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Der Friedrich-Ebert-Platz soll zum Treffpunkt werden

Ein Jahr nach der Begehung: Vorstadtverein Nürnberg-Nord fordert Nachbesserungen - 16.06.2013 12:59 Uhr

Große U-Bahn-Zugänge und viel Grau prägen den Friedrich-Ebert-Platz. Die wenigen Bäume gehen in der Betonlandschaft nahezu unter. Hier der Blick nach St. Johannis. © Stefan Hippel


Tobias Schmidt vom Vorstadtverein Nürnberg-Nord (VNN) zählt drei Punkte auf, die seiner Meinung nach mit einem geringen Geldaufwand rasch umsetzbar wären: Sauberkeit, Grünpatenschaften und eine Einfriedung des Colleggartens im Bereich der Bucher Straße. Die ersten beiden Punkte betreffen vor allem die Platnersanlage. Das im Frühling zum Leben erwachte Blumenmeer ist längst Geschichte — der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) hatte hier im Herbst 24000 Blumenzwiebeln setzen lassen. Jetzt sieht die Wiese ungepflegt aus, die Anlage ist teilweise vermüllt. „Es ist nicht so geworden, wie wir es uns vorgestellt haben“, bilanziert Schmidt.

Das sehen auch die Anwohner so — wie Doktor Gero Brandt, der in nächster Nachbarschaft seit 1985 seine Praxis betreibt und daran erinnert, dass in der Platnersanlage vor dem U-Bahnbau noch ein Beet blühte. „Meine Befürchtungen sind eingetreten: Die Wiese ist trostlos und wird als Hundeklo missbraucht.“

Die Stadt versucht derzeit, einen neuen Platz für die Glascontainer an der Platnersanlage zu finden.


Wie berichtet, wurde im Juni 2012 im Zuge einer Begehung von Anwohnern und Vertretern der Stadt eine Liste von Verbesserungsvorschlägen erstellt, die der Verwaltung vorliegt. Im Frühjahr wurden ein Rasen angelegt, ein großer Strauch und ein Baum gepflanzt. Sör-Werkleiter Ronald Höfler: „Wir haben die Platnersanlage wieder hergestellt.“ Es werde derzeit überlegt, ob man — wie bei der Begehung vorgeschlagen — die Glascontainer umstellen könne.

Schmidt will nochmal auf die Stadt zugehen. Dabei steht die Forderung im Zentrum, „die Aufenthaltqualität des Platzes zu erhöhen — mit dem Wissen, dass es sich um einen Verkehrsknotenpunkt handelt“. Dafür müsse es sauber und grün sein, fährt er fort. Der Vorstadtverein würde, wenn die Stadt mitzieht, die Werbetrommel für die Pflanzenpatenschaften rühren und auch selbst aktiv mitmischen.

„Wir müssen das Thema offensiver an die Bürger bringen“, meint er. In puncto Colleggarten macht er sich für einen „grünen Sichtschutzwall“ zur Bucher Straße stark. Höfler winkt ab: „Wir sollten dieses Thema zurückstellen, denn gestalterisch soll sich der Park zum Friedrich-Ebert-Platz öffnen“, mit einer Hecke würde man die planerische Idee ein Stück weit aufgeben.

Keine Stadtteilfunktion

Schmidt bilanziert: „Der Friedrich-Ebert-Platz erfüllt seine Aufgabe als Verkehrsdrehscheibe, aber nicht seine Stadtteilfunktion.“ Auch wenn die Stadt viele Baustellen habe, müsse hier dringend nachgebessert werden, damit er als zentraler Platz im Stadtteil angenommen wird. „Für uns bleibt das Thema auf der Agenda“, betont er. Auch will er die Überlegungen vorantreiben, Farbe in die graue Betonlandschaft zu bringen. Tobias Schmidt setzt dabei auf Graffitikunst und eine Kooperation mit den Schulen im Viertel.

Siegfried Dengler, Chef des Stadtplanungsamts, begrüßt diese Idee. Konkrete Pläne für Nachbesserungen gibt es allerdings nicht, „es muss vorerst verwaltungsintern geklärt werden, wer hier die Federführung übernimmt“. Aus Sicht des Baureferats ist die Maßnahme abgeschlossen. Also abwarten.

Mit Blick in den Südwesten der Stadt hat man aus dem Friedrich-Ebert-Platz-Fiasko zumindest etwas gelernt: Dort läuft der städtebauliche Wettbewerb für die geplante U-Bahnstation „Großreuth bei Schweinau“. Im Internet kann man unter zuericherstrasse. wordpress.com nach einer Registrierung das Wettbewerbsverfahren verfolgen und auch kommentieren.

„Gerade bei Planungswettbewerben, die naturgemäß stark von Fachleuten dominiert werden, ist es wichtig, Verfahren und Ergebnisse transparent und frei verfügbar zu kommunizieren“, sagt Bau- und Planungsreferent Wolfgang Baumann. Ein experimenteller Versuch der informellen Bürgerbeteiligung. „Wir versprechen uns davon einen stärkeren Einbezug der Bevölkerung und eine intensive Diskussion mit den Planern“, sagt Dengler.

Unter dem Titel „Viele Köche verderben den Brei oder: Das Ergebnis vieler Zuständigkeiten“ lädt der Verein BauLust am 21.Juni, 16Uhr, zur Begehung ein. Treffpunkt ist an der Ecke Bucher Straße/Archivstraße.
  

CLAUDIA BEYER E-Mail

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