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Eklat um geplante Flüchtlingsunterkunft Geigerstraße

Sozialamtschef Maly schwer in der Kritik - Nazis vor der Haustür? - 19.05.2016 05:58 Uhr

Der Vermieter hatte die Mieter dieses Hauses in der Geigerstraße in Nürnberger-Reichelsdorf hinausgeekelt, um Flüchtlinge dort unterbringen zu können. Das Sozialamt will jetzt den Vertrag mit dem Vermieter prüfen. Bei einer Bürgervesammlung ging es hoch her. © Horst Linke


Vergeblich versuchte Dieter Maly in dem überfüllten Saal der Sportgaststätte beim SV Reichelsdorf zwei Stunden lang immer wieder den Deckel auf das Thema Geigerstraße zu kriegen - vergeblich. Das machte die Zuhörer eher noch wütender, sie wollten Dampf ablassen. Da konnte sich Maly noch so oft rechtfertigen, dass die Stadt von dem Vermieter der Geigerstraße 2 arglistig getäuscht worden sei, dass das Sozialamt nicht für das Schicksal der gekündigten, bedrohten, hinausgeekelten Mieter verantwortlich sei, dass die Geigerstraße nicht mit Flüchtlingen belegt wird, dass jetzt alle Verträge mit den Vermietern der Unterkünfte auf den Prüfstand kommen.

"Wie doof kann die Stadt denn sein, das nicht vorher zu prüfen?", rief ein Mann laut in die Runde. Die Stadt habe bereits im Januar Bescheid gewusst, als der SPD-Stadtrat Hans Russo Oberbürgermeister Ulrich Maly über die Vorgänge in der Geigerstraße informiert hatte, was Russo bei der Veranstaltung erneut bekräftigte. Warum diese Information nicht zum Sozialamt vordrang und diese im April einen Vertrag mit dem Eigentümer der Geigerstraße 2, Angelco Sein, abgeschlossen hat, um hier Flüchtlinge einzuquartieren, konnte Dieter Maly in Reichelsdorf auch nicht wirklich erklären. "Wir wussten es nicht."

Die Atmosphäre der Versammlung war zeitweise durchaus bedrohlich, dafür mitverantwortlich, so das Nürnberger Bündnis Nazistopp, seien auch einige Nazis aus dem Umfeld der Partei "Der 3. Weg" gewesen. Die Verteilung von rechtsradikalen Flyern vor dem Gebäude sei durch die Polizei verhindert worden.

"Wer kümmert sich um mich?"

Gabi Strecker, eine der betroffenen Mieterinnen aus der Geigerstraße, die jetzt in einem Gartenhäuschen haust, fragte: "Wer kümmert sich jetzt um mich?" Maly wusste nicht wirklich Rat: "Das ist vollkommen ungut, was mit den Mietern passiert ist", sagte er und erntete höhnisches Gelächter. Das Sozialamt habe keine normalen Wohnungen, nur für Bedürftige und Obdachlose.

In Reichelsdorf sind drei Flüchtlingsunterkünfte geplant: für 23 Personen in der Schalkhaußerstraße 13, für etwa 20 Menschen in der Reichelsdorfer Hauptstraße 175 und für bis zu 16 Asylbewerber in der Krottenbacher Straße 2. Hier sollen vor allem Familien aus Syrien, dem Irak und Iran einziehen. Viele junge Männer, das machte eine Frau aus dem Publikum deutlich, seien nicht erwünscht - aus Angst um die eigenen Kinder.

"Kleine Unterkünfte machen uns überhaupt keine Probleme. Sie brauchen sich um die Sicherheit keine Sorgen zu machen", versuchte Lothar Galler, Leiter der Polizeiinspektion Süd, die aufgebrachte Menge zu beruhigen. Gertraud Kramer, Vorsitzende des TSV Mühlhof, will mit ihrem Verein bei der Integration helfen, forderte aber Hilfe vom Sozialamt ein. Auch der SV Reichelsdorf zeigte sich offen für die neuen Bewohner. 

Christine Anneser

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