Kampf um ein bisschen Dunkelheit

Darum geht an manchen Stellen in Nürnberg um 23 Uhr das Licht aus

Irini Paul
Irini Paul

Lokalredaktion

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14.1.2022, 05:58 Uhr
Hingucker nach Sonnenuntergang. Die Frauenkirche erstrahlt großzügig beleuchtet. Inzwischen nur noch bis 23 Uhr.

Hingucker nach Sonnenuntergang. Die Frauenkirche erstrahlt großzügig beleuchtet. Inzwischen nur noch bis 23 Uhr. © Günter Distler, NNZ

Sie ist immer wieder ein schöner Anblick. Vor allem in der Dunkelheit ist die Frauenkirche am Hauptmarkt ein echter Hingucker. Dank künstlicher Beleuchtung strahlt sie selbst in der Nacht - zumindest bis 23 Uhr. Dann geht auch hier das Licht aus. So mancher mag das mit Blick auf Energiekosten, Umwelt- und Artenschutz begrüßen. Andere wiederum beschweren sich bei der Stadt, warum die baulichen Schönheiten nicht die ganze Nacht über erleuchtet präsentiert werden.

60 Objekte werden beleuchtet

Mehr als 60 Objekte werden derzeit nach Sonnenuntergang beleuchtet: Kirchen, Stadttürme, die Stadtmauer, Brücken, Brunnen und vor allem bekannte Gebäude, wie etwa das Albrecht-Dürer-Haus am Tiergärtner Tor, das Heilig-Geist-Spital, die Fassade der Kaiserburg, das Rathaus oder das Opernhaus.

Doch gerade in Großstädten ist aufgrund von Beleuchtungen durch künstliches Licht richtige Dunkelheit kaum noch vorhanden, was als Lichtverschmutzung bezeichnet wird. Auch in der Nacht hell erleuchtete Schaufenster, Leuchtreklamen, Pylonen und Laternen richten in der Summe Schaden an. So werden etwa nachtaktive Insekten durch die Beleuchtung angelockt, werden zur leichten Beute anderer Tiere oder sterben durch Kollision oder Erschöpfung - und fehlen dann als Bestäuber von Blüten.

Doch obwohl die Problematik für Vögel und Insekten, die hierdurch in ihrem Biorhythmus gestört werden beziehungsweise die Orientierung verlieren und sterben, inzwischen bekannt ist, gab es bislang in Deutschland noch kein eigenes Gesetz, welches unmittelbar als Ziel die Bekämpfung oder Einschränkung dieser Form der Umweltverschmutzung verfolgte. Immerhin ist inzwischen die Verringerung der Lichtverschmutzung eine von vielen Zielvorhaben des überarbeiteten Bundesnaturschutzgesetz aus dem vergangenen August.

Neue Vorschriften seit 2019

Es sind kleine Schritte, im Kampf um mehr Dunkelheit, auch in Bayern: Seit Inkrafttreten des Volksbegehrens Plus zum Artenschutz am 1. August 2019 gelten in Bayern für Lichtemissionen neue Vorschriften. So müssen bei künstlicher Beleuchtung im Außenbereich Auswirkungen auf die Insektenfauna berücksichtigt werden. So dürfen öffentliche Gebäude wie Rathäuser oder touristische Anlagen seitdem zwischen 23 Uhr und der Morgendämmerung nicht mehr angestrahlt werden. So gilt diese Regel auch in Nürnberg, wo zuvor erst um 24 Uhr das Licht ausgeschaltet werden musste.

Eine Ausnahme. Der Kettensteg wird aus Sicherheitsgründen die ganze Nacht beleuchtet.

Eine Ausnahme. Der Kettensteg wird aus Sicherheitsgründen die ganze Nacht beleuchtet. © Roland Fengler, ARC

Einige wenige Objekte werden dennoch die ganze Nacht über beleuchtet. Denn die genannte Vorgabe bezieht sich eben rein auf die optische Beleuchtung, um Objekte darzustellen. Der Kettensteg ist eine dieser wenigen Ausnahmen. Er und damit das Ensemble ist die ganze Nacht angestrahlt. Denn hier wird eben auch ein Weg beleuchtet, der andernfalls stockdunkel und damit auch ein Angstraum wäre. Rechtlich ist die Stadt hier auf der sicheren Seite.

"Dort wo die Beleuchtung zum Beispiel eine Straßenbeleuchtung ergänzt und demnach eine Sicherheitsrelevanz hat, ist dies ausdrücklich durch das Gesetz gedeckt", sagt Bürgermeister Christian Vogel, der als Werkleiter des Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) auch für die Beleuchtung in der Stadt zuständig ist. Es brauche hierfür keine Ausnahmegenehmigung, so Vogel. An solchen Stellen wäre die Dunkelheit unter Umständen sogar fahrlässig und könnte demnach ein Risiko darstellen.

Er betont, dass das Thema Licht und Lichtverschmutzung schon seit Jahren ein wichtiger Aspekt für ihn sei. Ob es nun Wege oder Parks seien. "Wir wollen verzichten, wo es verzichtbar ist. Wir wollen und wir müssen aber auch weiterhin beleuchten, wo es nötig ist. Dazu zählen dann auch Sehenswürdigkeiten bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, weil sie neben der optischen Darstellung auch Orientierungshilfen für Menschen bieten."

Günstiger, aber heller

Aktuell sind etwa 520 Strahler im Umfang von etwa 85 kW installiert, die eine jährliche Betriebsdauer von rund 1200 Stunden haben. Bereits vor zehn Jahren hatte man damit begonnen, moderne und energiesparende LED-Lampen zu installieren. Heute sind sie überwiegend im Einsatz, wobei in der Altstadt aus optischen Gründen so genannte warmweiße LED-Leuchten erstrahlen. Die sind sanfter vom Licht, stellen zudem auch eine geringere Gefahr für Insekten dar. Denn die Tiere werden von ihnen weniger stark angezogen. Aus Gründen der Energieeffizienz leuchten davon abgesehen aber in der Regel neutralweiße LEDs. Die sind unter dem Strich zwar günstiger, leuchten aber eben auch heller.

Alleine für die Bauwerksbestrahlung fallen jährlich etwa 30.000 Euro an Energiekosten an. Vogel ist dennoch zufrieden. Da alte Leuchtelemente sukzessive durch moderne, energiesparende LED ersetzt wurden, blieben die Kosten trotz steigender Energiekosten in den vergangenen Jahren konstant.

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