23°

Montag, 10.05.2021

|

zum Thema

Ein Jahr Corona-Telefon: Nürnberg zieht Bilanz

Stadt verzeichnet knapp 120.000 Anrufe in einem Jahr - 21.04.2021 10:36 Uhr

Fragen zur Pandemie beantwortet seit gut einem Jahr das Bürgertelefon der Stadt Nürnberg.

16.04.2021 © Bastian Lauer, NN


Andrea Hesselbach, Leiterin des Bürgertelefons zum Coronavirus vom Gesundheitsamt der Stadt, sagt: "Die Bürgerinnen und Bürger kommen mit vielen verschieden Fragen auf uns zu. Wir versuchen, alle Fragen zu beantworten und zu helfen. Dafür bekommen wir viele positive Rückmeldungen." Es geht dabei nicht ausschließlich um Informationen, wie sie sagt: "Auch für beruhigende Worte sind viele sehr dankbar. Sie sind erleichtert, wenn sie komplizierte Verordnungen nicht selbst durchlesen müssen und in verständlicher Sprache erklärt bekommen."

An sieben Tagen der Woche von jeweils 8.30 bis 16 Uhr, auch an Feiertagen, geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts unter der Telefonnummer 0911 / 23110644 Auskunft. Politische Entscheidungen haben besonders am Anfang der Corona-Krise zahlreiche Fragen aufgeworfen. Am 5. März 2020 wurde das, eigentlich für Bombenfunde und ähnliche Ausnahmesituationen installierte, Bürgertelefon für die Corona-Pandemie aktiviert. An den Telefonen saßen Beschäftigte der Stadt, die sich freiwillig für diese Aufgabe gemeldet hatten. Anfänglich waren bis zu 25 Personen täglich im Einsatz. Am 22. Juni 2020 ist das Corona-Bürgertelefon von der Feuerwehr in das Gesundheitsamt umgezogen. Derzeit sind im Schnitt täglich 13 Telefonistinnen und Telefonisten (von insgesamt 19) im Einsatz sowie fünf Leitungskräfte.

Einsame Anrufer

"Bei der ersten Ausgangsbeschränkung gab es enorm viele Fragen zu Umzügen und privaten Autokäufen. Viele der Mitarbeitenden erlebten aber, dass es auch einsame Menschen gab, die während der Ausgangssperre nur jemanden zum Reden brauchten", sagt Romy Eißner vom Gesundheitsamt.

Bilderstrecke zum Thema

Schrittweise Lockerungen oder Verschärfungen: Das ist der Stufenplan für Bayern

Ein Überblick über die im März vom bayerischen Kabinett beschlossenen Stufen der Corona-Regeln. Aktuell sind die geplanten Öffnungsstufen für die Außengastronomie, die Kultur und den Sport allerdings bis mindestens 26. April ausgesetzt.


Die meisten Beratungsgespräche wurden im März 2020 mit 11.000 Anrufen geführt. Bis August 2020 sind die monatlichen Auskünfte auf 3400 gefallen, stiegen dann aber wieder von September 2020 bis Februar 2021 auf monatlich 8000 bis 10.000 Telefonate an. 13.426 Anrufe wurden im März 2021 beantwortet und an zuständige Fachbereiche weitergegeben. Außerdem bearbeiten die Teamleitungen E-Mails, die im Postfach der Corona-Hotline eingehen - 100 tägliche Mails sind keine Seltenheit.

Klare Ansagen

Manchmal müssen aber auch klare Ansagen gemacht werden. "Ab und zu sagen wir auch klipp und klar, dass es während der Quarantäne nicht erlaubt ist, mit seinem Hund spazieren zu gehen, und suchen nach einer Lösung", sagt Andrea Hesselbach.

Andrea Hesselbach, Leiterin des Corona-Bürgertelefons des Gesundheitsamts der Stadt Nürnberg, an ihrem Arbeitsplatz in Langwasser. Foto: Stadt Nürnberg / Christine Dierenbach
 

20.04.2021 © Christine Dierenbach/Amt fuer Ko


Nach über einem Jahr ist die Arbeit beim Corona-Bürgertelefon immer routinierter geworden. Und wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Frage nicht beantworten können, vermitteln sie an eine andere Auskunftsstelle. Die Möglichkeiten, Auskünfte zu verschiedenen Themen einzuholen, sind heute auch wesentlich größer als am Anfang der Corona-Krise.


Strengere Maßnahmen: Was aktuell in Nürnberg gilt


Wie bei vielen Auskunftsstellen überwiegen beim Bürgertelefon positive Gespräche. Dennoch gibt es auch belastende Telefonate. "Die positiven Anrufe sind in der Mehrzahl, dennoch kosten Beschimpfungen viel Kraft und hinterlassen Spuren. Androhungen körperlicher Gewalt, Schimpfwörter, persönliche Beleidigungen, die ich gar nicht wiedergeben möchte, sind sehr verletzend", berichtet Hesselbach.

Bilderstrecke zum Thema

Ort der Trauer: Kunstwerk zum Gedenken an Corona-Opfer in Nürnberg enthüllt

Ein drei Meter hoher Würfel zieht am Nürnberger Klarissenplatz die Blicke auf sich. Das Kunstwerk von Süleyman Bahn hat einen ernsten Hintergrund: Es soll an die Opfer der Corona-Pandemie erinnern. Der Kubus soll ein Ort sein, wo man der Verstorbenen gedenken und Blumen und Kerzen ablegen kann. Bundesweit wurde am Sonntag bei Veranstaltungen der Opfer der Pandemie und der Hinterbliebenen gedacht. Am Neuen Museum hatten sich Vertreter der Stadt und der Glaubensgemeinschaften zu einer Andacht versammelt.


"Leider überschatten die geringeren negativen Reaktionen die freundlichen und dankbaren. Manche Kolleginnen und Kollegen stecken das leichter weg, andere nehmen es sich sehr zu Herzen", sagt Andrea Hesselbach und weiß auch aus Erfahrung, dass Grundsatzdebatten über die Sinnhaftigkeit von Verordnungen kraftraubend und wenig zielführend sind.

sme

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg