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Diese Nürnberger App übernimmt den Schulmaterial-Kauf

Anwendung kann gedruckte Listen lesen und bestellt online - 10.09.2019 06:00 Uhr

Der Einkauf von Schulbedarf ist nicht selten eine hektische und chaotische Angelegenheit. Eine pfiffige App soll Abhilfe schaffen. (Symbolbild) © Ralf Rödel


In Zweierreihen standen die Eltern an den Regalen und Sonderposten, um ein "Din A4-Heft aus Recyclingpapier, liniert, mit Schattenrand" zu ergattern, Umschläge im richtigen Lila-Ton oder ganz spezifisch beschriebene Stifte.

Wie so oft, brauchte es einen derart emotionalen Moment für einen bahnbrechenden Gedanken: "Wie wäre es, wenn man all diese Einkäufe bequem mit einer Handy-App erledigen könnte?", fragte sich Ekaterina Antonova, eine 44-jährige Siemens-Mitarbeiterin, als sie sich an einem ersten Schultag in den Müller im Hauptbahnhof gewagt hatte. Und sprach gleich mal ein paar Anwesende darauf an, "das war sozusagen meine Marketing-Research", sagt sie lachend.

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Die Resonanz war eindeutig: Alle fanden diese Idee brillant und hätten sich die alljährliche Materialschlacht zwischen den Regalen gerne erspart. Und so begann die Mutter zweier Töchter, die beruflich mit digitalen Projekten zu tun hat, sich Gedanken über eine Umsetzung zu machen.

Da die Schulen die Listen in Papierform herausgeben, war ihr schnell klar, dass eine gute Texterkennung notwendig war: Das Handy sollte diese Liste abfotografieren, die darauf genannten Artikel erkennen und dann bei einem Händler im Internet bestellen. Klingt einfach, war aber letztlich doch ziemlich knifflig. Ohne KI (Künstliche Intelligenz) ging es nicht, musste sie bald feststellen.

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Als Antonova und die für das Projekt engagierten Programmierer aus Bulgarien mit dem Produkt zufrieden waren, brauchte es nur noch einen Namen. Der ist so einfach wie möglich gehalten, die App heißt schlicht "Stifte & Hefte" und ist inzwischen online, sowohl in Googles Playstore als auch im App-Store von Apple.

Bislang ist Antonova mit ihrer App eine Art Subunternehmerin von Amazon – über den amerikanischen Internet-Versandriesen werden die eingescannten Artikel bestellt und geliefert. Die 44-Jährige hätte das gern anders gehabt, aber kleineren Schreibwaren-Geschäften fehle die digitale Infrastruktur, um entsprechend reagieren zu können, sagt sie. "Die Digitalisierung im privaten Umfeld steckt hierzulande oft noch in den Kinderschuhen", weiß die Siemensianerin.

Geld verdient hat sie mit "Stifte & Hefte" übrigens noch nicht, und das war auch nie ihre Absicht. Als leidgeplagte Mutter wollte sie es anderen Eltern lediglich ein Stück leichter machen, sagt sie. Und sollte die App jemals Geld abwerfen, so Antonova, will sie diese Gewinne spenden, um an Nürnberger Schulen gesunde Frühstücke für die Kinder zu sponsern. Entsprechende Gespräche mit der Stadt hat sie bereits geführt.

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