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Eindrucksvolle Katakomben: Bahnhofsbunker bald geöffnet?

Förderverein Felsengänge startet neuen Vorstoß - und feiert Jubiläum - 18.09.2019 05:17 Uhr

Der Bunker unter dem Hauptbahnhof ist eindrucksvoll - und bald für jeden zugänglich? © Stefan Hippel


Obwohl die Mitglieder des Fördervereins Felsengänge Nürnberg sich dort wohlfühlen, im Untergrund. Im Labyrinth unter der Stadt kennen sie jeden Winkel und jedes Schlupfloch. Heuer feiert der Verein sein 25-jähriges Bestehen – und beschenkt sich zu diesem Anlass womöglich selbst.

Denn es scheint ein Schlupfloch gefunden zu sein, eine Möglichkeit, sich einen Wunsch zu erfüllen: Der Förderverein Felsengänge will den Bunker unter dem Nürnberger Hauptbahnhof für die Bevölkerung öffnen. Und zwar auf Dauer.

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"Wir sind an dem Thema dran", sagt der Vorsitzende Ralf Arnold — und verrät damit erst einmal fast nichts Neues. Schon vor vier Jahren schlug Arnold Alarm. Denn die Tage der 18 Atomschutzbunker in Nürnberg waren damals schon lange gezählt. Der Bund hob die Zivilschutzbindung für die Schutzräume Jahre zuvor auf, viele der Bunker wurden leergeräumt, auch die meisten der zehn Bunker in städtischem Besitz.

"Die größte Anlage in der Stadt"

Der Förderverein machte sich 2015 deshalb öffentlich für den Bunker unter dem Hauptbahnhof, gebaut in den 1970er Jahren, stark. Im Fall eines Atomangriffs hätten hier 2500 Menschen Platz gehabt. "Damit ist das die größte Anlage dieser Art in der Stadt", sagt Arnold.

Obwohl die gut erhaltenen Räume geräumig sind, ist die Angst vor einem Kalten Krieg in ihnen spürbar. Das Interesse sei groß, weiß Ralf Arnold. Immer wieder einmal dürfen die Gästeführer mit Besuchergruppen hier hinunter.

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Der Förderverein aber plädiert für eine dauerhafte Öffnung inklusive eines Museums. Ausstellungsstücke hat der Verein schon mal gesichert. Teekannen, Suppentöpfen, Wolldecken, Windelpackungen – von allem haben die Mitglieder etwas behalten. Der Traum vom Museum aber zerschlägt sich 2018. Die Stadträte im Bau- und Vergabeausschuss entscheiden: Der Bunker wird kein Museum, wird aber weiter geöffnet. Nicht oft genug, findet Ralf Arnold bis heute.

Obwohl der Verein immer angeboten hat, die Unterhaltskosten im Bunker, ähnlich wie bei den anderen Räumen im Nürnberger Untergrund, zu übernehmen. Die Stadt aber scheut die Kosten, die zum Beispiel für den Brandschutz anfallen.

Neues Brandschutzkonzept

Genau da setzt der Förderverein Felsengänge nun an. "Wir lassen von einem Prüfsachverständigen gerade ein Brandschutzkonzept aufsetzen", sagt Ralf Arnold. Eines, das eine dauerhafte Öffnung ermöglichen würde. Bezahlen will das der Verein, der laut Arnold Rücklagen gebildet hat, zum Teil aus eigener Tasche; man hofft aber auf finanzielle Hilfen durch Spenden oder über Crowdfunding.

Fest steht: Die Stadt will man nicht belasten. Was die dazu sagt? "Wenn der Verein mehr machen will als die gelegentlichen Führungen, müssten wir reden und das prüfen", sagt Baureferent Daniel Ulrich. Grundsätzlich findet er aber "den Ansatz, diesen Bunker zu zeigen, sehr gut".

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Ralf Arnold möchte gar nicht täglich durch den Bahnhofsbunker führen, "aber zum Beispiel zwei- bis dreimal jedes Wochenende". Auch weil er das persönlich für wichtig hält. Er ist in Wolfenbüttel aufgewachsen, nah an der damaligen Grenze zu Ostdeutschland. In der Nacht konnte er die Lichter vom Grenzzaun sehen. "Diese Zeit des Kalten Krieges, eines drohenden Atomkrieges, muss im Bewusstsein bleiben", sagt er. Auch deshalb müsse der Ort erfahrbar gemacht werden.

Der Bahnhofsbunker ist aber nicht das Einzige, das Arnold anpacken will. Auch die Stadtmauer, findet er, muss aufgewertet werden und besser erlebbar sein. Zum Beispiel kann er sich Attrappen von Geschützen in den Kasematten vorstellen, vielleicht auch Figuren, die die Verteidigungsanlagen der Stadt besser in Szene setzen. "Wir müssen diese historischen Orte mehr beleben", findet er.

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