Deutsch-türkisches Filmfestival beginnt am Freitag

3.3.2016, 19:42 Uhr
Über 1000 Bewerbungen aus 15 Ländern gingen in diesem Jahr zum Kurzfilmwettbewerb ein. Die elf ausgewählten Beiträge laufen am Freitag, 11. März, um 19 Uhr im Festsaal. Das Foto zeigt eine Szene aus dem türkischen Film

Über 1000 Bewerbungen aus 15 Ländern gingen in diesem Jahr zum Kurzfilmwettbewerb ein. Die elf ausgewählten Beiträge laufen am Freitag, 11. März, um 19 Uhr im Festsaal. Das Foto zeigt eine Szene aus dem türkischen Film "Der Drachen". © Fotos: Festival

42 Filme stehen vom 4. bis 13. März auf dem Programm, erwartet werden über 80 Gäste. Das Publikum darf sich auf hochkarätiges Kino und auf viele spannende Begegnungen freuen. Doch die weltpolitische Lage ist angesichts der Flüchtlingsströme und neuer Terrorgefahren brisanter denn je und wird auch beim Festival in Filmgesprächen und bei einer Podiumsdiskussion zur Zukunft der Wertegemeinschaft Europa (7. März um 19 Uhr im Künstlerhaus) thematisiert.

Ernste Töne schlägt Festivalpräsident Adil Kaya auch in seinem Grußwort im Programmheft an. "Angst essen Seele auf" zitiert er einen Filmtitel von Rainer Werner Fassbinder. Die Angst vor dem Fremden, so Kaya, werde heute wieder auf verantwortungslose Weise geschürt und rufe einen Pogromgeist wach, den man lange Zeit für überwunden glaubte.

Umso wichtiger ist der interkulturelle Dialog, die Einladung zur Begegnung und zur gegenseitigen Verständigung. Das Festival, das vom Verein InterForum und dem KunstKulturQuartier veranstaltet wird, hat sich diesem Anliegen von Beginn an verschrieben und ist die wichtigste internationale Plattform für den gemeinsamen Auftritt türkischer und deutscher Regisseure. Wobei die Filmteams oft längst multikulturell aufgestellt sind.

Neun Filme laufen im Spielfilm-, elf im Kurzfilmwettbewerb und 21 in der Reihe Filmlandschaften. Darunter sind mit Sebastian Schippers Berlin-Thriller "Victoria", Christian Züberts griechisch-deutscher Frauenstudie "Ein Atem" oder Lars Kraumes beklemmendem Heimkinder-Drama "Freistaat" Highlights des deutschen Kinojahrgangs 2015.

Ihn könnte man schon fast den Vize-Schirmherrn des Festivals nennen: Der deutsche Filmstar Mario Adorf, der 2007 den Ehrenpreis erhielt, ist zum dritten Mal zu Gast.

Ihn könnte man schon fast den Vize-Schirmherrn des Festivals nennen: Der deutsche Filmstar Mario Adorf, der 2007 den Ehrenpreis erhielt, ist zum dritten Mal zu Gast. © Foto: Weigert

Besonders gespannt sein darf man aber vor allem auf die türkischen Beiträge – fast sämtlich Nürnberg- oder Deutschland-Premieren. Viele Filme handeln von Frauenschicksalen, wie etwa "Toz Bezi" (Staublappen), der im diesjährigen Berlinale-Forum lief und von zwei Kurdinnen erzählt, die sich als Putzkräfte durchschlagen.

Kurzfristig in die Reihe Filmlandschaften aufgenommen wurde (anstelle von "Ertuðrul 1890") "Madimak – Carinas Tagebuch" über eine holländische Studentin, die ihre Liebe und ihr Engagement für die Türkei mit dem Leben bezahlen musste. Mit "Bulanti" (Der Ekel) des renommierten Regisseurs Zeki Demirkubuz steht auch eine internationale Premiere auf dem Programm.

Und als Weltpremiere wird zur Eröffnung der Dokumentarfilm "Haymatloz" gezeigt. Eren Önsöz erinnert darin an die Zeit der umgekehrten Flüchtlingsströme, als jüdische Intellektuelle vor den Nazis in die Türkei flohen und unter Kemal Atatürk beim Aufbau eines modernen Universitätssystems halfen.

Mit drei ihrer Protagonisten kommt Önsöz auch zur Vorführung am 5. März (16 Uhr) in den Festsaal des Künstlerhauses. Dort darf man sich am selben Tag außerdem auf Ehrenpreisträger Kadir Inanir freuen. Der 66-Jährige, dessen Filmografie bis heute fast 200 Werke umfasst und der sich auch politisch engagiert, zählt in seiner Heimat zu den Superstars. Inanir zeigt seinen Film "Die Frauenzelle" (19.15 Uhr), in dem er einen inhaftierten Schriftsteller spielt, und spricht danach mit dem Publikum. Für die türkischen Besucher dürfte es der Höhepunkt eines Festivals sein, das interessante Einblicke in das aktuelle deutsche und türkische Kinoschaffen verspricht.

Infos: www.fftd.net

Das Video wird präsentiert von frankenfernsehen.tv:

 

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