Deutsches Museum in Nürnberg im Wirbel: Verspätete Eröffnung und Kosten-Zoff

4.2.2021, 19:51 Uhr
Ein Bau, der innen und außen die Zukunft darstellen soll, dessen Finanzierung in der Gegenwart aber heftig umstritten ist. Die ersten Exponate des Deutschen Museums sind zwar längst da, Eröffnung ist aber frühestens im Juli, wohl eher später.

Ein Bau, der innen und außen die Zukunft darstellen soll, dessen Finanzierung in der Gegenwart aber heftig umstritten ist. Die ersten Exponate des Deutschen Museums sind zwar längst da, Eröffnung ist aber frühestens im Juli, wohl eher später. © Foto: Michael Matejka

Die Verantwortlichen rechnen nun frühestens im dritten Quartal damit, dass sie die ersten Besucher empfangen können.

Ein Großteil der Ausstellungsbauten kommt aus dem Ausland. Die Teams der Firmen aber kämpfen mit den strengen Corona-Auflagen. Die könnten auch den Betrieb später weiter erschweren, etwa über eine beschränkte Besucherzahl. Das Museum arbeitet deshalb bereits an virtuellen Konzepten, die das Museum wenigstens online zugänglich machen sollen.

Im Landtag verschärft sich derweil der Streit vor allem um den Mietvertrag für das Gebäude, in dem das Museum untergekommen ist. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) nennt das Museum "ein Leuchtturmprojekt innovativer Wissenschaftskommunikation und der Technikvermittlung". Er habe zwar Verständnis für die Rolle der Opposition. Aber: "Wer sich weiter an haltlosen Kampagnen beteiligt, muss sich fragen lassen, ob er weiß, was er tut." Die Kritiker brächten das Projekt nur "in Misskredit" und diskreditierten damit die Marke Deutsches Museum.

Zweifel und Kritik an Mietpreis und Gutachten

Er habe sich nochmals bei der staatlichen Immobilienagentur Imby erkundigt, sagt Sibler, die den Mietvertrag begutachtet hatte. "Ich habe die klare Aussage erhalten, dass sie ihre Stellungnahme zur Angemessenheit der Höhe des Mietzinses genauso wieder abfassen würde." Damit trage auch weiter, was die Imby bereits 2017 erklärt hatte.


Wegen Corona: Eröffnung des Zukunftsmuseums verzögert sich


Abgeordnete der Opposition bezweifeln allerdings die Kompetenz der Imby in dieser Frage. Sie sei kein externer Gutachter, sagt etwa der FDP-Abgeordnete Sebastian Körber aus Forchheim. Körber ist Architekt. Üblich seien in einem solchen Fall Gutachten mit bis zu 150 Seiten. Das Papier der Imby umfasste nur acht Seiten. Das hält auch Verena Osgyan von den Grünen für nicht ausreichend. "So ein Gutachten ist nicht in der Tiefe begründet", sagt sie.

Osgyan hält den Auftritt des Ministers im Wissenschaftsausschuss des Landtags für wenig geglückt. Sibler habe in der Sache nichts Neues beigetragen und die offenen Fragen unbeantwortet gelassen. Noch immer sei nicht klar, wie genau die Verhandlungen rund um das Areal im Augustinerhof abgelaufen sind und wer daran beteiligt war. "Gäbe es einen Willen zur Transparenz, ließe sich vieles schnell aufklären", sagt die grüne Landtagsabgeordnete, die versichert, sie habe gegen das Projekt an sich keine Einwände. Ebenso wenig gegen den Standort im Augustinerhof.

Rechnungshof untersucht Vorgänge

Klar sei, dass "wir hier immer noch in einer trüben Suppe herumschwimmen". Osgyan spricht von "billigen Ablenkungsmanövern" der Regierung, die mit Gegenangriffen vom Thema ablenke. Sie begrüßt deshalb ausdrücklich, dass der Bayerische Oberste Rechnungshof ORH die Vorgänge rund um die Zweigstelle durchleuchtet. Sinnvoll sei auch, dass der ORH ebenfalls den Ankauf des Geländes an der Brunecker Straße für die TU Nürnberg untersucht.

Wie berichtet, mietet das Deutsche Museum den Bau am Augustinerhof vom Nürnberger Immobilienentwickler Gerd Schmelzer. Der Vertrag läuft auf 25 Jahre; allein für die Miete fließen im Jahr 2,8 Millionen Euro. Kritiker beschreiben den Zins als weit über der ortsüblichen Miete. Schmelzer bestreitet das.