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Expertin zur Zeitumstellung: "Winterzeit wäre am besten"

Laut Prof. Richter braucht der Körper zwei Wochen, um die Umstellung zu verkraften - 30.03.2019 16:49 Uhr

In der Nacht zum 31. März ist es wieder so weit: Die Sommerzeit beginnt und die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt. © Martin Schutt


Nach der Zeitumstellung fühlen sich viele müde, klagen über mangelnde Konzentration, sind gereizt und erschöpft. Tatsächlich bringt die Umstellung die innere Uhr der Menschen aus dem Takt. "Der wichtigste Regulator für den Schlafrhythmus ist unsere Körpertemperatur", erklärt Prof. Kneginja Richter, Schlafexpertin am Klinikum Nürnberg.

Bei Müdigkeit und im Schlaf sinke die Körpertemperatur. "Müssen wir nun eine Stunde früher aufstehen als bisher, sind wir sozusagen noch zu kalt. Das hängt einem den ganzen Tag nach." Rund zwei Wochen brauche der Körper, um innere und äußere Uhr wieder zu synchronisieren.

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Die Umstellung auf Sommerzeit ist nach Angaben der Expertin härter als die auf die Winterzeit. "Das kann man mit einer Flugreise nach Osten vergleichen, nach Japan zum Beispiel", erklärt sie. "Diese Zeitumstellung ist ja für den Körper auch schwieriger als bei der Reise nach Westen." Die Folgen: Müdigkeit und Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und Gereiztheit.


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Zum Glück gebe es Methoden, mit denen sich die geklaute Stunde schneller und besser wegstecken lässt. "Alles, was tagsüber für Aktivität sorgt, hilft", sagt Richter. Dazu zählt zum Beispiel Bewegung an der frischen Luft. "Gleichzeitig sollte es nachts möglichst dunkel, ruhig und kühl sein." So ist der Kontrast zwischen Tag und Nacht besonders deutlich – der Körper gewöhnt sich schneller an den neuen Rhythmus.

Auf einen Mittagsschlaf verzichtet man zu Beginn der Sommerzeit am besten. Oder man begrenzt ihn auf höchstens eine halbe Stunde. "Die Langschläfer haben es mit der Umstellung auf Sommerzeit besonders schwer", sagt Richter. "Und auch die Eulen, die eher abends aktiv sind." Ihnen geht besonders viel kostbare Schlafzeit verloren. Aber auch Menschen, die ohnehin wenig schlafen, tun sich schwer. Die üblichen Symptome wie Einschlafstörungen wirken sich bei ihnen stärker aus, da sie entsprechend weniger schlafen.

Wie die EU-Kommission und viele Bürger plädiert auch die Schlaf-Expertin für die Abschaffung der Sommerzeit: "Die Zeitumstellung ist eine unnötige Belastung für unseren Körper, auch wenn sie keine nachhaltigen Folgen hat." Außerdem seien die bei der Einführung 1980 erhofften Energie-Einsparungen nicht eingetreten. Von einer dauerhaften Umstellung auf die Sommerzeit hält die Ärztin ebenfalls wenig: "Für den Organismus ist die durchgehende Winterzeit am besten."

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Der individuelle Wach-Schlaf-Rhythmus sei von Mensch zu Mensch verschieden. Er werde vom Hypothalamus, einer kleinen "Schaltzentrale" im Gehirn, von den Genen und von den Zeitgebern der Umwelt gesteuert. Die Regulierung der Körpertemperatur orientiert sich in erster Linie an der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin und der gesamte Schlaf-Wach-Rhythmus wiederum an der Rotation der Erde. Die biologische Tageslänge variiert dabei zwischen 24 und 25 Stunden.

"Folglich ist der Biorhythmus doppelt gesteuert: zum einen von äußeren Einflüssen wie Licht und Nahrungsaufnahme, zum anderen von unserem inneren Rhythmus", sagt Prof. Richter und verweist auf die sogenannten Bunkerversuche aus den 1960er Jahren. Dabei wurden Probanden in ehemaligen Luftschutzbunkern vom Tageslicht und anderen Einflüssen isoliert. Auch nach einigen Wochen hatten sie noch immer ihren ursprünglichen Schlafrhythmus. Diese persönliche Voreinstellung entscheide auch darüber, ob jemand ein Frühaufsteher ("Lerche") oder ein Nachtmensch ("Eule") sei.

nn/dpa

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