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En passant: Trostlose Auftritte der Nürnberger Museen

Vitrinen in den U-Bahnhöfen sollen für die Häuser werben, wirken in ihrer Verstaubtheit und Tristesse aber eher abschreckend. - 17.06.2019 11:26 Uhr

Prospekte und Textständer sind nicht gerade ein Hingucker: Eine der zahlreichen Vitrinen im U-Bahnhof Lorenzkirche, die für die Nürnberger Museen werben sollen. © Foto: Athina Tsimplostefanaki


Rund ein Dutzend, mit rotem, schon ein wenig angeschmuddeltem Stoff ausgelegte Dreiecksvitrinen ragen wie kleine Segel auf die Bahnsteige. Beim Blick hinein nimmt die Fantasie aber leider so gar keine Fahrt auf, und dass sie den Museen Rückenwind geben, kann wohl als ausgeschlossen gelten.

Denn die Präsentation darin ist an Trost- und Lieblosigkeit sowie Informationsarmut kaum zu überbieten: Plakate, Fotografien und zum Fächer drapierte Prospekte sind die Mittel der Wahl. Warum so etwas hinter Glas muss? Vermutlich, weil die Vitrinen nun mal da sind und irgendwie bestückt werden müssen.

An der Wertigkeit des Inhaltes jedenfalls kann es nicht liegen. Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum garniert seinen Auftritt immerhin noch mit ein paar Pinseln, was im geschilderten Umfeld als Gipfel der Pfiffigkeit und Kreativität gelten muss.

Wenig besser sieht es übrigens im U-Bahnhof Opernhaus aus, wo sich das nahe gelegene Museum für Kommunikation schon lange mit einer Installation aus alten Telefonhörern und -kabeln hinter Glas präsentiert und das DB Museum neben diversen Fotografien ein Stück Schiene ausgelegt hat. Beides keine Präsentationen, auf die das Publikum wirklich abfahren dürfte und sich zuhauf und mit Schwung in die Häuser ziehen lässt.

Natürlich haben die Museen Wichtigeres zu tun, als diese Vitrinen am zugigen U-Bahnsteig zu betreuen. Aber so, wie die da hängen, sind sie eben keine Einladung, sondern Abschreckung. Auffrischung ist dringend nötig! Dafür böte sich doch eine schöne Kooperation mit der Nürnberger Kunstakademie und den jungen Kreativen dort an: Studierende entwerfen Mini-Ausstellungen für die Vitrinen, mit denen sie Aufmerksamkeit für die Museen und gleichzeitig für sich selbst erzielen. Wer hat als Nachwuchskünstler schon die Chance, sich und seine Arbeit täglich tausenden Menschen zu präsentieren? 

BIRGIT RUF

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