Nachruf

Das "Gregor Samsa" war sein Leben: Kultwirt Peter Hoyer ist gestorben

NN-Redaktion Gesellschaft
Anette Röckl

NN-Redaktion Gesellschaft

E-Mail zur Autorenseite

24.11.2021, 17:00 Uhr
Peter Hoyers Kultkneipe am Stadtpark war ein beliebter Künstlertreff. 2015 zog er sich daraus zurück, Sohn Marcel übernahm dann das „Gregor Samsa“.
 

Peter Hoyers Kultkneipe am Stadtpark war ein beliebter Künstlertreff. 2015 zog er sich daraus zurück, Sohn Marcel übernahm dann das „Gregor Samsa“.   © Stefan Hippel

Genau wie seine Künstlerkneipe war auch er selbst eine Institution: Peter Hoyer. Über vier Jahrzehnte führte er das legendäre „Gregor Samsa“ in der Nähe des Nürnberger Stadtparks. Mit 74 Jahren ist der ehemalige Wirt der Kult-Künstlerkneipe nun gestorben. Die Kneipe, „das war schon sein Leben“, sagt seine Ehefrau Ulla Hoyer-Niklasch. Künstler und Musiker gingen bei ihm ein und aus, die Wände und sogar die Decke des schummrigen Nachtlokals waren prall mit Kunst gefüllt. Mit Bildern von Malern wie Peter Angermann, Harri Schemm, Dan Reeder oder Peter Hammer. Oft waren es bezahlte Wirtshausdeckel – Prinzip Speis und Trank gegen ein Gemälde. Wählerisch war der legendäre Wirt dabei aber schon. „Es durfte nicht jeder bei ihm seine Bilder aufhängen“, erzählt seine Frau Ulla.

Berühmt fürs Gulasch

Eigentlich war der gebürtige Tscheche, der Ende der 60er Jahre nach Deutschland und nach Franken kam, Grafiker. Anfang der 70er Jahre übernahm er, mehr durch Zufall, von Literaturstudenten die Kneipe „Gregor Samsa“ – der Name geht auf Franz Kafkas berühmte Käfer-Geschichte „Die Verwandlung“ zurück. Erst unter Hoyers Regie wurde aus dem literarischen Café dann die Nürnberger Kultkneipe, bekannt auch für ihre vielzähligen Gulasch-Varianten.

Das Gulasch-Kochen hat Hoyer bei seiner Mutter gelernt, von ihr hatte er vielleicht auch das Händchen für Gäste, denn sie führte eine Wirtschaft mit Tanzbetrieb. Dort half Hoyer als Nesthäkchen von sechs Geschwistern schon als Kind mit. Er selbst tanzte später auch gerne mal in seiner eigenen Kneipe, in der Live-Musik zum Standard gehörte, etwa von Musikern wie Klaus Brandl, Chris Schmitt oder Mitch Sauer.

Die Gäste waren „Gregorianer“

Seine Gäste nannte er liebevoll „Gregorianer“, für seine Sprüche war er bekannt. Und auch dafür, die Menschen miteinander zu verbinden. „Er hat durch seine Art die Menschen zusammengebracht. Man saß dort nie allein am Tisch“, erzählt Martina Reuß, die mit ihrer Ehefrau Gerda zu den treuen Stammgästen zählte. „Er war ein Unikum. Ein brummiger, liebenswerter Typ, der auch mal persönlich jemand am Schlafittchen gepackt und vor die Tür gesetzt hat, wenn der Ärger gemacht hat.“


Sperrstunde und mögliche Schließungen: Das gilt nun in der Gastronomie in Bayern


2015 übernahm dann Sohn Marcel die legendäre Kneipe, die er bis heute führt. Die Bildersammlung nahm Peter Hoyer aber mit und eröffnete um die Ecke in der Pirckheimerstraße die Galerie „Gregor“. „Ich vermisse nicht die Arbeit, aber die Kneipe war meine Identität“, meinte er damals in einem Interview mit unserer Zeitung. Aus gesundheitlichen Gründen gab er die Galerie 2019 auf. Diese Woche starb Hoyer nach einem Herzversagen. Im Herzen seiner „Gregorianer“ wird er für immer bleiben.

Keine Kommentare