Ein Kraftakt aus Liebe zum Kino

14.11.2016, 13:00 Uhr
Obwohl sie nicht vom Fach sind, haben Bülent Terzioğlu (links), Cumali Durukan sowie ihre Mitstreiter (nicht im Bild) im Rio-Palast ganze Arbeit geleistet.

© Michael Matejka Obwohl sie nicht vom Fach sind, haben Bülent Terzioğlu (links), Cumali Durukan sowie ihre Mitstreiter (nicht im Bild) im Rio-Palast ganze Arbeit geleistet.

Bülent Terzioğlu grinst sofort verschmitzt und guckt zur Decke, als sein Freund Cumali Durukan beginnt, über seinen ersten Schritt ins Rio-Palast-Kino zu berichten: „Eigentlich habe ich Bülent nur in seinem Büro besucht, um mit ihm über Geschäftsideen zu reden, die mir damals durch den Kopf gingen.“ Doch sein Gegenüber hatte kaum Zeit, sich die anzuhören, und meinte nur: „Komm mit, ich habe was anderes für dich.“ Eine halbe Stunde später standen die beiden bei Franz Ach im Foyer und sprachen darüber, das Rio-Kino zu übernehmen. „Für mich völlig spontan und unvorbereitet“, sagt Durukan.

Schon nach wenigen weiteren Treffen sei man sich mit Ach einig gewesen, fährt Terzioğlu fort. Der habe zwar öfter Interessenten an der Tür gehabt, aber ausschlaggebend dafür, dass sie den Zuschlag bekommen haben, sei gewesen, dass sie das Kino nicht nur als Team weiterbetreiben wollten, sondern auch die Traditionsmarke „Rio Palast“ am Leben erhalten wollten. „Wir haben uns an dem Punkt sogar mit den Achs gegenseitig umarmt“, berichtet Terzioğlu.

Viel Geduld gefragt

Wie sich später herausstellen sollte, war die Einigung mit dem bisherigen Betreiber allerdings noch der einfache Part. Aus der raschen Wiedereröffnung in ein bis zwei Monaten, wie es sich der Grafiker Terzioğlu und sein ebenfalls fachfremder Freund Durukan damals noch vorstellten, wurde bekanntlich nichts. Stattdessen begann für die beiden sowie ihre Familien und Freunde eine fast zwei Jahre lange Geduldsprobe, die viel Nerven, Mühe und Geld kostete.

Wie viel, mag Inhaberin Yasemin Terzioğlu, die die Finanzen im Blick hat, nicht verraten. Wenn man sich vor Augen hält, dass allein eine neue Vorführtechnik heute leicht sechsstellige Beträge kosten kann, mag man aber nicht mit ihr tauschen. Während die teils veraltete Technik — genauer: deren Erneuerung — eine finanzielle Belastung bedeutete, entpuppte sich die denkmalgeschützte Architektur als wahrer Stolperstein. Die damit verbundenen bürokratischen Hürden und langen Genehmigungsverfahren bremsten den Tateifer des kinoverliebten Teams oft aus. So sehr, dass schon mehrere geplante Eröffnungstermine — zuletzt war Sommer 2016 anvisiert — platzten. Daher auch die vorsichtige „Eröffnung auf Raten“, die nun mit dem Café im Foyer begann.

„Das war mein Traum“

„Wieder da“ lautet die frohe Botschaft, die seit kurzem an der Programmtafel des Rio-Kinos in der Fürther Straße prangt.

„Wieder da“ lautet die frohe Botschaft, die seit kurzem an der Programmtafel des Rio-Kinos in der Fürther Straße prangt. © Michael Matejka

Jetzt, wo alle drei — ebenso wie ihre Helfer und Unterstützer — kurz vor dem Ziel stehen, mag es zwar unbedeutend erscheinen, aber dennoch stellt sich die Frage: Wie konnte man sich nur derart waghalsig in so ein großes Abenteuer stürzen? Bülent Terzioğlus kurze, aber ehrliche Antwort: „Das war schon immer mein Traum.“

Will heißen, er habe sich als Filmliebhaber schon immer darüber geärgert, dass außer einheimischen Filmen und Hollywood-Produktionen kaum ein Streifen den Weg in die hiesigen Kinosäle schafft. „Dabei haben Länder wie die Türkei, Russland, Italien oder Griechenland doch filmisch auch viel Interessantes zu bieten.“ Interessantes, das man seiner Meinung nach dem Nürnberger Publikum nicht vorenthalten darf.

Auch wenn das neue Programm „noch in Arbeit“ sei, verrät Bülent Terzioğlu das neue, internationale Motto im Rio-Palast: „Bei uns ist jeden Tag Filmfestival.“