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Das stetige Lernen wird großgeschrieben

Nürnberger Unternehmen setzen auf die Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter — Neue Methoden werden ausprobiert - 16.10.2017 19:47 Uhr

Qualifikation als Wettbewerbsfaktor: Auch in Nürnberg setzt man auf Weiterbildung der Mitarbeiter. © Foto: Colourbox.de


„Es war schon immer wichtig - egal in welchem Beruf – auf dem aktuellen Stand des Wissens zu sein. Heute haben wir oftmals das Empfinden, dass sich das ,Rad‘ schneller dreht", sagt Silke Zell aus dem Bereich Talent Management & Learning beim Nürnberger Marktforschungsriesen GfK. Nach ihrer Meinung verändern Digitalisierung und Globalisierung die Arbeitswelt stets aufs Neue: "Deshalb ist es wichtig, sich diesen Entwicklungen zu stellen – für jeden Einzelnen von uns. Arbeitsweisen, die gestern noch als "best in class" galten, sind morgen schon überholt. Sich weiterzubilden und sich persönlich weiterzuentwickeln ist deshalb enorm wichtig."

Klaus Herdina, Leiter Personalentwicklung bei der universa Versicherung, betont: "Die Bedeutung von lebenslangem Lernen und Qualifizierung hat in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, von längeren Lebensarbeitszeiten und der Digitalisierung stark zugenommen."

Und Thomas Koch, Kommunikationschef der NürnbergMesse, bestätigt: "Gerade weil sich Arbeitsbedingungen und eingesetzte Arbeitsmittel immer schneller verändern, ist es für Arbeitnehmer in jedem Fachgebiet notwendig, sich kontinuierlich auf dem aktuellen Stand zu halten." Vor allem Mitarbeiter, die an ihre berufliche Karriere denken, müssen sich nach Kochs Meinung auch um bestimmte "Soft Skills" wie Kommunikations-, Führungs- und Steuerungskompetenz kümmern.

Die NürnbergMesse hat in den vergangenen Jahren die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter ausgebaut. Nach Kochs Angaben hat sich das Weiterbildungsangebot in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt – und die Mitarbeiter der boomenden Messegesellschaft seien engagiert dabei, sagt Koch. "Im vergangenen Jahr haben von den rund 500 Mitarbeitern am Standort rund 80 Prozent an mindestens einer Weiterbildung teilgenommen."

GfK-Managerin Zell erzählt von "umfangreichen Trainingsangeboten, deren Inhalte kontinuierlich überprüft und dem Bedarf angepasst werden." Die Weiterbildungsangebote der GfK reichen von Sprachkursen, IT-Themen, fachspezifischen Seminaren bis hin zu Themen um die Soft-Skill und Persönlichkeitsentwicklung. Zell sagt: "Wir fördern darüber hinaus auch neue Methoden des Lernens, also Wege neben der klassischen Präsenzschulung: Lernen von Kollegen und Vorbildern (Mentoring) oder interaktives E-Learning."

Längst haben viele deutsche Unternehmen erkannt, dass der Weiterbildung ihrer Mitarbeiter eine wachsende Bedeutung innerhalb des wirtschaftlichen Konkurrenzkampfs zukommt. Selbst in internationalen Normen ist inzwischen geregelt, dass alle Organisationen die Verantwortung dafür übernehmen sollten, menschliche Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erweitern. Universa-Manager Herdina betont: "Für uns sind qualifizierte und serviceorientierte Mitarbeiter ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Deshalb fördern und unterstützen wir sie gezielt bei der Aus- und Weiterbildung."

Auch die Mitarbeiter selbst wissen natürlich, dass ihre eigene Weiterbildung zu einem wichtigen Faktor ihrer eigenen Lebens- und Karriereplanung gehört. Viele von ihnen sind sogar bereit, dafür auch ihre Freizeit und ihr eigenes Geld zu investieren. Im Weiterbildungsbericht 2014 rechnet das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft vor, dass Arbeitnehmer mittlerweile ein Viertel ihrer insgesamt für Weiterbildung aufgewendeten Zeit mit beruflich veranlasstem, aber selbst finanziertem Lernen verbringen.

Bereitschaft ist sehr hoch

Das ist auch in Nürnberger Unternehmen nicht anders. "Wir nehmen eine hohe Bereitschaft zu lernen wahr. Neben unserem Trainingsangebot investieren unsere Mitarbeiter auch in externe Weiterbildungsmaßnahmen, deren Kosten sie selbst tragen oder die teilweise auch von uns übernommen werden", erzählt GfK-Personalerin Zell. Und NürnbergMesse-Sprecher Koch bestätigt: "Die Bereitschaft, sich auf eigene Kosten weiterzubilden, ist vor allem bei Mitarbeitern sehr hoch, deren Ausbildung noch nicht lange zurückliegt." In der Altersklasse bis 30 werden nach seinen Angaben vermehrt berufsbegleitende Studiengänge und hochwertige Fortbildungen belegt, "die oftmals zu einem gewissen Prozentsatz selbst finanziert und teilweise in der Freizeit absolviert werden".

Bei den universa-Versicherungen qualifizieren sich viele Mitarbeiter berufsbegleitend am Abend oder Wochenende weiter, zum Beispiel in Studiengängen zum Bachelor, Master oder zu Fachwirten und Betriebswirten. Zumindest mit Freistellungen zu Prüfungen und zur Prüfungsvorbereitung werden die weiterbildungshungrigen Mitarbeiter unterstützt.

Ganz ohne Kritik bleibt diese Entwicklung jedoch nicht. Zumindest Betriebsräte und Gewerkschaften kritisieren, dass sich viele Arbeitgeber inzwischen weigern, über die Lastenverteilung bei der Weiterbildung zu reden. Aber zur Sicherung von Arbeitsplatz und Karriere würden wohl Arbeitnehmer heutzutage (fast) alles tun.

HORST PETER WICKEL

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