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Entsteht in Nürnberg ein soziales Quelle-Ghetto?

Baukunstbeirat hält Plan für einen Neubau der Gerchgroup für falsch - 26.05.2019 11:21 Uhr

Auf dem ehemaligen Quelle-Parkplatz West soll ein fünfgeschossiges Gebäude mit 164 Sozialwohnungen entstehen. © Günter Distler


Im Baukunstbeirat wurde ein Entwurf für ein fünfgeschossiges Gebäude in Form einer Schlange eingereicht, der 164 geförderte Wohnungen auf dem Ex-Quelle Parkplatz West vorsieht. Die Planungen stießen auf wenig Begeisterung bei den Mitgliedern des Baukunstbeirats.

Es ist ein wuchtig Ding, das zwischen Bahn und Quelle Turm, rund 200 Meter von der Südseite des Versandzentrums entfernt, entstehen soll. Das Grundstück ist 10.125 Quadratmeter groß, und die geplanten 164 Sozialwohnungen nehmen verteilt auf fünf Etagen eine Fläche von 15.834 Quadratmetern ein, so die Planungen, die der renommierte Kölner Architekt Johannes Kister im Namen der Düsseldorfer Gerchgroup, der das Versandzentrum sowie einige Flächen im Umfeld gehören, vortrug.

Die Berliner Architektin Hannelore Deubzer und der Dresdner Architekt Thomas Will vom Baukunstbeirat wunderten sich, dass die geförderten Wohnungen nicht im Versandzentrum, das eine Nutzfläche von 250.000 Quadratmetern umfasst, untergebracht werden. Dort sollen rund 1000 Wohnungen entstehen. Die Kritik von Will und Deubzer: Es entstehe eine Art Ghettosituation.

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"Das ist keine Diskriminierung"

Der geplante Bau sei zu groß und zu dominierend für das direkte Umfeld, das aus zweigeschossigen, meist älteren Wohnhäusern besteht. "Sozialen Wohnungsbau von anderen Wohnungen zu trennen, ist grundfalsch", so Will. Kister wehrte sich gegen den Vorwurf, dass ein Ghetto entstehen wird: "Das ist keine Diskriminierung, sondern ein Wohnungsangebot." Für Will signalisiert die Dimension des fünfstöckigen Gebäudes den Nachbarn: "Wir sind größer, stärker und ihr seid dem Untergang geweiht."

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Kister verwies darauf, dass die Stadt den Vorschlag gemacht hat, den sozialen Wohnungsbau an dieser Stelle auszugliedern. Hintergrund dürfte sein, dass angesichts der hohen Umbaukosten innerhalb des Versandzentrums, die fast auf dem Niveau von einem Neubau liegen, die Vorgaben für den geförderten Wohnungsbau nicht einzuhalten sind. Auch die Wohnungsgrößen, die dann baurechtlich vorgeschrieben wären, dürften nur unter großem Aufwand einzurichten sein.

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Bebauungsplan für die Fläche gibt es nicht

Die Vorgabe der Stadt, dass 30 Prozent geförderter Wohnungsraum entstehen soll, ist wohl nur einzuhalten, wenn die Sozialwohnungen auf der freien Fläche neben dem Turm untergebracht werden. Im direkten Umfeld des Versandzentrums ist kaum eine Fläche mehr frei, weil ein kleiner Park fest geplant ist. Am Ende der Debatte im Baukunstbeirat deutete Kister an, dass der geplante soziale Wohnungsbau auch etwas kleiner ausfallen könnte. Einen Bebauungsplan für die Fläche gibt es nicht, auch gestaltet sich die Abgrenzung zur Bahn schwierig.

Die Verhandlungen zwischen Gerchgroup und Stadt über den Einzug des Sozial- und des Jugendamts sowie der städtischen IT-Abteilung mit insgesamt 1100 Beschäftigten in das ehemalige Versandgebäude sind schon sehr weit gediehen. Die Stadt will die Front entlang der Fürther Straße belegen und insgesamt rund 38.000 Quadratmeter mieten. Dem Vernehmen nach soll der Mietpreis deutlich über 15 Euro pro Quadratmeter liegen.

Umstritten zwischen den beiden Partnern ist noch die Zahl der zu mietenden Parkplätze. Der Düsseldorfer Immobilienentwickler hat das Quelle-Ensemble in insgesamt sieben Gesellschaften aufgeteilt.

André Fischer

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