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Coronavirus: Viele Deutsche verhalten sich in der Krise unvernünftig

Experten: Weit mehr als 100.000 Bürger tragen Virus in sich - 18.03.2020 16:09 Uhr

Trotz Corona-Krise: Am Wochenende waren die Biergärten bestens gefüllt, die Eisdielen haben ein Bombengeschäft gemacht. © Biergarten Domäne


Wer verstehen will, warum die Politik im Moment gar nicht anders handeln kann, der muss nur in die aktuellen Meldungen blicken. In Nürnberg und in Schwabach haben Polizeibeamte zwei Corona-Partys beendet mit etlichen Dutzend Jugendlichen, die offensichtlich noch immer nicht begriffen haben, was die Stunde schlägt. Am Wochenende waren die Biergärten bestens gefüllt, die Eisdielen haben ein Bombengeschäft gemacht.

Es wirkt, als sei vielen nicht bewusst, um was es tatsächlich geht. Sollte sich das Virus unkontrolliert ausbreiten - und je unvernünftiger die Menschen damit umgehen, desto wahrscheinlicher wird dieses Szenario -, werden die Kliniken bald an ihre Grenzen kommen. Niemand weiß im Moment wirklich, wie viele Menschen sich in Bayern und Deutschland schon angesteckt haben. Die Fallzahlen hinken dem tatsächlichen Verlauf hinterher, die Dunkelziffer ist nach Ansicht der Fachleute enorm.


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Sie schätzen vorsichtig, dass mittlerweile in der Republik weit mehr als 100.000 Menschen das Virus in sich tragen müssen. Ältere, Kranke und Schwache aber können SARS-CoV-2 wenig entgegensetzen. Erwischt es sie, müssen sie in der Regel auf die Intensivstation, müssen sie künstlich beatmet werden, damit sie die Krise vielleicht überstehen. Diese Kapazitäten an Intensivbetten will das Land schützen, in dem es die Ausbreitung des Virus verlangsamt. Verhindern kann es das im Moment ohnehin nicht.

Die Ärzte in manchen italienischen Regionen durchleiden gerade jenen Alptraum, den die Politik für Deutschland in jedem Fall vermeiden will: Sie müssen Patienten sterben lassen, weil ihnen die überlebenswichtigen Geräte fehlen.

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Wenn es gelänge, ein solches Szenario bei uns zu verhindern mit Tausenden Toten, es wäre den Preis wert. Deshalb fährt die Republik sicher immer weiter herunter. Bayern kommt dabei eine besondere Rolle zu. Das Land war das erste mit einem dokumentierten Coronafall in Deutschland.

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Seitdem muss die Regierung handeln und reagieren. Sie macht das auch dank Markus Söder auf eine Art, die bislang deutschlandweit ihresgleichen sucht. Söder beweist sich in der Krise, er zeigt Qualitäten, die ihm vorher die meisten nicht attestiert hätten. Natürlich kommt ihm entgegen, dass Bayern ein reiches Land ist, das in den guten Zeiten gespart und ein finanzielles Polster angelegt hat. Es waren jene Zeiten, in denen die Opposition das Geld lieber ausgegeben hätte mit ein paar Schulden oben drauf. So aber muss der Freistaat nicht zögern, sondern kann Zeichen setzen, die andernorts auf sich warten lassen.



Tatsächlich folgen der Bund und die anderen Länder dem Freistaat stets mit wenigen Tagen Abstand. Bayern treibt eigenständig seinen Kampf gegen das Virus voran. Und seinen Kampf gegen die Uneinsichtigkeit mancher Bürger.

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Natürlich, nicht alles erschließt sich einem tatsächlich auf den ersten Blick. Wieso beispielsweise Friseurbetriebe oder Gartenbaumärkte offen bleiben sollen, wissen wohl nur die, die das angeordnet haben. In beiden Fällen darf die Systemrelevanz bezweifelt werden. Doch das sind letztlich Marginalien. Entscheidend wird nun sein, ob die Zahlen tatsächlich sinken. Das hängt vom Verhalten aller ab. Die vergangenen Wochen haben allerdings gezeigt, dass ein Teil der Bevölkerung den Ernst der Lage nicht erkennen will. Sollte sich das bestätigen, wird der nächste Schritt zwingend sein und der totale Shutdown folgen, wie ihn China und Italien bereits erlebt haben.

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