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Fall 26: Eine gebrochene Existenz

Ein früherer Restaurantfachmann hat sieben Rückenoperationen hinter sich - 09.12.2019 15:58 Uhr

Theo K. ist wegen seiner gesundheitlichen Probleme nicht mehr erwerbstätig und benötigt unbedingt spezielle orthopädische Schuhe. © Foto: Friso Gentsch/dpa


Denn bei K. ist der ganze mittlere und untere Bereich der Wirbelsäule betroffen, auch der linke Oberschenkel ist taub, der linke Fuß ist inzwischen mehr oder weniger steif – nur eine spezielle Prothese macht ihm das Laufen möglich.

Die Schmerzen stehen ihm ins Gesicht geschrieben – trotz der hochdosierten Mittel, die er jeden Tag nimmt. Es ist eine Leidensgeschichte, die schon vor vielen Jahren ihren Anfang nahm. 1992 hatte er als junger Mann einen schweren Autounfall: Dabei erlitt er unter anderem zwei Lendenwirbelbrüche, einen Beckenbruch und schwere innere Verletzungen. Seine damalige Frau auf dem Beifahrersitz kam bei dem Unfall ums Leben.

Er überlebte, wurde aber nach der sehr langen Genesungsphase nie mehr richtig fit. "Wenn es mir nicht gut ging, habe ich das immer auf den Unfall geschoben und gedacht, das geht schon", sagt er heute. Was die Folgen des Unfalls sind und was andere Ursachen hat, könne man nicht so genau sagen.

Inzwischen auf den Rollator angewiesen

Selbst wenn das gelänge, würde es nichts daran ändern, dass er inzwischen auf den Rollator angewiesen ist und sich bewegt wie ein gebrechlicher Hochbetagter. Hinter ihm liegen alleine sieben Operationen an den Bandscheiben, vier Reha-Aufenthalte, drei Schmerztherapien.

Der gelernte Koch und Restaurantfachmann war immer erwerbstätig, hatte jahrelang in der Gastronomie gearbeitet – und das gerne, wie er sagt. Dank des Trinkgeldes waren "auch mal Extras für die Kinder drin", wie er erzählt. Als er das viele Stehen und Laufen nicht mehr schaffte, fand er einen Job bei einem Freund, der eine Gebäudereinigungsfirma besitzt, und übernahm dort leichtere Tätigkeiten. Seine langjährige Partnerin, mit der er drei gemeinsame Söhne hat, arbeitete als Sprechstundenhilfe in Teilzeit.

Seit zwei Jahren aber haben ihn seine gesundheitlichen Probleme aus der Erwerbstätigkeit geworfen. Inzwischen bezieht er Hartz IV. Sein Rentenantrag ist noch nicht bewilligt. Bleiben die staatliche Unterstützung und der geringe Verdienst seiner Lebensgefährtin. Das Paar versucht, über die Runden zu kommen. "Irgendwie geht das schon", sagt er. Man lebe sehr bescheiden. "Aber es darf eben nichts passieren." So fraß zuletzt eine Reparatur an dem alten Familienauto die letzten Reserven auf. Außer dem mageren monatlichen Budget ist nichts geblieben.

Wird es aus eigener Kraft nie stemmen können

Theo K. braucht aber unbedingt spezielle und kostspielige orthopädische Schuhe, die seine Kasse nicht bezahlt. Sein Rollator wurde zwar übernommen, ist aber mit seinen 13 Kilogramm viel zu schwer für ihn. Er bräuchte dringend ein leichteres Modell. Zudem müssten bei ihm Zahnimplantate ersetzt werden. Aus eigener Kraft wird die Familie die Ausgaben nie stemmen.

Und an Weihnachten will Theo K. mit Blick auf die Kinder gar nicht denken. Die Situation setzt ihm inzwischen mit Depressionen und Migräneattacken auch massiv psychisch zu. "Die ständigen Schmerzen und dieses Nichtstun sind einfach schlimm", sagt er.

Einziger Lichtblick bleibt die Familie: Der kleine Sohn geht gerne in den Kindergarten, der Teenager besucht das Gymnasium, der Große macht eine Ausbildung. Das Paar steht zusammen. Und an besonders schlimmen Tagen sagt seine Lebensgefährtin immer zu ihm: "Das schaffen wir schon alles irgendwie." Die NN-Weihnachtsaktion will das gerne unterstützen.

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