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Daniel Terzenbach: Das ist der Neue im Vorstand der Bundesagentur

Er wohnt in der Südstadt, seine Masterarbeit schreibt er nebenbei - ein Porträt - 11.03.2019 16:10 Uhr

Die Nürnberger Bundesagentur für Arbeit hat ein neues Gesicht: Masterstudent Daniel Terzenbach rückt noch in dieser Woche in den Vorstand. © Roland Fengler


Für Daniel Terzenbach ist es ein Abstieg. Zehn Etagen geht es für ihn diese Woche nach unten; er räumt sein Büro im elften Stock der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit und zieht in den ersten. Wer aber weiß, dass dort der Vorstand der 100.000-Mitarbeiter-Behörde sitzt, dem ist natürlich klar, dass dieser Abstieg in Wahrheit ein riesiger Aufstieg ist. Ein unerwarteter zudem. 

Als Daniel Terzenbach, 1980 im hessischen Vogelsbergkreis geboren, zum Studieren nach Dortmund geht, da hat er eigentlich andere Pläne für seine Zukunft. Seine Eltern betreiben im Sauerland Wohngruppen für Jugendliche – und Terzenbach, so ist der Plan, soll ihnen einmal nachfolgen. Die Zeit in Dortmund schafft die Voraussetzungen dafür: Social Management heißt der Studiengang, das ist so etwas wie BWL für den sozialen Bereich. 

"Das Studium hat meinen Blickwinkel geweitet", erinnert sich Terzenbach. Es ist die Zeit der Massenarbeitslosigkeit, die Zeit, in der Kanzler Gerhard Schröder die Hartz-Gesetze auf den Weg bringt. Das sorgt für Debatten in den Vorlesungen und Seminaren, denn die Studenten ahnen: Die Reformen werden das deutsche Sozialsystem, seine Institutionen – und damit ihr zukünftiges Arbeitsfeld – kräftig durcheinanderwirbeln.

Umstände seiner Berufung nennt Terzenbach tragisch

Es ist ein Professor mit Kontakten zur Bundesagentur für Arbeit, der Terzenbach schließlich darauf anspricht, ob er sich nicht eine Karriere in der Bundesbehörde vorstellen kann – mit Schröders Reformen brechen dort Umbruchzeiten an. Nach dem Diplom heuert Daniel Terzenbach dann tatsächlich dort an – zunächst beim Jobcenter im Märkischen Kreis.  Die Zentrale in Nürnberg wird von den dortigen Mitarbeitern – wie eigentlich überall in der Fläche – nicht immer mit Wohlwollen betrachtet. Zu viel Einmischung in Dinge, von denen sie wenig Ahnung haben, wird den vermeintlich weltfremden Chefs aus Nürnberg von den Praktikern gern vorgeworfen. Als sich Terzenbach 2009 die Gelegenheit bietet, selbst nach Nürnberg zu wechseln, greift er trotzdem zu. "Ich habe mir gesagt: Entweder du motzt einfach weiter oder du gehst dort selbst hin und änderst etwas."

Jetzt, zehn Jahre später, rückt Terzenbach an die Spitze der Bundesagentur für Arbeit, der größten deutschen Sozialbehörde. Mit seiner Amtseinführung ist die Erneuerung des Vorstands abgeschlossen. Vor vier Jahren leiteten noch Frank-Jürgen Weise, Heinrich Alt und Raimund Becker die Geschicke der Agentur, jetzt heißen die Chefs Detlef Scheele (62), der Vorsitzender ist, Valerie Holsboer (42) und Daniel Terzenbach (38). Unter den dreien ist der Neue das einzige Eigengewächs der Bundesagentur. 

Die Umstände seiner Berufung zum Vorstand nennt Terzenbach tragisch. Raimund Becker (60), sein Vorgänger, verzichtete auf eine weitere Amtsperiode – seine Frau ist schwer krank. "Herr Becker und ich haben immer intensiv und sehr nahe zusammengearbeitet", sagt Terzenbach. 

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"Das geht nicht lange gut"

Von seinem Vorgänger übernimmt er nun den Geschäftsbereich Regionen und damit die operative Führung der Bundesagentur. Dazu baut er den internationalen Bereich auf, der gut ausgebildeten Ausländern bei der Anerkennung von Abschlüssen wie ein Lotse durch den Bürokratiedschungel helfen soll. Nebenbei schreibt Terzenbach zur Zeit auch noch eine Masterarbeit zum Thema Fachkräftegewinnung. Der März ist für ihn nicht nur wegen des neuen Spitzenjobs ein stressiger Monat – denn am 31. muss auch die Arbeit abgegeben sein. "Im Moment heißt es für mich deswegen: um 4 Uhr aufstehen", sagt Terzenbach. 

Terzenbachs Umzug in den ersten Stock ist indes auch mit Abschied verbunden – von den 150 Mitarbeitern seines bisherigen Geschäftsbereichs Qualität-Umsetzung- Beratung. Ihnen wird ihr bisheriger Chef vor allem durch einen Satz des Ökonomen Peter Drucker in Erinnerung bleiben: "Culture eats strategy for breakfast“, zu Deutsch: Die (Firmen-)Kultur isst die Strategie zum Frühstück. "Wenn Sie eine Organisation nachhaltig führen wollen, brauchen Sie einen Rahmen, der Mitarbeiter zu bester Arbeit animiert. Von oben Mitarbeiter unter Druck zu setzen, geht nicht lange gut", erläutert Terzenbach. Er sagte Peter Druckers Satz derart oft, dass seine Mitarbeiter das Zitat schließlich auf ein Holzbrett lasern ließen – und es Terzenbach zum Geschenk machten. 

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Das Holzbrett dürfte sich auf der Vorstandsetage erst recht gut machen, denn die Bundesagentur-Chefs haben sich einen Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Nach Brandbriefen und Umfragen, die fehlende Wertschätzung und Überlastung in der Behörde rügten, soll endlich ein neuer Wind Einzug halten. Druckers Satz ist da vielleicht das richtige Mahnmal. Anders als seine Vorstandskollegen, die am Wochenende zurück in ihre Heimat München (Holsboer) und Hamburg (Scheele) pendeln, ist Daniel Terzenbach übrigens nicht nur beruflich fest in Nürnberg angekommen. Mit seiner Frau, die Ärztin am Klinikum ist, und dem gemeinsamen dreijährigen Sohn wohnt er in der Südstadt; in seiner Freizeit spielt er Fußball bei den Alten Herren oder geht Bouldern. "Wir haben hier ein Zuhause gefunden", sagt Daniel Terzenbach, "Nürnberg fühlt sich wie Heimat an."

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