13°

Montag, 17.06.2019

|

zum Thema

"Dringender Handlungsbedarf": Armutsgefahr in Nürnberg steigt

Wenige Akademiker, viele Geringqualifizierte in Nürnberg - hohe Gefährdungsquote - 16.08.2018 18:51 Uhr

Die Armutsgefährdungsquote liegt in Nürnberg bei rund 23 Prozent. © dpa


Das städtische Sozialreferat hat bereits im Frühjahr eine Analyse zur Armut in Nürnberg vorgelegt und auf eine Diskrepanz aufmerksam gemacht: Was die Zahl der Sozialleistungsempfänger angeht, steht Nürnberg im Vergleich der Großstädte nicht schlecht da – in Bezug auf die Armutsgefährdung aber schon. Doll und DGB-Regionssekretär Alexander Eglmaier sehen in den niedrigen Löhnen und Gehältern den Schlüssel, um diesen Widerspruch aufzuklären.

So ist zum Beispiel das für Konsum- oder Sparzwecke verfügbare Einkommen der Privathaushalte zwischen 2000 und 2015 deutschlandweit um 35,2 Prozent gewachsen, in Nürnberg aber nur um 20,1 Prozent. Städte wie Hamburg (30,2), aber auch Dortmund (25,3) oder Duisburg (24,7) weisen hier bessere Werte auf. Bei der prozentualen Zunahme der Bruttolöhne pro Arbeitsstunde liegt die Frankenmetropole (33,4) ebenfalls unter dem Durchschnitt (35,3). Doll verweist zudem auf den für Nürnberg sehr wichtigen Einzelhandel – dort seien die Einkommen wegen vieler unfreiwilliger Teilzeitbeschäftigungen und der Tarifflucht der Arbeitgeber aber sehr bescheiden. Laut dem DGB Bayern ist die Tarifbindung der Beschäftigten in Bayern von 83,1 Prozent im Jahr 1995 auf 53,4 Prozent im Jahr 2016 gesunken. 

Doll plädiert für mehr Umverteilung

Deswegen sieht Doll in der Stärkung der Tarifbindung durch die Bundesregierung ein Rezept zur Armutsbekämpfung. Die Hartz-IV-Regelsätze und der gesetzliche Mindestlohn müssten deutlich angehoben, unfreiwillige Teilzeitarbeit eingedämmt werden. Und in Nürnberg müsse an der Qualifikation der Arbeitnehmer gearbeitet werden: "Im Großstadtvergleich haben wir einen geringen Anteil an Akademikern und einen hohen Anteil an Geringqualifizierten." Zudem plädiert der Gewerkschaftschef für Umverteilung. Hohe Vermögen müssten über Instrumente wie Erbschaft- oder Vermögensteuer stärker belastet werden, um die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland und auch in Nürnberg wieder etwas zu schließen. 

Marco Puschner

12

12 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg