Vorbereitungen laufen auch Hochtouren

Das plant die Technische Universität Nürnberg 2022

Isabella Fischer
Isabella Fischer

Hochschule & Wissenschaft

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19.1.2022, 16:15 Uhr
Noch Baustelle, bald schon ein Campus: An der Brunecker Straße soll bis 2028 die Technische Universität Nürnberg entstehen.

© Oliver Acker, www.digitale-luftbilder, NN Noch Baustelle, bald schon ein Campus: An der Brunecker Straße soll bis 2028 die Technische Universität Nürnberg entstehen.

Sie wollen anders sein, als andere Universitäten. Das fängt schon bei den Räumlichkeiten an. Bislang sieht es in dem angemieteten Gebäude, dem ersten Zuhause der Technischen Universität Nürnberg, eher nach einem Start-Up als nach einer typischen Hochschule aus. Viel steht noch nicht in den riesigen Gängen und Großraum-Büros der alten Schuhfabrik an der Ulmenstraße. Das Start-Up-Flair möchte sich Prof. Wolfram Burgard gerne beibehalten. "Der Spirit soll bleiben", sagt er.

Als Gründungs-Chair wird Burgard künftig hauptamtlich das Department Engineering, mit Schwerpunkt auf den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik, leiten. Konkret wird er sich mit dem Einsatz intelligenter Systeme beschäftigen, wie dem autonomen Fahren oder mobilen Robotern, die beispielsweise im Haushalt helfen können. Schon bald sollen erste Doktoranden in den noch leeren Räumen an und mit Robotern arbeiten. "Wir brauchen erstmal nur Schreibtische und dicke Computer", so Burgard.

Mit Burgard kommt ein international renommierter und vielfach ausgezeichneter Experte nach Nürnberg. Der Robotik-Spezialist lehrte bis zuletzt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und leitete die Arbeitsgruppe für Autonome Intelligente Systeme am Institut für Informatik. 2009 wurde er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Leibniz-Preis, dem deutschen Pendant zum Nobel-Preis, ausgezeichnet und 2014 in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina gewählt.

Flache Hierarchien sind das Ziel

Die Leitung der Technischen Universität Nürnberg, von links oben: Gründungsvizepräsidentin Prof. Isa Jahnke neben Kanzler Dr. Markus Zanner, Gründungs-Chair des Departments Engineering Prof. Wolfram Burgard und Gründungspräsident Prof. Hans Jürgen Prömel. 

Die Leitung der Technischen Universität Nürnberg, von links oben: Gründungsvizepräsidentin Prof. Isa Jahnke neben Kanzler Dr. Markus Zanner, Gründungs-Chair des Departments Engineering Prof. Wolfram Burgard und Gründungspräsident Prof. Hans Jürgen Prömel.  © Tina Thiele

Auch in Sachen Berufsbezeichnung möchte die Universität andere, neue Wege gehen. Der Chair sei nicht mit einem Dekan und das Department nicht mit einem Lehrstuhl mit klaren Fächergrenzen zu vergleichen, stellt Gründungspräsident Prof. Hans Jürgen Prömel klar. Man wolle hier flache Hierarchien schaffen, keine "versäulten Fakultäten", wie es Kanzler Dr. Markus Zanner nennt.

Das zweite Department "Liberal Arts and Sciences" beheimatet die Geistes-, Sozial-, und Naturwissenschaften sowie die Mathematik und soll im Laufe des Jahres 2022 errichtet werden. Eines der großen Ziele der TUN ist es, die Ingenieurswissenschaften mit anderen Themenfeldern der Gesellschaft zu vernetzen. Die technikwissenschaftlichen Disziplinen sollen mit den Geistes-, Natur-, und Sozialwissenschaften kombiniert werden. "Das soll unser Alleinstellungsmerkmal werden", so Prof. Isa Jahnke.

Die Gründungsvizepräsidentin wird sich dem Auf- und Ausbau des digitalen Lehrens und Lernens widmen. "Wir wollen eine Universität schaffen, die von Grund auf interdisziplinär, international und digital ausgerichtet ist", erklärt sie. Das bedeute allerdings nicht, dass die Studierenden ausschließlich vor ihrem Laptop lernen sollen. "Die menschliche Interaktion ist wichtig, die Studierenden sollen zusammenkommen", so die Wissenschaftlerin.

Die "Macher" der TUN wollen Studierende und Professoren aus der ganzen Welt anziehen, deshalb werden die Lehrveranstaltungen überwiegend auf Englisch stattfinden. "Wir wollen gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam lösen. Dafür braucht es Kreativität, die wir von verschiedenen Menschen aus verschiedenen Kulturen bekommen", erläutert Jahnke.

Für das erst einjährige Bestehen hat sich an der TU Nürnberg schon einiges getan. "Man sieht Fortschritte", so Präsident Prömel. Für das Jahr 2022 stehen noch einige große Baustellen an. Es müssen Satzungen erstellt, Professuren ausgeschrieben und die ersten Studiengänge konzipiert werden. Neben der Gebäudeplanung sei der Auf- und Ausbau der IT-Struktur von zentraler Bedeutung, betont Kanzler Zanner.

Frühestens im Wintersemester 23/24 soll es mit dem ersten Masterstudiengang mit 20 bis 50 Studierenden losgehen, peu à peu soll das Angebot an Master- und auch Bachelorstudiengängen ausgebaut werden. Die gesteckten Ziele seien ambitioniert, aber machbar, gibt sich Präsident Prömel optimistisch. Fünf Jahre später sollen dann bis zu 6000 Studierende den 37 Hektar großen Campus an der Brunecker Straße endlich zum Leben erwecken.

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