Der Nürnberger Hauptbahnhof im Wandel der Zeit

27.6.2016, 09:39 Uhr
Er ist einer der wichtigsten und bekanntesten Orte in ganz Nürnberg und natürlich erster Anlaufpunkt für Bahnreisende: der Nürnberger Hauptbahnhof. Dank seiner markanten Kuppel ist er bereits von weitem zu erkennen und bietet, zusammen mit der Kuppel des nahe gelegenen Opernhauses, ein schönes Panorama. Ruhe herrscht hier allerdings so gut wie nie:  Mit täglich knapp 140.000 Reisenden steht er auf Platz zehn der am meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands.
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© Karlheinz Daut

Wie eine gothische Kathedrale sah die erste Version des Hauptbahnhofs aus, die zwischen 1844 und 1847 fertiggestellt wurde. Da der Ludwigsbahnhof der privat betriebenen Ludwigseisenbahn am Plärrer schnell zu klein wurde, musste ein größerer, zentral gelegener Anlaufpunkt her. Durch die Eröffnung der Staatsbahnstrecken nach Schwabach (1849), Ansbach (1875), Bayreuth (1877) sowie der Ostbahnstrecken nach Hersbruck (1859) und Regensburg (1871) entwickelte sich der zunächst noch als Kopfbahnhof gebaute Bahnhof schnell zum Zentralbahnhof Nürnbergs.
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© Gerardi

Doch auch der neue Zentralbahnhof schaffte es nach kurzer Zeit nicht mehr, das steigende Fahrgastaufkommen aufzufangen. Deshalb wurde nach den Plänen von Karl Gustav Zenger (Oberregierungsrat bei der Generaldirektion der Bayerischen Staatsbahnen) ein prachtvoller Neubarockbau errichtet. Nach sechsjähriger Bauzeit wurde er schließlich 1906 eröffnet. Die Fassade ist noch heute zum großen Teil erhalten.
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© DB Museum

Durch die schrittweise Vergrößerung des Hauptbahnhofs wurden bald Unterführungen nötig. So wurden nach und nach der Tafelfeld-, Karl-Bröger-, Marien- und Dürrenhoftunnel sowie die Celtis- und die Allersberger Unterführung gebaut.
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© Friedl Ulrich

Zum 80. Geburtstag des Prinzregenten Luitpold von Bayern wurde 1901 vor dem Bahnhof feierlich ein Denkmal enthüllt. Doch es hatte nur kurz Bestand: Da es dem Verkehr im Weg stand, wurde es 1934 entfernt und schließlich im 2. Weltkrieg eingeschmolzen.
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© Stadtarchiv

Der Hautptbahnhof selbst musste, wie so viele Gebäude in der Nürnberger Innenstadt, schwere Beschädigungen während der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg hinnehmen. Doch...
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© DB

...nicht nur das Bahnhofsgebäude, sondern auch die Gleisanlagen selber waren ein einziges Trümmerfeld. Aus diesem Grund musste der Bahnhof auch vom 16. bis 25. April 1945 für neun Tage stillgelegt werden.
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© DB

Der Wiederaufbau fand schließlich zwischen 1945 und 1956 statt. Jedoch fiel der Neubau aus Geldmangel bescheidener aus. Auch die Kuppel wurde wiedererrichtet, jedoch in weniger großzügigen Maßen.
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© Stadtarchiv

Dieses Bild zu Beginn der 50er Jahre zeigt noch gut, wie stark der Bahnhof beschädigt wurde. Während der Postbau im Hintergrund unbeschädigt dasteht, gleicht der Hauptbahnhof nebenan noch einem Provisorium. Erst 1956 konnten die aufwändigen Wiederaufbauarbeiten abgeschlossen werden.
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© Gertrud Gerardi

Auch als Kulisse diente der Hauptbahnhof - sogar für Hollywood: Für den Film
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© DIP

Zu Beginn der 60er-Jahre tat sich vor allem im Inneren einiges: Die Mittelhalle mit ihren Geschäften musste aufgrund der Schäden des 2. Weltkriegs mit einem Provisorium überdacht werden. Ein Blick von den Sperren in die triste Zugangshalle zeigt die Kioske im
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© Gerardi

Aus Gründen der Sicherheit und Ordnung am Hauptbahnhof-Eingang wurden in den 60er-Jahren Kontrollpunkte gebaut.
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© Kammler

Und eben jene neu errichtete Glasfassade war auch die Leinwand für Albrecht Dürers Porträt
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Der Ort wird Ihnen vielleicht bekannt vorkommen, aber der Info-Point der Deutschen Bahn hatte damals doch noch deutlich mehr Charme mit diesem witzigen
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© Wilhelm Bauer

Im selben Jahr bekam der Hauptbahnhof mit den neuen S-Bahn-Gleisen auch ein neues Zentralstellwerk. Nach sechs Jahren Bauzeit wurde die technische Revolution am 20. November 1988 in Betrieb genommen. Die Reichweite der Stellbereiche ist enorm. Sie reichte im Nordwesten bis Fürth, im Osten bis zu den Bahnhöfen Dutzendteich und Mögeldorf, im Süden bis Eibach und im Südwesten bis nach Schweinau. Dadurch konnten pro Tag bis zu 800 Passagier und 2900 Rangierfahrten durchgeführt werden.
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© Wilhelm Bauer

Doch auch die schönste Anzeigetafel konnte nicht verhehlen, dass der Hauptbahnhof langsam in die Jahre kam. Im April 1999 begannen schließlich die 76 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten. Durch die Sanierung konnte der Bahnhof um drei weitere Etagen aufgestockt werden. Das waren 1. bisher ungenutzer Platz unter der Hallenkonstruktion, 2. das Zwischengeschoss und 3. ein Untergeschoss zur Königstorpassage.
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© Bauer

Doch der Umbau wurde zu einer sehr zähen Angelegenheit. Nach dem Spatenstich am 26. April 1999 passierte die ersten Monate relativ wenig. Hauptverantwortlich für die Verzögerungen waren die alte Bausubstanz (bspw. die Arkaden in der westlichen Zwischenhalle), fehlende Pläne aus der Erbauungszeit 1900-1905 sowie der laufende Bahnbetrieb.
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© Daut

Nachdem Teile des Gebäudes entkernt wurden, konnte der gesamte Innenbereich modernisiert werden. Im Zuge dessen wurde durch den Einzug neuer Geschäfte die Attraktivität deutlich erhöht. Nach und nach wurden ab 2001 schließlich die einzelnen Abschnitte wieder freigegeben. Zunächst war die Mittelhalle an der Reihe (Oktober 2001), gefolgt von der Osthalle (November 2001) und dem Westflügel (März 2002). Abgeschlossen wurden die Arbeiten mit dem Einzug des DB-Reisezentrums in den Jugendstilsaal im Mai 2002. Die Arbeiten dauerten also zwei Jahre länger als geplant.
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© Matejka

War die Atmosphäre vor dem Umbau doch eine recht düstere und schummrige, wurde es mit dem Umbau deutlich freundlicher. Vor allem das durchgängige Glasdach lässt an sonnigen Tagen die heute bekannte lichtdurchflutete Atmosphäre zu. Zusätzlich wurde die Kuppel in der Mittelhalle wieder freigelegt und teilweise verglast. Nach dem Umbau standen 10.000 Quadratmeter Ladenfläche für 58 Geschäfte/Gastronomie zur Verfügung, im 1. Stock konnte eine Lounge eingerichtet werden.
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© Karlheinz Daut

Mit dem Umbau fanden auch drei schöne Wandmosaike der Fürther Künstlerin Ingrid Rauh ihren Weg in den Hauptbahnhof. Besonders das Motiv
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© Hagen Gerullis

Und auch sie ist seit über 100 Jahren ein fester Bestandteil des Hauptbahnhofs: die Bahnhofsmission. Als Anlaufstelle für alle Notleidenden, sei es durch Obdachlosigkeit, Drogensucht, aber auch in psychologischen Notsituationen. Doch nicht nur in Extremfällen steht die Tür der Bahnhofsmission offen. Mitarbeiter stehen auch bei den täglichen kleinen Problemen zur Verfügung, beispielsweise beim Ein-, Aus- und Umsteigen von Menschen mit beschränkter Mobilität, als Begleitung von allein reisenden Kindern oder bei sprachlichen Verständigungsproblemen.
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© Mark Johnston

Einen ganz besonderen Einblick in die Geschichte des Bahnhofs bietet sein unterirdischer Bunker. Er wurde in 70er-Jahren für den Fall eines möglichen Atomkriegs gebaut und bietet Platz für insgesamt 2500 Menschen.
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© Matejka

Der Bunker erstreckt sich über zwei Stockwerke. Besonders in der zweiten Ebene, in der noch die komplette Inneneinrichtung steht, kann man sich ein gutes Bild über die Ausrüstung dieses Zufluchtsorts machen.
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© Matejka

Einsatzfähig ist der Bunker nicht mehr, da die Infrastruktur für Strom, Wasser und Lüftung gekappt wurde. Mittlerweile steht er aber unter Denkmalschutz. Der Standpunkt des Bunkers liegt übrigens auf Höhe der Bahnsteige der U-Bahnlinien 2 und 3 (hinter der Bahnsteigrückwand) sowie auf Höhe der Bahnhofsmission.
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© Matejka