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Drogenrazzia im "Waschsalon": Zur Afterhour kam die Polizei

Techno-Club im Nürnberger Nordosten fünf Stunden lang kontrolliert - 05.02.2017 19:10 Uhr

Symbolbild: Partygänger feiern in einer Diskothek. Im "Waschsalon" beendete ein Polizeieinsatz die Afterhour am Samstag jäh.


Martin Weinmann ist stinksauer. Der 52-jährige Betreiber der Diskothek "Waschsalon" steht immer noch unter dem Eindruck der Großrazzia, die sich am Samstag vor seinen Augen abspielte. Die Disko in der Klingenhofstraße 58 war ins Visier der Polizei geraten.

Wie das Polizeipräsidium Mittelfranken am Sonntag mitteilte, hatten die Beamten "für diesen Club konkrete Hinweise auf einen vermehrten Betäubungsmittelkonsum". Deshalb stattete die Polizei der Diskothek mit einem Großaufgebot an Unterstützungskräften (USK) verschiedener mittefränkischer Polizeidienststellen und des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) einen Überraschungsbesuch ab.

Fünf Stunden lang, von 7 bis 12 Uhr, durchsuchten Polizeikräfte die Räumlichkeiten des "Waschsalon". Währenddessen befanden sich laut Polizei etwa 200 Gäste in der kleinen Diskothek. Betreiber Weinmann widerspricht: Inklusive seiner Mitarbeiter und ihm selbst seien es nur 159 Personen gewesen. Dies könne er aufgrund der ausgegebenen Karten genau nachvollziehen.

"Meine Barmädels mussten sich nackt ausziehen"

Weinmann ist nach eigenen Angaben seit über 30 Jahren im Nachtgeschäft tätig. Er betrieb vor dem "Waschsalon" auch Casinos, Nachtclubs und andere Etablissements. "Ich habe in dieser Zeit schon viele Razzien erlebt", sagt der 52-Jährige. "Aber das am Samstag übertrifft alles." Die Polizei sei mit 18 Mannschaftswagen vorgefahren, erzählt Weinmann. Rund 70 Spezialkräfte und vier Hunde seien zum Einsatz gekommen. "Meine Barmädels mussten sich in einem Hinterzimmer vor den Beamtinnen nackt ausziehen, obwohl sie sich noch nie etwas zuschulden kommen ließen", sagt Weinmann.

Jeder Gast wurde penibel untersucht und durfte erst danach die Disko verlassen. Die Beamten hätten eine "Vielzahl von Drogen" sichergestellt, heißt es in der Mitteilung des Präsidiums Mittelfranken. "Mehr als einem Dutzend Gäste konnten die aufgefundenen Betäubungsmittel zugeordnet werden." Im Klartext: Im Schnitt einer von 13 Gästen hatte Drogen dabei. "So viel würden die in jeder anderen Disko auch finden", meint Weinmann. Die gefundene Menge könne außerdem "gar nicht so groß" gewesen sein.

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Tatsächlich wurden laut Polizei bis zum Einsatzende alle amtsbehandelten Personen entlassen. Die Beschuldigten müssen sich nun einem Ermittlungsverfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz stellen. "Bei wirklich großen Mengen wären sie aber wohl nicht so schnell auf freien Fuß gekommen", sagt Weinmann.

"Ich bin ein unbeschriebenes Blatt"

"Was rechtfertigt so eine Aktion?", fragt der Betreiber. "So einen Aufwand für rund 150 feiernde Mittzwanziger zu betreiben ist lächerlich. Da braucht es eigentlich schon einen schweren Verdacht." Bei ihm und seinem Personal seien keine Betäubungsmittel gefunden worden. "Ich bin ein unbeschriebenes Blatt und habe noch nie etwas mit Drogen zu tun gehabt", sagt der 52-Jährige. Dass manche Gäste Betäubungsmittel für den Eigengebrauch dabei haben und heimlich konsumieren, könne er nicht verhindern, sagt Weinmann. "Kein Diskobetreiber kann das."

Zum Zeitpunkt der Drogenrazzia war in der Disko gerade Afterhour. So nennen Clubs morgendliche Veranstaltungen für Frühaufsteher und Nachtschwärmer, die vom Feiern am Vortag noch nicht genug hatten. Wegen der gesetzlich vorgeschriebenen Sperrstunde müssen sie um 5 Uhr schließen, öffnen dann aber für besonders Feierwütige um 6 Uhr wieder. Weinmann glaubt, dass die Razzia damit zusammenhängen könnte, "dass die Stadt Nürnberg Afterhours am liebsten ganz verbieten würde".

Im "Waschsalon" gilt strikte "One-Way-Politik"

Dies sei kurz nach der Eröffnung des "Waschsalon" im vergangenen Juli bei einem Runden Tisch mit Polizei und Ordnungsamt zur Sprache gekommen. Bei dem Gespräch wurde laut Weinmann auch ein Konzept gegen den Drogenkonsum von Partygästen erarbeitet, an das er sich strikt halte. Dieses sehe unter anderem eine "One-Way-Politik" an der Tür vor. "Wer die Disko einmal verlässt, kommt nicht mehr rein, selbst wenn er nochmal Eintritt zahlen will", erklärt Weinmann. Damit solle verhindert werden, dass Feiernde im Umfeld des Clubs Drogen konsumieren. Außerdem kontrolliere sein Personal regelmäßig die Toiletten und weise jeden Gast am Eingang auf die Regeln hin.

Die Polizei wollte sich am Sonntag nicht weiter zu dem Vorfall äußern. "Das Ganze bedarf weiterer Abklärung", sagte Polizeipressesprecher Christian Daßler auf Nachfrage.

Und wie geht es jetzt weiter? Am Samstagabend, nur wenige Stunden nach der Razzia, seien plötzlich erneut acht Polizisten der Inspektion Ost erschienen, durch den Techno-Club spaziert und wieder gegangen, erzählt Weinmann. "Eigentlich wollten wir uns demnächst wieder zu einem Runden Tisch treffen..."

Stefan Hofer E-Mail

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