Er rettete seine Schwester: Kenan sieht sich nicht als Held

28.3.2019, 20:19 Uhr
So sehen Helden aus: Kenan Büyükhan rettete seine Schwester.

So sehen Helden aus: Kenan Büyükhan rettete seine Schwester. © F.: News5

Wer Kenan Büyükhan inmitten seiner älteren und oft größeren Team-Kameraden beim SC Feucht sieht, könnte meinen, dass der Rechtsaußen etwas verloren wirkt auf dem Fußballfeld. Doch im Spiel beweist der Neunjährige schnell, dass er auf dem Rasen nicht fehl am Platz ist, wie sein Vater Celil Büyükhan stolz erzählt. "Auch wenn er sonst eher schüchtern ist: Im Match kennt er keine Furcht vor einem Gegenspieler, selbst wenn der zwei Köpfe größer ist."

Mut, den er am Dienstag auch abseits des Rasens unter Beweis stellte: Gemeinsam mit seiner Schwester Hira wartete Kenan im Auto auf seine Mutter Tuðba Büyükhan. Die 31-Jährige war kaum eine Minute weg, um ihre zweite Tocher Azra (sechs) im Kindergarten abzugeben, da zogen plötzlich beißende Rauchschwaden durch den schwarzen BMW-Kombi.

Kenan bemerkte sofort, dass es rechts beim Rücksitz, wo seine Schwester saß, brannte und reagierte geistesgegenwärtig. Er stieg sofort aus, um die Kleine aus ihrem Kindersitz zu holen. Dazu musste er mit dem klemmenden Gurtverschluss kämpfen, gegen den er so lange mit dem Bein drückte, bis er das Mädchen befreit und in Sicherheit gebracht hatte. Als Tuðba Büyükhan nur Sekunden später wieder aus dem Kindergarten herauskam, brannte das Auto bereits lichterloh. Auch die alarmierte Feuerwehr, die innerhalb weniger Minuten eintraf, konnte nicht verhindern, dass der BMW vollständig ausbrannte. Ein Anblick, den die Mutter ebenso wenig vergessen dürfte wie den Anblick der geretteten Hira in den sicheren Armen ihres großen Bruders Kenan.

Der Neunjährige, der erst Zeit brauchte, um das Erlebte zu verdauen, sieht sich zwar nicht als Held. Viel Applaus und Aufmerksamkeit erntet der schüchterne Lebensretter trotzdem. Neben Lob und Glückwünschen — selbst der türkische Generalkonsul Yavuz Kül lud ihn ein und will ihm im April eine Auszeichnung verleihen — hagelt es laut Papa Celil auch Presseanfragen, die er aber meist abwimmle. "Er soll ein bisschen zur Ruhe kommen. Darum bleibt er den Rest der Woche auch zu Hause und geht nicht zur Schule." Das Fußballtraining beim SC Feucht aber lasse Kenan, der einmal Polizist in einer Spezialeinheit werden will, auch jetzt nicht sausen: "Er hofft, dass er es in eine Sportklasse an der Bertolt-Brecht-Schule schafft."

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