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Debatte um den Umgang mit dem "Friedenspark" in Langwasser

150 neue Geschosswohnungen geplant - Lernort soll erhalten bleiben - 31.03.2016 08:00 Uhr

Die wbg verbaut mit ihren Bauprojekten die Sichtachse von der Annete-Kolb-Straße zur Kaiserburg. © Jürgen Milowski


Auf dem rund 32 Hektar großen Baugebiet an der Karl-Schönleben-Straße, gegenüber von der Großen Straße, entstehen hinter der neuen Bertolt-Brecht-Schule (BBS) voraussichtlich bis zum Jahr 2023 rund 150 Geschosswohnungen und 60 Eigenheime. Die Bauarbeiten haben letztes Jahr begonnen. Eines der geplanten Wohnhäuser, ein viergeschossiges Gebäude, ist dem Langwasser-Botschafter Jürgen Milowski ein Dorn im Auge.

Ragt es doch mit etwa fünf Metern in die Sichtachse, die vom sogenannten "Friedenspark" in der Annette-Kolb-Straße über das ehemalige Märzfeld und die Große Straße zur Kaiserburg führt. Den Blick behindert auch eine Reihe von etwa 20 Linden. Milowski schlägt vor, die Bäume zu verpflanzen und das Wohnhaus, das seiner Meinung nach "aus der Reihe tanzt", zurückzusetzen, um die Sichtachse auf einem Korridor von zehn Metern freizuhalten. Gleiches hatte in der Vergangenheit auch schon die Langwasser-SPD gefordert (der Stadtanzeiger berichtete).

Lindenallee muss der Turnhalle teilweise weichen

Milowski beruft sich auf das vom Stadtrat am 8. Juli 2015 für das Reichsparteitagsgelände beschlossene Konzept. Darin sei die Wiederherstellung zugewachsener Sichtachsen und die Ausdehnung des Geländeinformationssystems nach Langwasser vorgesehen. Er verbindet damit die Hoffnung, dass bei der Pergola an der Annette-Kolb-Straße ein Lernort entsteht, an dem man nicht nur den Blick zur Kaiserburg hat, sondern auch "die größenwahnsinnigen Maße des NS-Kriegsspielplatzes Märzfeld nachempfinden kann".

Beim Baustart für die Nachbarschaft Langwasser T hatte die städtische Wohnungsbaugesellschaft wbg gegenüber dem Stadtanzeiger noch erklärt, man bemühe sich, die Blickachse zur Großen Straße und zur Burg frei zu halten. Einer erneuten Nachfrage von Jürgen Milowski und SPD-Stadträtin Anita Wojciechowski erteilte die wbg nun allerdings eine Abfuhr. Die Lindenallee müsse demnach teilweise einer Turnhalle des BBS-Komplexes weichen, bei den verbleibenden Bäumen handle es sich "weitestgehend um schützenswerten Baumbestand", erläutert wbg-Sprecher Dieter Barth.

Weitere Entwertung des Lernorts gestoppt

Was das viergeschossige Wohngebäude betrifft, so beruft sich die wbg auf den rechtskräftigen Bebauungsplan und ihr Baurecht. "Da liegt die Ablehnung zur Schaffung eines Lernorts in der Luft", klagt Milowski an. Der Langwasser-Botschafter hält dies für einen "schweren Fehler, ein Rückschlag im Bemühen der Stadt um Entmystifizierung der NS-Bauten". Hobbyhistoriker und Langwasser-Experte Siegfried Kett glaubt, dass der Erhalt der Sichtachse zwar ein Vorteil wäre, "es geht aber auch ohne".

Er schlägt vor, im "Friedenspark" ein begreifbares, großes Bronzemodell aufzustellen, das den Bezug Langwassers zum Reichsparteitagsgelände herstellt. Kett: "Das wäre eine Attraktion für die Besucher des Reichsparteitagsgeländes." Eine drohende weitere Entwertung des Lernorts "Friedenspark" wurde von Bürgermeister Christian Vogel gestoppt.

Instandsetzung der Brücke über dem Trockenbach

Der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) wollte die 30 Jahre alte Holzbrücke über dem Trockenbach in der Grünanlage abreißen, um sich den Bauunterhalt zu sparen. Der frühere Landschaftsplaner Klaus Werthner legte daraufhin Einspruch ein und wies auf die historische Bedeutung hin: "Steg und Bachbett bilden ein Ensemble in der Topographie des Grünzugs am Ende der Blickachse zur Großen Straße und der Nürnberger Burg."

Sör-Chef Vogel reagierte prompt: "Nachdem Bachbett und Steg gestalterisch auch ein Sinnbild für den Untergang des Nationalsozialismus darstellen, respektiere ich das bestehende Ensemble und wir sehen von einem Rückbau ab." Stattdessen werde Sör zum Erhalt der Brücke im Frühjahr eine Instandsetzung durchführen. Werthner hofft, dass dann der seitlich angebrachte, die Optik beeinträchtigende Sichtschutz wieder entfernt wird. 

Christine Anneser

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