Essen bei RiP: Ist das noch Festival - oder schon Gourmet-Niveau?

11.6.2015, 13:40 Uhr
Mhhh! Die Essens-Qualität bei Rock im Park steigt nahezu jährlich. Ist das noch Festival-Feeling?

Mhhh! Die Essens-Qualität bei Rock im Park steigt nahezu jährlich. Ist das noch Festival-Feeling? © Tobias Lang

"Die Zeiten, in denen Rock im Park nur Musik und Bands waren, sind vorbei", sagt Andree Steiner, Geschäftsführer von Gastro Team Bremen. Das Unternehmen kümmerte sich um das gesamte Speiseangebot auf dem Gelände. "Dafür machen wir ständig Umfragen unter den Fans: Was fehlt euch? Wie findet ihr die Preise? Ist euch biologischer Anbau bei den Zutaten wichtig?"

So gab es 2015 eine große Anzahl an Food Trucks am Dutzendteich. Einer davon gehört dem Kölner Jens Schade. Hier gibt es "Pulled Pork". Das ist rund 16 Stunden gegarter Schweinenacken, geschnetzelt, dazu amerikanischer Krautsalat – genannt coleslaw – und Barbecue-Soße in einem aufgebackenen Brötchen. Alles frisch zubereitet. Kostenpunkt fünf Euro.

Jens Schade ist zum ersten Mal auf einem Festival. Sein Burger mit gegartem Geschnetzeltem vom Schweinenacken kommt gut an.

Jens Schade ist zum ersten Mal auf einem Festival. Sein Burger mit gegartem Geschnetzeltem vom Schweinenacken kommt gut an. © Maria Timtschenko

Günstig und trotzdem frisch

Damit war Schade einer der günstigsten und frischesten auf dem Gelände. Seit drei Monaten macht der Kameramann mit zweitem Standbein seinen Food-Truck. Es war sein erstes Festival. "Es lief gut. Trotz der Standgebühren rentierte es sich, dass wir da waren" Am Samstag musste er sogar von einem Nürnberger Unternehmen noch einmal 160 Kilogramm Fleisch nachordern, das nun im "Smoker" gart.

Über einen Bekannten hatte er Kontakt zum Gastro Team Bremen aufgenommen. Andree Steiner sagt: "Die Gäste achten mittlerweile auch sehr darauf, wo ihr Essen herkommt. Zwar ist Fast Food wie Pizza und Pommes immer noch eine sichere Bank, aber ebenso wollen viele mehr vegetarisches Essen." So bildete sich auch an der Veggie Snackbar eine große Schlange.

"An heißen Tagen fehlte uns meist die Abkühlung"

Nebenan beim Frozen Yogurt sah es nicht anders aus. Nicht nur die Temperaturen begünstigten das Geschäft des Düsseldorfers Paul Maus, sondern auch, dass es sich nicht um schnödes Eis handelt. "Wir sind selbst ambitionierte Festivalgänger", sagt der 21-Jährige. "An heißen Tagen fehlte uns meist die Abkühlung und wir haben den Trend Frozen Yogurt aufgegriffen."

Dieses Jahr konnte man sich auf den gefrorenen, ja fast gesunden Joghurt allerhand Früchte wie Pfirsiche und Ananas oben drauf geben lassen oder Gummibärchen, Schokolade, Caramelsoße und anderes ungesundes Zeug. War ja schließlich immer noch Festival!

Genaue Analyse der Kundschaft

Andree Steiner analysiert seine Festivalkundschaft ganz genau. Je mehr er über eine Zielgruppe weiß, desto genauer kann er sein Essen abstimmen. Von den Essensanbietern lässt er sich das Konzept schicken, die Preise und ihre Vorstellungen zum Stand.

Auf einem Festival sind die Besucher bereit, mehr zu bezahlen. Selbstgemachte Kartoffelchips kosten vier Euro. Ebenso ein Eiskaffee mit Sahne. "Kaffee ist für die Menschen eine Art Lebenselixier", sagt Kaffeespezialist Thomas Hennig von TNE Event aus Zwickau. "Das geht einfach immer." In Deutschland trinken sie normalen Kaffee. In Österreich ist es der Cappuccino. Auch bei 30 Grad Celsius.

Andree Steiner weiß: "Das war nicht immer so. Für einen einfachen Brühkaffee hat sich vor zehn Jahren niemand interessiert." Tipps dazu, welche Preise die Gastronomie anbieten soll, gibt er nicht. "Ich möchte den Wettbewerb auf der Fläche. Der Markt muss sich zwischen den Anbietern selbst regulieren."

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