"Eine Erfolgsstory": Nürnbergs Arena wird 20 Jahre alt

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 04.04.18..FOTO: Horst Linke ..MOTIV: Mitarbeiterporträt:Timo Schickler..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Timo Schickler

Lokalredaktion Nürnberg

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22.3.2021, 06:00 Uhr
Am Anfang viel diskutiert, inzwischen aus der Stadt nicht wegzudenken: die Multifunktionshalle, die seit 2005 Arena Nürnberger Versicherung heißt.

Am Anfang viel diskutiert, inzwischen aus der Stadt nicht wegzudenken: die Multifunktionshalle, die seit 2005 Arena Nürnberger Versicherung heißt. © Roland Fengler, NN

Die blonde Mähne steht stachelig nach oben, die Hand ist zur Faust geballt. Billy Idol rockt. Seit ein paar Monaten ist der Amerikaner 65 Jahre alt, also im Rentenalter. Auftreten will die Punkrock-Legende aber weiter. So wie vor ein paar Jahren in Nürnberg. Ausverkauft ist die Halle damals nicht, aber voll. Und das Publikum bei "Rebell Yell" voll unter Strom.


Von der Eis-Halle zur Handball-Halle: So verwandelt sich die Arena


Jürgen Fottner erinnert sich gut daran. Und oft. Ein Foto von Billy Idol hängt im Büro des Geschäftsführers der Arena Nürnberger Versicherung. Seit 2013 ist Fottner Herr im Haus, seit 2005 arbeitet er hier am Kurt-Leucht-Weg. Er hat viel erlebt. Eishockey, Basketball, Handball, alles auf höchster nationaler, manchmal internationaler Ebene. Aber auch Comedians, Zauberkünstler und Musikstars, von Rock bis Klassik. An manchen Abenden beides kombiniert.

100 statt 60 Veranstaltungen

"Die Arena ist eine Erfolgsstory", sagt Jürgen Fottner. Die Zahlen geben ihm Recht. Anfangs pendelt die neue Spielstätte zwischen 60 und 70 Veranstaltungen im Jahr. Die meisten sind Heimspiele der Ice Tigers. Mehr wird es ab 2015, seitdem finden hier jährlich über Hundert Events statt. Vor allem durch das "zweite Home-Team", wie Fottner die Handballer des HC Erlangen nennt. Aber auch durch immer mehr Kulturelles.

"Die Arena hat sich sehr weiterentwickelt", findet Fottner. Ein Terminkalender wie vor zwanzig Jahren sei heute nicht mehr vorstellbar. Der Handball hat eine entscheidende Rolle gespielt. "Als die Idee aufgekommen ist", sagt der Geschäftsführer, "mussten wir schon überlegen: Geht das mit den Terminen?" Bis jetzt ist es eine Herausforderung, aus einer Eisfläche einen Handballboden oder ein Konzertsaal zu machen.

Das Eis bleibt auch bei Konzerten

Der Umbau geht heute viel schneller, "das hat sich eingespielt". Bis in die Nacht Eishockey und tags darauf Depeche Mode sei "kein Problem". Deshalb haben die Verantwortlichen die Taktung erhöht.

Doch auch wenn Banden und Plexiglasscheiben binnen Stunden verschwunden sind und der Boden mit Glasplatten ausgelegt ist: Das Eis bleibt. Auf dem ist der Komplex im Südosten der Stadt aufgebaut. Zwei Jahrzehnte ist das her, das Stadion nebenan hat in der Zeit viermal seinen Namen geändert.

Jürgen Fottner spricht ungern von der Eis-Arena, das werde der Multifunktionshalle nicht gerecht. Die Entstehungsgeschichte zeigt aber: ohne Eis keine Arena. "Und ohne Arena kein Eishockey in Nürnberg, zumindest nicht auf diesem Niveau", sagt Klemens Gsell. Der CSU-Stadtrat und frühere Sportbürgermeister ist sicher, dass ohne den Neubau 2001 "Eishockey in der Stadt kaputtgegangen wäre". So wie das Lindestadion, in dem die noch relativ frisch vom Stammverein EHC 80 Nürnberg abgenabelten Ice Tigers damals spielen.

Eis-Arena als heißes Eisen

Klemens Gsell ist zu der Zeit Fraktionsvorsitzender der CSU, er begleitet die Diskussion über eine neue Eishockey-Spielstätte hautnah. Auf der einen Seite der EHC, der über "das Linde" klagt, auf der anderen der Haushalt der Stadt "mit weniger Investitionsmöglichkeiten als heute", erinnert sich Gsell.

Um eine neue Spielstätte überhaupt zu ermöglichen, muss die Stadt das Gelände des Linde-Stadions verkaufen. Das Einkaufszentrum, das auf der Fläche gebaut werden sollen, wollen einige Anwohner nicht. Sie protestieren, am Ende jedoch vergebens. Die Eis-Arena bleibt ein heißes Eisen.

Eis-Arena? Von wegen. Nicht nur wenn Die Fantastischen Vier hier auftreten, geht es heiß her.

Eis-Arena? Von wegen. Nicht nur wenn Die Fantastischen Vier hier auftreten, geht es heiß her. © Günter Distler, NN

Eines, das die Stadt nicht alleine geschmiedet kriegt. Stattdessen wird die Halle das erste PPP-Projekt in Nürnberg, der Region und weit darüber hinaus: eine Public-Private-Partnership. Das heißt, die Kommune stemmt das am Ende 25 Millionen Euro teure Projekt mit der Hilfe von privaten Investoren. Die Stadt stellt das Grundstück, auch fünf Millionen Euro aus dem Verkauf des Linde-Geländes fließen in die Arena. Den Rest übernimmt eine Projektgruppe mit drei Gesellschaftern.

Handwerker raus, Gäste rein

Im August 1999 beginnt der Bau der Arena, zuerst reibungslos, später folgen Probleme mit dem Brandschutz. Die Zeit rennt. Noch in der Bauphase hat sich Nürnberg als Austragungsort der Eishockey-WM 2001 beworben. Tatsächlich sind am Ende "vorne die Gäste reingegangen und hinten die Handwerker raus", erinnert sich Gsell. Die Premiere gelingt.

Misstöne gibt es trotzdem, einige halten sich bis heute. Die Ränge sind zu steil, finden viele Besucher, die Eisfläche ist nicht von überall komplett zu sehen. Hartnäckige Gerüchte halten sich auch 20 Jahre später. Ein Baufehler? Ist die Arena für die in Amerika übliche kleine Spielfläche geplant?

Die Basis bildet in der Arena aber weiter das Eis - das auch jeder Kulturveranstaltung buchstäblich zu Grunde liegt.

Die Basis bildet in der Arena aber weiter das Eis - das auch jeder Kulturveranstaltung buchstäblich zu Grunde liegt. © Michael Matejka, NN

Beides verneint Fottner. Die Antwort sei viel simpler: "Es ging nicht anders." Der Platz sei begrenzt gewesen, auch weil der Denkmalschutz auf eine Sichtachse von Steintribüne zur Großen Straße gepocht hat. "Und es mussten 8000 Fans in die Arena passen, um die Eishockey-WM zu bekommen."

Alle am Bau Beteiligten seien sich dessen also bewusst gewesen. Aus den drei Gesellschaftern ist im Laufe der Zeit einer geworden. Schon in der Bauphase übernimmt die Firma Max Bögl die Anteile des Mitgesellschafters Philipp Holzmann und dessen restliche Bauleistungen an der Arena.

Auch die Betriebs-GmbH, zu der anfangs 13 Gesellschafter zählen, gehört heute nur noch dem Bauunternehmen aus der Nähe von Neumarkt. Für den langjährigen Sportbürgermeister Klemens Gsell ist das eine Erleichterung, "weil wir nur noch einen Ansprechpartner hatten".


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Die Zusammenarbeit funktioniert, 2400 Stunden Eiszeit stehen der Stadt jedes Jahr in der Arena zur Verfügung, sozusagen als Miete für das Grundstück. Die hält die Kommune für Schulen und Vereine bereit. Weil die Sportarten auf dem Eis boomen, ist das sogar zu wenig. Bei der Frage einer Eisflächen-Erweiterung ist man sich nicht einig geworden.

2031 gehört die Arena der Stadt

In zehn Jahren kann die Stadt selbst entscheiden. So lange zahlt sie die Arena Nürnberger Versicherung noch in Raten ab - bis zum Ende des Erbaurechtsvertrags 2031.

Ob Jürgen Fottner dann für die Stadt arbeitet? Darüber macht sich der Geschäftsführer noch keine Gedanken. Er denkt aktuell eher an das vergangene Jahr zurück, für ihn "das schwerste, seit ich hier bin". Die Rücklagen, die sich die Betriebs-GmbH aufgebaut hatte, sind durch die corona-bedingte Zwangspause aufgebraucht. Über die Runden kommt die Arena durch ein Darlehen von Bögl. "Wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben."

Noch froher wäre Fottner, endlich wieder Besucher in der Arena begrüßen zu dürfen. Darauf bereiten seine Mitarbeiter und er sich vor. "Wir überlegen uns Konzepte, wie das aussehen kann", sagt Fottner. Denn klar sei: Die Pandemie wird auf die Organisation großer Events langfristig Einfluss haben.

Und die Arena plant langfristig. 2022 ist der Terminkalender "schon jetzt gut gefüllt", sagt Jürgen Fottner. Die meisten Veranstaltungen sind nur verschoben, erklärt er, und kommen zu den ohnehin vereinbarten dazu. Dann soll die Arena wieder rocken.

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