"Es ist voll schön" an der Michael-Ende-Schule

12.9.2016, 14:11 Uhr
Erzieher und Lehrer sorgen künftig für die Betreuung der Ganztagesklassen an der Michael-Ende-Schule

Erzieher und Lehrer sorgen künftig für die Betreuung der Ganztagesklassen an der Michael-Ende-Schule © Foto: Michael Matejka

Die Spedition hat die 700 Umzugskartons, die von den Lehrern vor den Ferien im alten Domizil in der Schweinauer Straße gepackt worden sind, im Neubau auf dem Ex-Schlachthofgelände abgeladen. Lehrerin Valeska Siegl steht in ihrem Klassenzimmer zwischen 40 Kartons und seufzt: "Gestern war ich noch am Strand . . .“ Jetzt heißt es Schulbücher und Lernblätter auspacken und damit die Schrankwand bestücken. Auf einem Karton liegt ein Plastik-Gebiss, das auf einer Zahnbürste kaut. "Das muss mir eine Kollegin dahin gelegt haben.“

Der Einzug in die knapp 28 Millionen Euro teure Schule ist aber nicht nur ein Wechsel vom unkomfortablen Altbau in ein modernes Gebäude, in dem die Räume noch frisch riechen, die Möbel schick und die Räume dank hoher Fenster hell sind. Die Michael-Ende-Schule betritt Neuland auf dem bayernweit stiefmütterlich behandelten Feld des gebundenen Ganztags.

40 Lehrer und 22 Mitarbeiter des integrierten Horts betreuen die Kinder bis 16 Uhr gemeinsam. Im Unterschied zum offenen Ganztag findet auch nachmittags Unterricht statt. Gemeinsames Lernen, Zeit zum selbstständigen Üben und Freizeitaktivitäten wechseln sich ab.

Unterricht im Tandem

Erzieherinnen und Erzieher sind bei den Erst- und Zweitklässlern zwei Stunden pro Tag mit im Unterricht und unterstützen sie zudem in den Studierzeiten. In der dritten und vierten Klasse sind Erzieher eine Stunde pro Tag in den Klassen. Für mehr Unterricht im Tandem von Lehrer und Pädagoge reicht das Hort-Personal nicht.

Der Hort sitzt wie das Herz des Schulbetriebs im Erdgeschoss. Hierher können sich die Kinder zurückziehen, im Lesezimmer ausruhen, in der offenen Küche vespern oder spielen. "Als ich das erste Mal hier war, hatte ich das Gefühl, ich bin in einer Highschool“, lobt Regina Kampitsa die moderne Ausstattung. Die Alleinerziehende ist begeistert von den großen Räumen und davon, dass Lehrer und Erzieher ihren Sohn Alkinoos, der in die erste Klasse kommt, den Tag über im Blick haben werden. Das sei gut für seine Entwicklung, sagt sie.

430 Kinder besuchen die Michael-Ende-Grundschule, 212 können den Ganztag nutzen. Die anderen kommen halbtags. "Der Bedarf war beim Ganztag noch größer“, sagt Schulleiterin Tanja Klieber. Langfristig sollen alle Kinder bis 16 Uhr unterrichtet werden.

"Es ist ein Luxus, in eine neue Schule einzuziehen, die nach pädagogischen Vorgaben gebaut wurde“, freut sich Klieber. Auf dem Sideboard in ihrem Büro haben die roten Gummistiefel, die sie in den letzten zwei Jahren immer auf der Baustelle getragen hat, einen Ehrenplatz. "Glücks-Gummistiefel“ seien das, weil bislang alles so gut lief.

Und jetzt herrsche ausgelassene Aufbruchstimmung, bestätigt Hortleiterin Birgit Schubert. Ihre Kollegen — 17 Frauen und fünf Männer — betreuen schon einige Ganztagsschüler. „Die Kinder kamen mit leuchtenden Augen und konnten nicht glauben, dass alles hier für sie ist“, lacht Schubert. Sie ist überzeugt, dass die Schüler davon profitieren, wenn sie von Lehrer und Erziehern „mit ihren unterschiedlichen Sichtweisen“ begleitet werden.

Lehrerin Valeska Siegl hofft, mehr auf das einzelne Kind eingehen zu können. Dass jede Klasse einen Nebenraum für Gruppenarbeit hat, erleichtert die Differenzierung. Es sei gut, Erzieher an der Seite zu haben, wenn ein Kind mal nicht so gut lernt, weil es etwa durch familiäre Dinge wie die Trennung der Eltern belastet ist.

Siegl wünscht sich — ebenso wie viele Eltern — "eine ruhige, familiäre Atmosphäre“ für die Schule. Wer wollte, konnte sich in den Ferien schon mal alles zeigen lassen. Zum ersten Termin kamen gleich 120 Eltern mit Kindern. "Schade, dass die Schule nicht früher fertig wurde“, sagt Vinka Jevtic. Ihre Tochter gehe schon in die vierte Klasse. "Ich erwarte mir hier eine gute Förderung.“ Dass der Spaß nicht zu kurz kommen wird, steht für Tochter Emilia fest. Ihre ersten Worte, nachdem sie die Schule betreten hat, sind: "Es ist voll schön hier!“

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