Samstag, 18.01.2020

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Das Holzhaus mit Henkel braucht kaum Energie

Der Flachbau hat eine Fassade aus Lärchenholzlatten — Eigenheim in Erlenstegen ist fast ein Passivhaus — Es entstand auf einem aufgeteilten Grundstück - 16.11.2013 07:59 Uhr

Selbstbewusst steht dieses neue Holzhaus in Erlenstegen über dem leicht abschüssigen Gartengrundstück. Dominant wirkt der weit nach vorne gesetzte Balkon, der wie die übrigen Fronten mit Lärchenholz verkleidet ist. „Ein Haus wie ein Möbelstück“ haben die Organisatoren der „ArchitekTouren“ der bayerischen Architektenkammer den Entwurf von Planer Thomas Jenohr genannt — und das absolut lobend gemeint. Auch im Inneren wurde Holz als Baustoff verwendet, für Böden, Treppen oder Zimmerdecken wie in der hellen Küche (unten). © Edgar Pfrogner


Grün ist es am Ende der Kleiststraße, die eine Sackgasse ist und sich in altem Baumbestand auflöst. Vor einem Saum mächtiger Eichen liegt dort ein modernes Holzhaus, als hätte es einer am Henkel gefasst und abgestellt.


Ein Haus wie ein Möbelstück. So haben es zumindest die Organisatoren der „ArchitekTouren“ der bayerischen Architektenkammer genannt, auf deren Besichtigungsliste es heuer im Sommer stand. Ein treffender Vergleich, denn der in Schale und Skelett aus Holz bestehende Bau des Nürnberger Architekten Thomas Jenohr ist kantig wie eine neuzeitliche Kommode.

An beiden dem Garten an der Vorder- und Rückseite zugewandten Seiten ist das Haus mit dem flachen Dach von wuchtigen Balkonen geprägt, die raffiniert in den Korpus aus Kiefernlatten integriert sind. Hier wird nicht mit Materialien gespielt, nichts angeklebt, hier ist alles aus einem Guss — und aus dem Material, für das sich Architekt und Bauherren vorbehaltlos und grundsätzlich entschieden haben.

Dieses Holzhaus wird im Lauf der Jahre durch Wind und Wetter altern, grau werden und dunkle Schatten bekommen. Bei seinem holzverkleideten Nachbarn, ebenfalls ein individueller Neubau auf dem für die beiden Projekte geteilten Grundstück an der Kleiststraße, hat man diesen natürlichen Prozess chemisch vorweggenommen und dem Zufall damit ein wenig ins Handwerk gepfuscht.

Zurück zum „Haus wie ein Möbelstück“. Fast ein Passivhaus sei der zweigeschossige, unterkellerte Holzständerbau, heißt es, der in nur vier Monaten ab Oberkante Keller errichtet wurde. Er ist zwar nicht offiziell zertifiziert, aber doch so konzipiert, dass ein einziger Kaminofen mit angeschlossenem Wasserspeicher im Keller ausreicht, um 210 Quadratmeter Wohnfläche über die Fußbodenheizung gemütlich und zuverlässig zu erwärmen.

Geheizt wird, wenn überhaupt, mit Holz und das äußerst sparsam. Etwa 300 Euro müsse er in den Vorrat eines Jahres investieren, der dann neben Fahrrädern und Mülltonnen in die Holzlege im Vorgarten gepackt wird, sagt der Hausherr.

Vorm Haus, hinter einem mannshohen Holzzaun, liegen diese Nutzräume samt Carport. Dass hier ebenfalls Lärchenholzlatten verwendet wurden, macht das Ganze weit erträglicher als die von Baumarktästhetik bestimmte Blockhauskultur in vielen Eigenheimgärten. Dass der Bau mit seiner mechanischen Lüftungsanlage, der Solarthermie am Dach und der ökologisch korrekten Zellulosedämmung rund zehn Prozent teurer war als ein herkömmlicher, lässt sich so langfristig gut verschmerzen.

Nicht nur als regenerativer Öko-Baustoff, auch als innenarchitektonisches Element ist Holz zum Zuge gekommen. Das Naturmaterial wurde großzügig bei Decken, Eichenböden und Treppen eingesetzt. Allerdings so dosiert, dass die Atmosphäre der mit bodentiefen Fenstern gut belichteten Räume nicht ins Zirbelstuben-artige kippt. Schönes Detail: Die Seitenfront wurde zum überdachten Eingang hin leicht eingerückt, was wie eine freundliche Geste wirkt.


Nächste ArchitekTour: Das neue Landeskirchliche Archiv in Wöhrd

 

CLAUDINE STAUBER E-Mail

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