24°

Donnerstag, 09.07.2020

|

zum Thema

Das Derby steht an: Zwischen Abstiegsangst und Rivalität

Am Samstag steigt das Duell der Lokalrivalen ohne Fans im Stadion - 12.06.2020 05:44 Uhr

Vor Corona standen die Fans in den Blöcken noch dicht an dicht. Am Samstag bleiben die Ränge leer, während die Profis auf dem Rasen kicken.


Langjährige Fans des 1. FC Nürnberg bangen um den Klassenerhalt. Wobei Marion Meßinger, die ein Blumengeschäft in der Altstadt betreibt, schon einmal Touristen darüber reden hörte, dass für Club-Fans ein Derbysieg wichtiger sei als der Ligaverbleib. "Aber das stimmt natürlich nicht, es ist wichtiger, nicht abzusteigen." Und das Spiel am Samstag habe eine enorme Bedeutung, meinen die Fans. "Wir sind verdammt dazu, zu punkten", sagt zum Beispiel Stefan Helmer, und schiebt dann nach: "Eigentlich müssen wir gewinnen."

Stefan Schatz, der schon 1986 gemeinsam mit seinem Großvater ins Stadion ging, weist auf das schwierige Restprogramm der Nürnberger hin. Eine Niederlage gegen Fürth wäre schon deshalb fatal, weil unter anderem mit Aufstiegsaspirant Stuttgart und den ebenfalls gefährdeten Wiesbadenern noch schwierige Aufgaben auf den Club warten. "Ich befürchte, das wird eine ganz enge Kiste bis zum Schluss", sagt Schatz, der dem fünfköpfigen Vorstand des "Supporters Club Nürnberg", dem mitgliederstärksten Fanklub des Altmeisters, angehört. "Ich hoffe, dass es gutgehen wird und wir am Ende über dem Strich stehen."

Nur drei Punkte Vorsprung

Derzeit ist das noch der Fall, der Club hat als Tabellen-15. aber nur drei Punkte Vorsprung auf den Karlsruher SC, der nach aktuellem Stand in die Relegation mit dem Dritten der Dritten Liga müsste. Die Fürther müssen noch gegen den KSC spielen. "Vielleicht gewinnen sie gegen Karlsruhe und verlieren gegen uns, das wäre eine schöne Form der Nachbarschaftshilfe", sagt Bernd Siegler, der mehrere Standardwerke zur Geschichte des 1.FC Nürnberg verfasst hat. Die Vergangenheit lehre indes, dass eine solche Unterstützung über die Stadtgrenzen hinaus zumeist ausbleibt: "Fürth ist gegen uns immer bis in die Haarspitzen motiviert", sagt Siegler.

Bilderstrecke zum Thema

(Stadt-)Grenzgänger: Sie waren für Club und Kleeblatt aktiv

Der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth: zwei Vereine, zwischen denen sich die Franken meist schon in frühester Kindheit entscheiden müssen. Beide Klubs ins Herz zu schließen, gelingt nur den wenigsten. Wir stellen Akteure vor, die auf beiden Seiten der Stadtgrenze aktiv waren.


"Da war immer enormer Druck im Kessel", erinnert sich auch Helmer. Der 41-Jährige, einer der Chefautoren des Online-Fanmagazins Clubfans United, denkt, dass in diesem ganz speziellen Fall die Abwesenheit der Fans kein Nachteil sein muss. "Wenn es nach 15 Minuten 0:1 steht und vielleicht welche pfeifen, könnte das die Mannschaft verunsichern." Egal, wie der Tabellenstand aussieht – im Derby sei immer Fürth der Underdog, glaubt Helmer.

Eben jenen Außenseitern drückt Manfred Endebrock traditionell die Daumen. "Ich bin Gewerkschafter, da ist man immer auf der Seite der Kleinen", sagt der 71-jährige frühere Bezirksvorsitzende von Verdi. Insofern hegt er auch Sympathien für die Kicker aus der Nachbarstadt, zumal er früher Spieler kannte, die vom TSV Johannis 83 zum Kleeblatt gewechselt waren.

Sympathien für drei Vereine

Andererseits ist Endebrock aber auch Mitglied des Fanklubs "Sozis für den Club", die Nürnberger mag er also auch. Als Kind, erinnert er sich, habe er seine Haare nach dem Vorbild des damaligen Club-Verteidigers Paul Derbfuß schneiden lassen, der ein Freund der Familie war. "Die Fanfeindschaft habe ich nie verstanden", sagt Endebrock. In seiner Brust schlagen indes gleich drei Herzen, weil er aufgrund familiärer Verbindungen nach Niedersachsen auch noch den VfL Osnabrück im Blick behält – der aber ebenfalls das rettende Ufer noch nicht erreicht hat.

Fürth dagegen fehlt nur noch ein Zähler zu jenen 40 Punkten, die auf jeden Fall zum Klassenerhalt reichen dürften. Endebrock könnte daher mit einem Remis gut leben. Die anderen wollen den Club siegen sehen.

Bilderstrecke zum Thema

Faszination Frankenderby: Rivalen seit über 100 Jahren

Dieses Derby elektrisiert ganz Franken: Der 1. FC Nürnberg gegen die SpVgg Greuther Fürth. Der prestigeträchtige Lokalvergleich fand bisher 266 mal statt - Rekord in Deutschland!


Marion Meßingers Hund, der Boxer Max, ist Maskottchen der Abteilung für soziale Projekte des Vereins – die 56-Jährige hofft schon deshalb auf den Klassenverbleib, damit diese Initiativen nicht Sparzwängen zum Opfer fallen. In der Dritten Liga müsste der Club den Gürtel enger schnallen. Sie denkt aber, dass der Ruhmreiche den Abstieg vermeiden kann. "Andere spielen auch dusslig."

Die Historie spendet Trost

Helmer geht ebenfalls davon aus, "dass wir drinbleiben", aber "wir sollten schnellstmöglich aus dem Keller rauskommen". "Wir brauchen eine Mannschaft, die füreinander einsteht", sagt Schatz. Von den Namen her sei der Kader gut besetzt, aber die Leistungen spiegelten das nicht wider. "Hoffentlich vergeigen wir es nicht", meint er mit Blick auf den Samstag. Helmer tippt auf ein 1:0. "Wir schießen ja keine Tore wie am Fließband." Siegler sagt, dass er durch den bisherigen Verlauf der Saison seinen sonstigen Optimismus eingebüßt habe.

Das große Quiz zum Frankenderby

© Sportfoto Zink

Am Wochenende ist es soweit: Im Max-Morlock-Stadion treffen der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth zum 266. Mal aufeinander - diesmal aber ganz ohne Zuschauer. Wir blicken zurück auf bisherige Duelle - und wollen wissen, wie gut Sie sich mit dem historischen Duell auskennen!

© Sportfoto Zink

© Sportfoto Zink / WoZi

Frage 1/10:

Wer entschied das letzte Duell für sich?

© Sportfoto Zink / DaMa

© Sportfoto Zink / WoZi

Frage 2/10:

Die wievielte Auflage des Frankenderby wird am Samstag stattfinden?

© Sportfoto Zink / DaMa

© Sportfoto Zink / WoZi

Frage 3/10:

Wie oft gewann der Club das Derby?

© Sportfoto Zink / WoZi

© Hans-Joachim Winckler

Frage 4/10:

Wie oft gewann das Kleeblatt das Derby?

© Sportfoto Zink / DaMa

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Frage 5/10:

Wie viele Plätze fasst der Fürther Ronhof?

© Sportfoto Zink / MeZi

© Sportfoto Zink / JüRa

Frage 6/10:

Wie hoch verlor der Club das Derby im Jahr 2014?

© Mark Johnston

Frage 7/10:

Wer traf für das Kleeblatt am häufigsten im Derby?

© Ralf Rödel

Frage 8/10:

Wer bestritt für den Club die meisten Derbys?

© Günter Distler

© Eduard Weigert

Frage 9/10:

Welchem ehemaligen Club-Profi gelang in einem Derby ein Doppelpack?

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Frage 10/10:

Wie viele aktuelle Fürth-Profis haben Derbyerfahrung?

© Sportfoto Zink

Aber in der Historie findet der 62-jährige Buchautor Trost: Immerhin hat der Club am 13. Juni 1920, also am Samstag vor 100 Jahren, seine erste Meisterschaft eingefahren – mit einem 2:0 gegen Fürth. "Deswegen tippe ich auf ein 2:0." Die Nürnberger Fans wären nicht traurig, falls sich Geschichte wiederholt.


Verpassen Sie keine Nachricht mehr! In unserem neuen täglichen "Newsletter "Mittags um 12 - Zeit für die Region" erfahren Sie alles Wichtige über unsere Region. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 12 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Mit unserem E-Paper-Aktionsangebot erhalten Sie die wichtigsten News im Zeitungs-Format direkt nach Hause: Einen Monat lesen für nur 99 Cent! Hier gelangen Sie direkt zum Angebot.

Marco Puschner

3

3 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg