Erlebt die Tram in Nürnbergs Norden eine Renaissance?

Jo Seuß, Redaktion Lokales Nürnberg & Stadtanzeiger
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8.1.2020, 05:58 Uhr
2011 trauerten die Nordstädter ihrer

2011 trauerten die Nordstädter ihrer "9er" noch hinterher. © Harald Sippel

Transparente wie "9er, wo bleibst? Wir vermissen dich“, die in Wartehäuschen aufgehängt wurden, untermauerten noch wochenlang den Stellenwert der Tram für viele Nordstädter. Und allen voran die Geschäftsleute spürten die Folgen in der Kasse, da die Straßenbahn auch etliche Kunden zu den Läden gebrachte hatte.Im Rathaus sah man aber keine Chance für eine Rückkehr der Linie 9. Grund waren drohende Regressansprüche, weil die hohen U-Bahnfördergelder des Bundes mit einer 25-jährigen Frist verknüpft waren, in der kein Parallelverkehr zur U3 erlaubt ist. Auf dieses Problem verweist Baureferent Daniel Ulrich, dem die Förderung des Nahverkehrs grundsätzlich sehr am Herzen liegt.

Keine große politische Bedeutung

Langfristig sieht er durchaus Perspektiven für die Schienentrasse durch die Pirckheimerstraße, die im gültigen Nahverkehrsentwicklungsplan für Nürnberg als Bestandteil einer "Universitätslinie“ befürwortet wird. Diese könnte allerdings ebenso in eine (ebenfalls positiv bewertete) Altstadt-Tram integriert werden.

Beide Projekte genossen zuletzt aber keine große politische Bedeutung, wie Ulrich bestätigt, weshalb nichts vorangegangen sei. Doch das kann sich in Zeiten des Klimawandels ändern. Zumal in der Pirckheimerstraße nach Jahren des Rückgangs wieder eine Zunahme des Autoverkehrs registriert wird. Im Kontext mit neuen Beruhigungsmaßnahmen in der Altstadt konstatierte der Baureferent jüngst im Verkehrsausschuss, dass man sich die Pirckheimerstraße mal „genauer anschauen müsste“.

Züge fahren bei Bedarf durch

Da dort immer wieder Straßenbahnen bei Bedarf von der VAG umgeleitet werden (zuletzt im August 2019 wegen eines Weichentauschs in der Südstadt), tauchen immer wieder Rufe nach einer Renaissance der Tram in der Nordstadt auf. Momentan werden sie – auch wegen des Kommunalwahlkampfes – wieder lauter. CSU-Fraktionschef und OB-Kandidat Marcus König betont: "Wir müssen besonders auf die bestehende Infrastruktur setzen“, weshalb er "eine große Chance für eine sogenannte Hochschullinie durch die Pirckheimerstraße“ sieht, um die "Wiso“ mit der Technischen Hochschule zu verbinden.

Bei dem Punkt ist er sich mit Grünen-OB-Kandidatin Verena Osgyan einig. Auch mit Blick auf die Geschäfte sieht sie die Straßenbahn als ein Zugpferd – „sie würde Impulse setzen“. Aus ihrer Sicht "muss etwas passieren", um den erhöhten Bedarf an Mobilität in der Nordstadt zu befriedigen. Aus ihrer Sicht liegt auch die U3-Trasse „nicht optimal“. Osgyn hofft zudem angesichts der Klimaschutzdiskussion auf eine "Neuprüfung der Frage, welche ÖPNV-Maßnahme schädlich für Förderkriterien sind. Insgesamt seien eine Altstadtlinie und eine Uni-Tram sinnvoll.

SPD-Fraktionsvize und -OB-Kandidat Thorsten Brehm hält "im Norden wieder eine West-Ost-Verbindung" für notwendig – insbesondere nach Fertigstellung der StUB". Ob diese dann durch die Pirckheimerstraße oder durch die Altstadt führen werde, müsse final nach einer breiten Bürgerinformation am besten in einem Bürgerentscheid geklärt werden.

"Hoffnungsvolle Signale“

Tobias Schmidt vom Vorstadtverein Nord unterstützt auf alle Fälle eine Hochschullinie durch die Pirckheimerstraße – zumal durch eine „neue, umgreifende Strecke“ keine Förderkonsequenzen entstehen würden. Schmidt: "Aus der CSU habe ich dafür hoffnungsvolle Signale erhalten, aus der Verwaltung leider bislang nicht." Thorsten Brehm sieht einen solchen Vorstoß nicht so optimistisch: Er geht davon aus, dass eine Wiederbelebung der Straßenbahn in der Nordstadt "mindestens noch weitere zehn Jahre förderschädlich sein kann“.

 

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