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Fall 1: Anna will wieder auf die Beine kommen

NN-Weihnachtsaktion: Eine junge Frau sitzt wegen Tumor im Rollstuhl - 09.11.2019 11:47 Uhr

Anna H., wegen eines heimtückischen Tumors gelähmt. Unterstützung durch Freude für alle. © privat


Gewiss: Andere teilen dieses Schicksal von Geburt an, nicht selten ist es Folge eines schweren Unfalls. Beides ist der heute 33-Jährigen erspart geblieben. Ihr dagegen hat eine heimtückische, lange verschleppte Krankheit so zugesetzt, dass sie von der Brust abwärts fast gelähmt war. Nun aber setzt sie alle Hoffnungen darauf, buchstäblich wieder auf die Beine zu kommen – doch dafür brauchen sie und ihre Familie enorm viel Hilfe.

Bauchschmerzen waren vor vier Jahren die ersten Symptome. Hilfe suchte sie bei einer ganzen Reihe von Ärzten – und musste erfahren, wovon Patienten immer wieder berichten: Mal wurden ihre Beschwerden als harmlos abgetan, mal fühlte sie sich mit der Verordnung von Schmerzmitteln abgespeist, wieder andere Mediziner witterten eine psychosomatische Ursache. "Ich hatte lange das Gefühl, dass meine Beschwerden gar nicht richtig ernst genommen wurden", erzählt die gebürtige Unterfränkin.

Erst als sich schon gewisse Ausfallerscheinungen einstellten, brachten umfassende Untersuchungen in einer Nürnberger Klinik die Mediziner auf die richtige Spur: Ein – nicht erblicher – Tumor im Spinalkanal, also in der Wirbelsäule, drohte zwischen zwei Wirbeln alle Nervenbahnen zu kappen. Zum Glück erwies sich das Geschwür als gutartig, in der Erlanger Uni-Klinik konnte es komplett entfernt werden.

Aber das Rückenmark blieb nachhaltig gequetscht. Aus eigener Kraft konnte Anna H. nur noch ihren Kopf und die Arme bewegen. In Mitleidenschaft gezogen wurden ebenso einige weitere innere Organe. Dazu gesellten sich eine – zunächst wiederum nicht erkannte – Lungenembolie und weitere Komplikationen.

Wohnung wurde unerreichbar

Der Einschnitt hätte kaum tiefer sein können: "Als ich zur ersten Behandlung in die Klinik fuhr, hatte ich nur eine Tasche dabei und dachte, ich könnte rasch wieder nach Hause." Doch aus ein paar Tagen wurden unversehens Wochen und Monate – und in ihre kleine Wohnung sollte sie nicht mehr zurückkehren können. Denn in dem Haus ohne Aufzug war die Bleibe, die sie sich erst kurz zuvor liebevoll eingerichtet hatte, unerreichbar geworden. Ihre Familie musste sie inzwischen auflösen.

Ob eines Tages vielleicht wenigstens eine Rückkehr in ihren Beruf gelingt? Mit Leidenschaft und Engagement war sie als Sozialpädagogin bei einem Fachdienst tätig, hatte sich um Jugendsozialarbeit und um Kinderschutz gekümmert – und ihre Laufbahn wurde jäh unterbrochen.

Das Dreivierteljahr, das sie in diversen Kliniken verbrachte, war von vielen bedrückenden Erfahrungen geprägt – bis hin zu dem Eindruck, dass man sie, so zumindest ihr Eindruck, schon auf ein "rollstuhlgerechtes Leben" vorbereiten wollte.

Doch innerlich begehrt sie dagegen auf, selbst wenn es in ihrem Beruf durchaus Tätigkeiten gibt, die sich auch mit einer Behinderung gut ausüben lassen. Statt sich damit abzufinden, ist die 33-Jährige vielmehr überzeugt, mit hartem Training und passender Unterstützung wieder auf die Beine zu kommen.

Lange Suche

Erster Lichtblick: Im Rummelsberger Krankenhaus, seit einiger Zeit als Querschnittszentrum anerkannt, fühle sie sich inzwischen gut aufgehoben. Sogar ihre Zehen könne sie etwas bewegen und die Oberschenkelmuskulatur spüren, sagt sie – die Nervenbahnen sind also nicht gekappt. Unterstützt von ihrer Familie, ist sie nach langer Suche auf ein Therapiezentrum in Baden-Württemberg gestoßen, auf das sie alle Hoffnungen setzt – erst recht nach einem Schnuppertraining dort.

Sechs Stunden Einzeltraining pro Tag sind vorgesehen – über mehrere Wochen hinweg. Doch die Krankenkasse hat die Kostenübernahme abgelehnt; Anna H. und ihre Familie müssen für die Therapie eine größere fünfstellige Summe selbst aufbringen. Viele Freunde, Bekannte und Kollegen haben schon zusammengelegt. Jetzt will die Weihnachtsaktion mithelfen, das Ziel zu erreichen.

Das steckt hinter der Aktion "Freude für alle"

Zum 50. Mal bittet die Aktion "Freude für alle" in diesem Jahr um Unterstützung für Familien und Alleinstehende in Bedrängnis. Seit ihrer Gründung 1970 ist sie – im engen Zusammenwirken mit Sozialdiensten der Kommunen und der Wohlfahrtsverbände – für Abertausende von Betroffenen zu einer Art Rettungsanker geworden. Bedacht werden können ausschließlich Menschen im Verbreitungsgebiet dieser Zeitung.

Im Bereich der Fränkischen Landeszeitung übernimmt das die parallel laufende Aktion "FLZLeser helfen". Ein herzliches Dankeschön gilt allen Sozialpädagoginnen und -pädagogen, die mit ihrem Engagement die Weihnachtsaktion unterstützen. Ebenso den Sparkassen in Nürnberg, Fürth und Erlangen. Sie stellen der Aktion kostenlos vorgedruckte Überweisungsträger zur Verfügung, die der heutigen Ausgabe beiliegen.

Eine herzliche Bitte: In bewährter Weise werden alle Spendernamen veröffentlicht. Wer das nicht wünscht, versieht seine Überweisung bitte mit dem Vermerk "anonym" oder auch "keine Veröffentlichung". Erneut, und trotz schwieriger Rahmenbedingungen, legen die NN-Verlegerinnen Bärbel Schnell und Sabine Schnell-Pleyer einen großzügigen Grundstock von 25.000 Euro. Damit sind zugleich alle Portokosten, Bankgebühren und sonstigen Aufwendungen gedeckt, sodass sämtliche Zuwendungen von Lesern ohne jeden Abzug für Verwaltungskosten für Hilfsbedürftige zur Verfügung stehen.

Beispielhafte Einzelschicksale stellt die Redaktion bis Weihnachten in täglichen Beiträgen vor; mit Angabe der jeweiligen Fallnummer sind zweckgebundene Spenden möglich. Sofern die Erträge den benötigten Bedarf deutlich übersteigen, behält sich die Aktion vor, auch andere Bedürftige in vergleichbaren Notlagen zu bedenken.

Die "Freude für alle"- Konten : Sparkasse Nürnberg: DE63 7605 0101 0001 1011 11; Sparkasse Fürth: DE96 7625 0000 0000 2777 72; Sparkasse Erlangen: DE28 7635 0000 0000 0639 99; Postbank Nürnberg: DE83 7601 0085 0400 0948 54.

Barspenden sind in den Geschäftsstellen der Zeitung in Nürnberg (Mauthalle), Fürth und Erlangen möglich.

Wolfgang Heilig-Achneck

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