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Dämmung und Denkmalschutz müssen kein Widerspruch sein

Strenge Auflagen für erhaltenswerte Gebäude — Stadt und Stiftung geben Leitfaden für Eigentümer heraus — Energetische Sanierung setzt innen an - 02.08.2013

Dieser Klinkerbau in der Hessestraße gehört der „Stiftung Stadtökologie“ und wurde in den 90er Jahren umfassend energetisch saniert. Die Dämmung, erklärt Thomas Späth, sitzt innen.

© Michael Matejka


Wer ein Einzeldenkmal besitzt oder ein Haus in einem ganz besonders geschützten Ensemble, der darf nicht einfach drauflos sanieren und modernisieren. Bei einem denkmalgeschützten Haus, etwa aus der Gründerzeit oder gar aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, ist nicht nur die Außenfassade geschützt, sondern stehen auch die Innenräume unter einem besonderen Schutz. Eingriffe sind erst mit einer Erlaubnis möglich. Bei einem Ensemble betrifft das wesentliche Teile des Gebäudes wie Fassade, Fenster, Türen, Dächer oder Gauben.
Rund acht Prozent des Nürnberger Gebäudebestands sind denkmalgeschützt, erläutert Umweltreferent Peter Pluschke (Grüne). Betrachtet man aber nur die Mehrfamilienhäuser, dann liegt der Anteil bei 17 Prozent. „Hier darf eben nicht einfach die schöne Fassade weggepackt werden“, betont er. Das müsse aber auch nicht sein, weil viel über die Innendämmung erreicht werden könne. Nur müssten diese Maßnahmen dann aufeinander abgestimmt werden, wenn beispielsweise auch gleichzeitig die Fenster erneuert würden. „Ansonsten kann sich Schimmel bilden.“

Thomas Späth weiß, wie viel Scheu Hauseigentümer haben, ihr denkmalgeschütztes Gebäude in Angriff zu nehmen. Da sind natürlich die Kosten, die viele zögern lassen. Bei kleineren Maßnahmen (Fenster, ein bisschen etwas an der Fassade) kommen schon 40000 oder 50000 Euro zusammen. Wird es mehr, sind es schnell 100000 und mehr Euro.
 

„In Nürnberg gibt es das besondere Problem, dass viele Vermieter gar nicht mehr in der Stadt wohnen oder Gebäude unter Umständen auch Erbengemeinschaften gehören, die sich untereinander nicht einig sind“, erläutert der Diplomphysiker und -ingenieur von der „Stiftung Stadtökologie“, der Hauseigentümer berät. Oder aber, die Inhaber seien schon sehr alt und lebten von den Mieteinnahmen. Späth: „Sie scheuen dann hohe Investitionen in eine Sanierung.“
Umweltreferent Peter Pluschke ist natürlich daran gelegen, dass möglichst viele Besitzer auch von denkmalgeschützten Häusern ihre Gebäude energetisch modernisieren. „Das senkt den Verbrauch und schützt das Klima“, betont er. Um Eigentümern die Scheu zu nehmen und ihnen Ansprechpartner und Informationen zu vermitteln, hat die Stadt und die Stiftung einen neuen Leitfaden herausgegeben.
Darin sind nicht nur gelungene (und abschreckende) Beispiele abgebildet. Der Leser erfährt auch, wie er Schritt für Schritt vorgehen muss, an wen er sich wenden kann und vor allem, wo es günstige Kredite (etwa bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW) gibt.
Den kostenlosen Leitfaden gibt es unter anderem im Dienstleistungszentrum Bau, Lorenzer Straße 30, oder im Rathaus, Hauptmarkt 18 (Bürger-Informations-Zentrum).
 

VON ANDREAS FRANKE

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