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Eltern lehnen Kernzeitenregelung bei Kitas ab

Für viele Familien ist die geplante Regelung zu unflexibel - 01.06.2017 05:55 Uhr

Die geplante Kernzeitenregelung bei Kitas finden viele Eltern zu unflexibel und lehnen sie deshalb ab.

© Federico Gambarini


"Der Grundgedanke der Stadt ist an sich ein guter", sagt Sonja Merkl, die Elternbeiratsvorsitzende des Horts in Fischbach, der die Petition gegen die neue Satzung auf den Weg gebracht hat. In der Theorie sei eine einheitliche Regelung nachvollziehbar. "Aber unserer Meinung nach ist die geplante Vereinheitlichung nicht mit dem Alltag der Familien zu vereinbaren." Eltern müssten in der Arbeitswelt sehr flexibel sein, fügt sie hinzu. "Mit einer starren Regelung in den Kitas wird ihnen das Leben unnötig schwergemacht."

Für Sebastian Brehm, den Vorsitzenden der CSU-Stadtratsfraktion, ist die Kritik berechtigt. "Absolut oberstes Prinzip muss die Wahlfreiheit der Eltern sein", sagt Brehm. "Es muss möglich sein, dass Eltern ihr Kindergartenkind auch mal um 12 Uhr abholen." Was den CSU-Politiker außerdem ärgert: Dass das pädagogische Konzept, mit dem die neuen Kernzeiten begründet werden, noch gar nicht vorgestellt worden sei. "Dafür wurden aber bereits Briefe an die Eltern verschickt, in denen die neuen Regelungen als gegeben dargestellt werden. Dabei ist im Stadtrat noch gar nichts beschlossen." Zwangszeiten werde die CSU in jedem Fall ablehnen.

Der Regelung gemäß sollen Krippenkinder künftig bis 12.30 Uhr, Kindergartenkinder bis 13 Uhr und Hortkinder an vier Tagen bis 15.30 Uhr in ihrer Einrichtung bleiben. "Als das bekannt wurde, sind ganz viele Eltern auf mich zugekommen und haben mich gefragt, wie sie das künftig machen sollen", sagt Sonja Merkl. In einem Brief an das Jugendamt hat sie eine Reihe von Szenarien aus dem Alltag der Familien zusammengestellt, die gegen das Vorhaben der Stadt sprechen. Ein Beispiel: Eine Mutter arbeitet im Einzelhandel. Sie bringt ihr Kind um 6.30 Uhr in den Hort, weil ihre Schicht um 7 Uhr beginnt. Weil sie ab 14 Uhr frei hat, holt sie ihr Kind auf dem Heimweg gleich vom Hort ab. Das ist künftig nicht mehr möglich. 

Auch dass die Stadt künftig zentral für die Essensversorgung zuständig ist, stößt nicht nur auf Zustimmung. In einer Reihe von Einrichtungen nutzen Eltern "Kitafino", einen Dienstleister für das Bestellen und Abrechnen des Mittagessens – auch die Eltern der Hortkinder in Fischbach. "Das klappt super", sagt Sonja Merkl. "Wir sind glücklich damit. Wir können gemeinsam mit den Kindern das Essen auswählen und bei Krankheit bis acht Uhr morgens abbestellen."

Der Fischbacher Elternbeirat wolle niemanden dazu überreden, die Petition zu unterschreiben, erklärt Sonja Merkl. "Wir möchten die Eltern nur zum Nachdenken anregen, was die neue Regelung für sie bedeutet."

Gabi Eisenack

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