"Da ist jetzt Solidarität gefragt"

8.5.2020, 19:35 Uhr
Wer etwa bei seiner Steuererklärung Unterstützung von Experten nutzen will, muss in diesen Tagen zum Telefon greifen oder Mails schreiben. Viele Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine haben den Publikumsverkehr eingeschränkt.

Wer etwa bei seiner Steuererklärung Unterstützung von Experten nutzen will, muss in diesen Tagen zum Telefon greifen oder Mails schreiben. Viele Steuerberater und Lohnsteuerhilfevereine haben den Publikumsverkehr eingeschränkt. © Foto: Christin Klose/dpa

Wir haben derzeit sehr viele Anfragen von Mandanten, wie wir sie in der Krise unterstützen können", berichtet Juniorpartner und Inhaber Martin Fürsattel. "Das fängt bei KUG-Anträgen an und reicht über durch Kurzarbeit veränderte Mitarbeiter-Abrechnungen und Bonitätsanfragen bis hin zu Liquiditätsberechnungen."

Schneller durch Digitalisierung

Die Website mit einer Änderungshistorie soll dabei einen schnellen und allgemeinverständlichen Überblick über die aktuelle Lage ermöglichen. In Telefongesprächen und Videokonferenzen mit den Mandanten würden dann Details geklärt, skizziert Fürsattel. Besonders viele Anfragen erreichten die 1952 gegründete Kanzlei mit inzwischen zwei Standorten (Nürnberg und Stahnsdorf in Brandenburg) aktuell in Sachen Liquidität, Kurzarbeit und Herabsetzung oder Stundung anstehender Steuerzahlungen.

Wichtig ist dem Steuerberater dabei, dass seine Zunft stets als vertrauensvoll und helfend wahrgenommen wird. "Wir versuchen, proaktiv auf unsere Mandanten zuzugehen und ihnen aufzuzeigen, was machbar ist." Je nach Branche seien diese unterschiedlich stark von der Krise betroffen. Während vor allem die Gastronomie, viele Einzelhändler und manche Handwerker zu kämpfen hätten, stünden andere gut da und wollten etwa ihren Mitarbeitern die neuen steuer- und sozialversicherungsfreien Zuschüsse von bis zu 1500 Euro im Jahr zukommen lassen.

Entsprechend der Situation der Mandanten prüfe Fürsattel & Collegen nun, auch die eigenen Honorare anzupassen. "Es ist angesagt, da jetzt Solidarität zu zeigen", findet der Chef von 38 Mitarbeitern, die seit den Schul- und Kitaschließungen zum überwiegenden Teil im Homeoffice arbeiten. Die weit vorangeschrittene Digitalisierung der Kanzlei, in der beispielsweise fast alle Belege nur noch digital existieren, habe diesen Schritt stark erleichtert.

Auch die Kommunikation mit dem Finanzamt laufe inzwischen überwiegend elektronisch. So würden etwa sämtliche Anträge, die Steuerstundungen betreffen, digital gestellt, was schnelle Entscheidungen binnen oft nur weniger Tage zur Folge habe. Mit der Haftungsfreistellung für Kredite und die Umstellung der Bonitätsprüfung auf die Vergangenheit, seien die Voraussetzungen für eine schnelle Vergabe von Darlehen an kriselnde Unternehmen geschaffen, sagt Fürsattel, der auch sonst viel Lob für den Maßnahmenkatalog der Regierung übrig hat.

"Hängen echt in der Luft"

Nur bei den vielen Solounternehmen, die durch die Krise hundertprozentige Einnahmeausfälle haben, sieht der Steuerberater Nachbesserungsbedarf. Weil diese Gruppe oft von Zuhause arbeitet und keine oder nur geringe laufende Betriebskosten hat, greift die Soforthilfe nicht. "Die hängen momentan echt in der Luft", resümiert Fürsattel. "Weil sie nicht wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen, wenn sie nicht freiwillig in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben."

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