Deutsches Museum in Nürnberg: Pläne nehmen Gestalt an

12.11.2016, 15:20 Uhr
Die Errichtung des Gebäudekomplexes wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt; teuer wird nicht zuletzt die Absicherung der Tiefgarage zur Pegnitz hin.

Die Errichtung des Gebäudekomplexes wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt; teuer wird nicht zuletzt die Absicherung der Tiefgarage zur Pegnitz hin. © dpa

Natürlich wollen sich die Franken nicht einfach mit Objekten aus dem Münchener Depot abspeisen lassen, die das Stammhaus leicht entbehren kann, meinte Finanz- und Heimatminister Markus Söder als Hausherr. Für ihn ist das Projekt ein Eckpfeiler im Bemühen, Franken auch mit Investitionen in Kunst und Kultur zu stärken. So dürfe die Zweigstelle kein "Ableger" werden, sondern ein eigenes, neu entwickeltes Format erhalten. Und sie könnte nicht zuletzt ein Pfund im Programm für eine Bewerbung als Kulturhauptstadt werden.

Den roten Faden für das Konzept bildet die Grundfrage: Wie entstehen überhaupt (technische) Innovationen? Und wie lassen sich auch noch Fehlversuche und ein Scheitern in etwas Produktives ummünzen? "Wir wollen an vielen konkreten Beispielen veranschaulichen, wie Ideen und Visionen Gestalt annehmen und praktisch umgesetzt werden, also wie Innovation entsteht", kündigte der Präsident des Deutschen Museums Prof. Wolfgang M. Heckl an und versprach vollmundig, für Nürnberg werde etwas "Einmaliges" mit einer Ausstrahlung über die Region hinaus entwickelt.

Etwas, das vor allem junge Leute und Familien ansprechen soll. „Die stellen sich beim Stichwort Museum oft etwas Verstaubtes vor. Das Gegenteil aber soll erleb- und erfahrbar werden: "Technik ändert sich am laufenden Band. Dieser ständigen Entwicklung wollen wir Rechnung tragen – was gezeigt wird, muss sich laufend anpassen und verändern." Ähnlich wie die in vielen Städten etablierten und beliebten Science Center sollen Experimente und Mitmachangebote im Mittelpunkt stehen: "Es wird eine interaktive Zukunftswerkstatt."

Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle ordnete das Projekt in die bereits bestehende Kulturlandschaft in Nürnberg ein und betonte nicht zuletzt den Bezug zu den wirtschaftlichen Stärken der Metropolregion. "Hier wurde und wird viel entwickelt. Das wird in Kooperation mit den Firmen auch gezeigt werden. Außerdem passt das gut, weil die Stadt einen industriellen Umwandlungsprozess in großem Maßstab zu verkraften hatte und noch drin steckt." In ersten Workshops wurde auch bereits über mögliche Vernetzungen und Verbindungen mit den bestehenden, vor allem städtischen Museen diskutiert.

"Muss mitten in der Stadt angesiedelt sein"

Die Idee, die "futurecity" im Augustinerhof anzusiedeln, hatte Bauherr Gerd Schmelzer – und rannte bei Söder offene Türen ein. "Schließlich muss ein solches Haus mitten in der Stadt angesiedelt sein, wo viele Menschen vorbeikommen." Das sei, wie sich in der Diskussion ergab, auch touristisch von Bedeutung.

Die Errichtung des Gebäudekomplexes wird auf rund 60 Millionen Euro geschätzt; teuer wird nicht zuletzt die Absicherung der Tiefgarage zur Pegnitz hin. Die Kosten für die Einrichtung des Museums – der Freistaat wird die Räume mieten – werden derzeit auf elf Millonen Euro veranschlagt. Aber auch die Übernahme der künftigen Betriebskosten sei gesichert, hieß es.

Der Einspruch eines Nachbarn hatte das Bauvorhaben lange verhindert. Dieses Hindernis ist seit einiger Zeit aus dem Weg geräumt, nun könnte es bald losgehen. Zumal die Planungen und auch die Baugenehmigung längst weit gediehen und die archäologischen Untersuchungen schon abgeschlossen sind. "Bis 2020 könnte es klappen", gibt sich Söder verhalten optimistisch.

Der Entwurf stammt von dem renommierten Architekten Volker Staab, der auch das elegante Neue Museum Nürnberg geplant hatte. Für das Deutsche Museum ist der Westflügel vorgesehen, die Raumaufteilung im Inneren wird dafür nun überarbeitet, ebenso die Fassadengestaltung. "Da sind viel größere Fenster nötig." Neben dem Museum bleibt es aber bei den bisherigen Plänen, in dem Augustinerhof-Komplex auch ein Hotel mit rund 100 Betten und etwa 20 Wohnungen unterzubringen, sagte Schmelzer.

3 Kommentare