CSD: Schrille Demonstranten zeigen nackte Haut

3.8.2009, 00:00 Uhr
«Planet der Affen» beim Christopher-Street-Day. Gesehen wurden aber auch noch: der Engel, der Polizist, der Bauarbeiter, die Regenbogendiva, der Römer.

«Planet der Affen» beim Christopher-Street-Day. Gesehen wurden aber auch noch: der Engel, der Polizist, der Bauarbeiter, die Regenbogendiva, der Römer. © Horst Linke

Natürlich gab es das auch in diesem Jahr, den einen oder anderen leicht irritierten Blick unter den 1.500 Menschen am Straßenrand, ein Wundern über den knallbunten Demonstrationszug, der sich durchwegs gut gelaunt und teilweise schrill präsentierte, während er vom Berliner Platz zum Jakobsplatz zog.

Willkommene Abwechslung im Straßenbild

Die Mehrheit der Samstagseinkäufer freute sich schlicht über die willkommene Abwechslung im Straßenbild: Angeführt von einer Trommlergruppe, rollten fünf betanzbare Lkw durch die Straßen und beschallten die Stadt mit Musik (sehr fein: die elektronischen Klänge vom letzten Wagen, auf dem der «Lederclub« tanzte). Hunderte Lesben und Schwule demonstrierten zu Fuß, manche waren mit einer Rikscha unterwegs, andere auf dem Motorrad.

Dass Homosexuelle längst ernstgenommen werden in ihren Forderungen, zeigte sich auch daran, welche Parteien am Umzug teilnahmen: SPD (mit Bundestagsabgeordnetem Martin Burkert, der rote Windrädchen verteilte), FDP (mit Stadträtin Christiane Alberternst, die als «Bräutigam« im Cabriolet mitfuhr), Grüne und Linke. Das sind auch jene politischen Kräfte, die die Ziele von Schwulen und Lesben im Wesentlichen mittragen.

Forderung nach dem uneingeschränkten Adoptionsrecht

Derzeit dreht sich hier die Debatte unter anderem um die «Adoption«. Die Homosexuellen wollen, wie eine Podiumsdiskussion im schwul-lesbischen Zentrum «Fliederlich« am CSD-Vorabend zeigte, endlich das uneingeschränkte Adoptionsrecht. Eine Forderung, für die ihnen jüngst eine Studie gute Argumente lieferte, auch jenes, dass Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren ebenso «gut« erzogen werden wie von «traditionellen« Eltern.

SPD-Staatsminister Günter Gloser, die Bundestagsabgeordneten Michael Kauch (FDP) und Eva Bulling-Schroeter (Linke) sowie Grünen-Landesvorsitzender Dieter Janecek sehen das genauso. Nur einer auf dem Podium wollte in den Chor der Einigkeit nicht einstimmen: CSU-Stadtrat Marcus König. Er glaube, sagte er, für das Kind sei es besser, wenn es beide Geschlechter als Eltern kennenlerne, Frau und Mann. «Man kann sich auf Studien stützen, aber auch auf den Glauben.«

König nicht immer auf offizieller Linie der CSU

Allerdings wurde bei einem anderen Punkt deutlich, dass König mehr Verständnis für die Belange Homosexueller hat als es der offiziellen Linie seiner Partei entspricht. Zur Forderung, im Grundgesetz das Diskriminierungsverbot um das Merkmal «sexuelle Identität« zu ergänzen, sagte er: «Ich bin mir ziemlich sicher, dass die CSU nicht zustimmt.« Frage man ihn aber nach seiner persönlichen Meinung - «ich könnte damit leben«, Die CSU, räumte König ein, brauche für manche Entwicklungen (siehe «Ganztagsschule«) eben etwas länger.

Regenbogenfahne wehte während des CSD am Rathaus

Aber zumindest meidet man sich nicht mehr: Die CSU war mit Landtagsabgeordnetem Karl Freller und einem Info-Stand am CSD-Straßenfest am Jakobsplatz vertreten, wo im Lauf des Tages 10.000 Menschen den CSD feierten, der von Landtagsvizepräsidentin Christine Stahl eröffnet wurde. Oberbürgermeister Ulrich Maly betonte in seiner Ansprache, dass die Gesellschaft «noch weit weg« sei von völliger Diskriminierungsfreiheit. Er sorgte dafür, als Zeichen der Solidarität mit Homosexuellen, dass die Regenbogenfahne während des CSD am Rathaus wehte.

Für die Homosexuellen ist es eine «gute Woche« gewesen. Denn neben der Studie, die gleichgeschlechtlichen Eltern den Rücken stärkt, gab es für sie einen weiteren Grund zu feiern: Seit Samstag dürfen sie sich in bayerischen Standesämtern das Ja-Wort geben.