlossen bleibt

Deutsche Tierpark-Gesellschaft fordert verlässliches Öffnungsszenario - 20.02.2021 05:43 Uhr

Silberrücken Thomas sitzt mit Habibu und deren Kind Kato in der Freianlage des Affengeheges. Das Foto ist schon etliche Monate alt. Viele Zoo-Besucher sind neugierig, wie sich die Menschenaffen-Gruppe mit einem zweiten Jungtier weiter entwickelt hat.

19.02.2021 © Helmut Mägdefrau/Tiergarten Nürnberg


Steigende Temperaturen, Sonnenschein, frische, fast schon frühlingshafte Luft - das geeignete Wetter für Tiergarten-Fans, um Giraffe, Gorilla und Eisbär wieder einmal zu besuchen. Vielen Familien sehnen sich danach, endlich mal wieder etwas anderes als einen Spaziergang zu unternehmen. Doch so schnell wird nichts aus einem Zoo-Tag, die Einrichtung bleibt weiterhin zu.


Kommentar: Tiergarten-Schließung macht Sinn


Das Bayerische Gesundheitsministerium verweist auf Anfrage nur auf die elfte bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, nach der zoologische und botanische Gärten wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht öffnen dürfen.

Verbreitung von Virusvarianten

"Über weitere Öffnungsschritte wird die Konferenz der Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder mit der Bundeskanzlerin am 3. März im Lichte der weiteren Infektionsentwicklung, insbesondere unter Berücksichtigung der weiteren Verbreitung von Virusvarianten, beraten“, teilt ein Ministeriumssprecher nüchtern mit.

Nachwuchs bei den Przewalski-Pferden: Das Fohlen ist immer in der Nähe der Mutter.

19.02.2021 © Joerg Beckmann/Tiergarten Nürnberg


Genau dies hält auch Tiergarten-Direktor Dag Encke für den entscheidenden Punkt: "Wir wissen nicht, wie die Infektion zustande kommt und wie es mit den Virus-Mutationen weitergeht." Er hat daher Verständnis, dass der Tiergarten noch nicht aufmachen kann. Schließlich kommen die Besucher aus einem Umkreis von 150 Kilometern, so Encke, man müsse das Risiko der Weiterverbreitung klein halten.

Keine Entscheidung vor 8. März?

Die Öffnung hängt für den Zoo-Direktor entscheidend von der Entwicklung der Inzidenzzahlen ab: "Wir haben die Sorge, dass das Impftempo nicht mit den Mutanten mithält." Seine Einschätzung: Vor dem 8. März wird wohl keine Entscheidung für Bayerns Tiergärten fallen.


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Dies hält der Leiter der städtischen Einrichtung für verkraftbar: "Die Zeit bis Ostern können wir wirtschaftlich überblicken, aber dann wäre normalerweise Saisonauftakt."

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Nürnbergs SPD-Fraktionsvorsitzender Thorsten Brehm appelliert an die Staatsregierung, die zoologischen Gärten wieder zeitnah zu öffnen: "Wir müssen den Menschen bei aller gebotenen Vorsicht auch Angebote machen, damit sie zumindest kleine Ausflüge mit ihren Familien unternehmen können."

Vernünftiges Hygiene-Konzept

Auch bei den Kulanen gibt es Nachwuchs. Die Asiatischen Esel teilen sich mit den Trampeltieren ein Gehege.

19.02.2021 © Helmut Mägdefrau/Tiergarten Nürnberg


Der Tiergarten habe vor dem harten Lockdown gezeigt, dass man mit einem vernünftigen Hygiene-Konzept verantwortungsvoll eine begrenzte Anzahl von Besuchern einlassen könne, merkt der Sozialdemokrat an.

Im vergangenen Jahr hatte der Zoo am Schmausenbuck zunächst 3250 Gäste gleichzeitig eingelassen, später wurde die Zahl verdoppelt. Lag die Zahl darüber, mussten Neuankömmlinge vor den Toren warten. Im Eingangsbereich waren Sperrgitter aufgestellt, um die Menschen voneinander auf Abstand zu halten.

Keine lange Vorlaufzeit

Die Tierhäuser blieben geschlossen, um dort Menschenaufläufe zu vermeiden. In den Toiletten bestand Maskenpflicht, Kioske konnten nur begrenzt Gäste bedienen und hatten genaue Desinfektionsregeln einzuhalten. Mit diesem Konzept sei man gut klar gekommen, führt Encke aus. Für die erprobten Maßnahmen braucht es keine allzu lange Vorlaufzeit.


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Wie für die Unterhaltungsbranche und andere Wirtschaftszweige auch ist die Covid 19-Vorsorge für den Tiergarten ein ökonomisches Problem. Im Jahr 2020 kamen nur rund 800.000 Besucher, ein Drittel weniger als im Vorjahr mit 1,22 Millionen Gästen.

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"Wir können Tiere nicht in Kurzarbeit schicken"

Die Deutsche Tierpark-Gesellschaft (DTG) verweist daher auf die hohen Betriebskosten, auch wenn Gesundheit von Mensch und Tier oberstes Ziel sei. Da die Besuchereinnahmen die wichtigste Einnahmequelle sind, so DTG-Präsident Gert Emmerich, stehe die Zoowelt in der Pandemie vor riesigen Herausforderungen.

Insbesondere der Aufwand für die Tiere sei unverändert hoch: "Wir können unsere Tiere schließlich nicht in Homeoffice oder Kurzarbeit schicken." Er fordert daher ein verlässliches Öffnungsszenario für die einzelnen Bundesländer.

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