"Essbare Stadt": Hier darf jeder gärtnern und ernten

4.9.2019, 06:05 Uhr
Zwischen Jakobskirche und Feuerwache ist ein städtischer Garten entstanden: Die Organisatoren zeigen Anwohnern, was es hier alles zu sehen (und essen) gibt.

Zwischen Jakobskirche und Feuerwache ist ein städtischer Garten entstanden: Die Organisatoren zeigen Anwohnern, was es hier alles zu sehen (und essen) gibt. © Foto: Maria Segat

Wer einige Monate lang nicht hier vorbeigekommen ist, dürfte die kleine Fläche zwischen der Jakobskirche und der Feuerwache 3 nicht wiedererkennen. Ein wenig Grün gab es zuvor zwar auch – aber der Platz war wohl kaum viel mehr als ein Hundeklo (auf dem man auch weniger beliebtes großstädtisches Getier sehen konnte).

Heute ist der Platz eine grüne Oase mitten in der Stadt. Am Jakobsplatz ist eine von zwei Flächen der "Essbaren Stadt" entstanden, einem Projekt des Vereins Bluepingu und des Ernährungsrates Nürnberg und Umgebung (ENU), das den Anbau von Lebensmitteln im städtischen Raum fördert.

Und tatsächlich: Zwischen Salaten, Tomaten, Blumenkohl, Zucchini, Paprika und einem kleinen Apfelbäumchen erinnert wenig an die Großstadt drum herum. Beim Rundgang durch den kleinen Garten erklärt Julia Schrader vom Verein Bluepingu die verschiedenen Pflanzen. Auf den Gesichtern ihr gegenüber zeigt sich zunächst ein wenig Verwunderung, die jedoch schnell in Begeisterung umschlägt. Die Interessierten, die zum Treffen mit den Organisatoren gekommen sind, können kaum glauben, was hier alles wächst.

Kommunikation lief schief

Koordinatorin Schrader und ihre Mitstreiter wollen bei diesem Treffen nicht nur einen Einblick in die Welt der Pflanzen geben – sondern vor allem mit den Anwohnern ins Gespräch kommen. Das sei längst überfällig, sagt Julia Schrader. Denn als der Verein im Juni mit den Pflanzaktionen angefangen hat, ging die Kommunikation mit den Anwohnern schief.

"Das ist wirklich mehr als blöd gelaufen", sagt Schrader. Der Verein habe damals für den Druck und die Verteilung von Flyern an alle umliegenden Haushalte bezahlt – und erst im Nachhinein erfahren, dass die nie angekommen sind. Die Bewohner standen also, als der Garten einmal angelegt war, vor vollendeten Tatsachen. "Umso mehr freue ich mich, dass jetzt so viele gekommen sind", sagt Julia Schrader.

Vier Parkplätze weniger

Beim kleinen Rundgang durch den Garten wird es am Jakobsplatz gleich konkret: Anwohner, Hobbygärtner und Organisatoren überlegen, wie man am besten das Gießen aufteilen könnte, ob vor den Beeten noch Schilder ergänzt werden könnten, wie oft man sich in Zukunft treffen wolle.

Ganz so harmonisch sei es beim Anwohnertreffen auf der zweiten Fläche, am Egidienplatz, nicht zugegangen, berichtet Schrader. Auch dort findet sich inzwischen eine grüne Innenstadt-Oase, aber eine, mit der nicht jeder einverstanden ist.

Denn auf den insgesamt 50 Quadratmetern gab es vorher statt Grün vier Parkplätze: Das ist Grund genug für manche Anwohner, gegen das Projekt "Essbare Stadt" zu sein. Dabei habe es sich nicht um Bewohner-, sondern um öffentliche Parkplätze gehandelt, erklärt Sör-Sprecher André Winkel: "Parkplätze sind in der Altstadt nun mal ein rares Gut – aber Grün ebenso." 

Im Rahmen der Altstadt(ver)führungen lädt der Ernährungsrat zu Führungen, unter anderem am 21. September um 11 Uhr zur "Essbaren Stadt" am Jakobs- und Egidienplatz. Weitere Informationen unter
www.ernaehrungsrat-nuernberg.de

 

 

 

 

13 Kommentare