Erste Laufgruppe für psychisch Kranke

13.5.2013, 00:00 Uhr
Jörg Bayer, Initiator der Laufbwegung

Jörg Bayer, Initiator der Laufbwegung "Freakrunning".

NZ: Herr Bayer, wer kann „Freakrunner“ werden, und was macht man da künftig donnerstags?

Bayer: Definitiv jeder, der 500 Meter gehen kann. Bei uns gibt es keinen Leistungsanspruch einer bestimmten Kilometerzahl, und man muss auch nicht krank sein, um mitzulaufen. Beim ersten Mal wird es wohl eher ein flottes Spazierengehen sein, dann können sich auch mehrere Gruppen entwickeln. Natürlich soll hinterher das „Get together“ im Biergarten nicht zu kurz kommen. Menschen sollen miteinander ins Gespräch kommen, die das unter normalen Umständen nicht täten. Vielleicht ist es für manche auch eine Gelegenheit zu sagen: Mir geht es schon länger schlecht, ich traue mich jetzt auch mal und gehe zu einem Therapeuten. Das Stigma psychischer Erkrankungen ist ja immer noch riesig und im Beruf das absolute Knockout-Kriterium.

NZ: Warum, denken Sie, war so eine Laufgruppe überfällig?

Bayer: Bei uns soll es ein bisschen lustig und motivierender als bei ähnlichen Angeboten der Kliniken werden. Beim Laufen kann man auch so eine schwierige Problematik mal flapsig nebenbei besprechen, und man kann über seine Krankheit ruhig mal lachen. Mir geht es auch um das Wiedervernetzen. Wenn man zum Beispiel in einer manischen Phase ist, zerstört man viele Kontakte und muss danach wieder neu anknüpfen.

NZ: Was verbessert Joggen bei psychischen Erkrankungen?

Bayer: Große Studien haben bewiesen, dass Laufen den Stress sogar noch besser mindert als Yoga oder anderes. Durch die Krankheitsphase nehmen die Leute oft sehr stark zu und bewegen sich kaum noch. Ich bin selbst psychisch krank, arbeite bei der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen und in der Selbsthilfegruppenarbeit. Ich habe gemerkt, dass Medikamente nicht alles sein können, und bin so wieder zum Ausdauersport zurückgekommen.

Am Donnerstag, 16. Mai, findet die erste „Freakrunning“-Runde statt. Start ist um 18.30 Uhr beim Blauen-Reiter-Denkmal am Andreij-Sacharow-Platz. Infos findet man auch auf der Internetseite der Freakrunner und auf Facebook.

 

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