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Fall 24: Das Handicap erschwert die Suche nach Arbeit

Gehörloses Ehepaar aus Kasachstan möchte in Nürnberg Fuß fassen. - 06.12.2019 10:57 Uhr

Wertvolle Unterstützung: Gebärdendolmetscher schlagen die Brücke zwischen Hörenden und Gehörlosen. Die Geste, die der junge Mann zeigt, bedeutet "Guten Morgen". © Foto: Philip Brandstätter/dpa


Beide sind von Geburt an fast taub und können deshalb nicht verstehen, was ihr Gegenüber sagt. Ein Handicap, das den beiden in ihrer früheren Heimat besonders zu schaffen machte. "Als Gehörloser hat man dort kaum Chancen, Arbeit zu finden", sagt Tomas L.

Mit einer schmalen Frührente versuchten sie, irgendwie über die Runden zu kommen, doch das Geld reichte kaum für die Eltern und ihre beiden Töchter. "Das Leben war schwierig für uns", sagt Valerya L., die mit ihrem Mann auch gegen viele Vorurteile kämpfen musste. Weil etliche Verwandte ohnehin schon nach Deutschland ausgewandert waren, versuchte auch Familie L. vor zwei Jahren einen Neuanfang. Tomas L. hat deutsche Vorfahren, deshalb durfte er mit Frau und Kindern im Rahmen des Spätaussiedlerabkommens nach Deutschland einreisen.

Doch der Start in der neuen Heimat war alles andere als leicht. Zwei Jahre lang teilte sich die Familie ein Zimmer in einem Übergangsheim und musste nicht nur mit der Enge zurechtkommen. "Wir haben in einem kleinen Dorf gelebt und waren dort die einzigen Gehörlosen", erzählt Valerya L.. "Das war nicht einfach für uns."

Doch jetzt scheint es aufwärtszugehen. Mit Unterstützung der Evangelischen Gehörlosenseelsorge Bayern fand die Familie eine Wohnung in Nürnberg. Die zwölf und 13 Jahre alten Mädchen – beide hören normal – fühlen sich wohl in Deutschland und haben in der Schule schon Fuß gefasst. "Sie gehen gerne hin", sagt der Vater. "In Kasachstan musste ich sie morgens immer antreiben."

Schwerer Stand

Auch die Eltern lernen gerade Deutsch – ein spezieller Kurs für Gehörlose macht das möglich. Und Valerya L. hat sogar Arbeit im Zimmerservice eines Hotels gefunden. "Sie hat Glück gehabt", sagt die Sozialpädagogin Katina Geißler, die die Familie betreut. Für Gehörlose sei es auch hier nicht einfach. "Oft scheitert die Bewerbung schon daran, dass die Menschen nicht mal eben irgendwo anrufen können." Für die Kommunikation mit dem potenziellen Arbeitgeber sei immer ein Gebärdendolmetscher nötig, so Geißler, die bei der Gehörlosenseelsorge beschäftigt ist.

Bei aller Freude über den neuen Job: Der Verdienst von Valerya L. reicht nicht aus, um die Familie zu ernähren. Zusätzliche Unterstützung kommt zwar vom Jobcenter, das auch bei der Möblierung der komplett leeren Wohnung half. Doch die Zuschüsse sind knapp, deshalb fehlt immer noch eine Küche – hier will die Weihnachtsaktion helfen.

NN

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