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Ein Weltenbummler setzt auf Exotisches

Norbert Weidners Esskursionen - 03.08.2012

Das Lokal von Norbert Weidner ist eine Mischung aus Bistro und öffentlichem Wohnzimmer mit internationaler Küche. © Uwe Niklas


„Ein Raum, ein Tisch – das ist viel familiärer.“ Denn Essen bringt die Menschen zusammen, das ist das Leitbild des 61-Jährigen. „Es funktioniert, wenn sich fremde Menschen bei mir den Tisch teilen“, sagt er, lacht und erzählt Anekdoten, um zu beweisen, dass dies auch mit scheuen Franken klappt.

Norbert Weidner ist ein eigenartiger Koch; er entspricht überhaupt nicht den klassischen Vorstellungen. Der kahlköpfige Mann mit dem vielen Schmuck und den kräftigen Tattoos mag es am Herd entspannt – er ist schließlich auch praktizierender Buddhist. Kochen versteht er „als ruhenden Pol in unserer hektischen Welt“. Deswegen müssen seine Gäste etwas Zeit mitbringen, wenn sie zu einer kulinarischen Reise aufbrechen, einer Esskursion, zu einem Abenteuer mit aparten Kochkompositionen. „Wir sind kein Fast-Food-Restaurant“, sagt er lächelnd.

So puristisch das klingt und so schlicht die Einrichtung ist, so leidenschaftlich agiert der Nürnberger am Herd und mit den Makisu, den Bambusmatten, mit denen Profis ihre Sushi-Häppchen rollen. Seine Gäste will er samt Namen und Vorlieben kennen – Großgastronomie ist nie etwas für ihn gewesen. „Ich will nicht 14 Stunden an 365 Tagen im Jahr hecheln“, bekennt er. Öffnungszeiten gibt es noch nicht, wer zu einer Esskursion aufbrechen möchte, sollte sich vorher kurz anmelden.

Weidner ist Weltenbummler und in den Siebzigern in die Türkei, Persien, Afghanistan und Indien gereist. Ein Jahrzehnt später tingelte er durch Europa, Japan, Thailand, Burma und Laos. „Exkursionen in fremde Länder sind Esskursionen in die jeweiligen Küchen.“ Kochen – das sei in etwa wie Puzzeln. Seine Erfahrungen aus den vielen Reisen kreuzen sich mit der fränkischen Küche und regionalen Lebensmitteln, er rührt ungewöhnliche Gerichte zusammen – Kreationen wie „Muscheln in Rhabarbermousse und scharfem fränkischen Sauerkraut“.

Keine frittierten Insekten oder Frösche

Weidners Bestreben ist, den Nürnbergern die verschiedenen Kochgewohnheiten aus aller Welt nahezubringen. „Ich würde aber nie frittierte Insekten oder Frösche servieren“, verspricht er. Auch die Küche ist im typisch asiatischen Stil gehalten: Ein großer Gasherd, eine zugestellte Arbeitsfläche, am Fenstersims Soja-Soße, Balsamico, Reisöle. Aus den Töpfen leuchten gelbe Dal-Linsen, rotes Curry und hellgrüner Chinakohl. Im Kühlschrank friert Kulfi, eine indische Eiscreme. „Wir machen alles selbst, nur die Soja-Soße nicht“, sagt Weidner augenzwinkernd. Freitags steht Sushi im Fokus. In den 90er Jahren hat er bei einem Sushimeister gelernt und sein Wissen mitunter im „Sushi Glas“ und in eigenen Läden angewandt und weiter entwickelt.

Wie ein Seefahrer kann er zu jedem Gericht – ob als Wirt oder bei seinen Kochkursen – die passende Anekdote erzählen. So verbinden sich geschmackserlebnisse mit den erlebten Abenteuern des ambitionierten Kochs.

Mehr Informationen über die Esskursion in unserer Rubrik Essen und Trinken!

Andrea Munkert

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